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Laboratorium auf Zeit

12.01.2017

Internationale Bauausstellung Wien

Im September 2015 hat der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig die Internationale Bauausstellung Wien (IBA) ausgerufen, bei der – anknüpfend an die renommierte Wiener Tradition – der „sozial nachhaltige Wohnbau im 21. Jahrhundert“ im Mittelpunkt stehen soll. Studierende der Technischen Universität Wien haben dies zum Anlass für eine weitreichende Untersuchung genommen.

Wien zählt zu den stark wachsenden Städten Europas und steht vor der großen Herausforderung, die zunehmende Bevölkerung mit ausreichend Wohnraum zu versorgen – bis zum Jahr 2025 sollen rund 120.000 neue Wohnungen errichtet werden. Vor diesem Hintergrund soll nun im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung der Blick sowohl auf die Qualifizierung und Weiterentwicklung des bebauten Stadtgebiets als auch auf die Errichtung neuer Stadtquartiere gerichtet werden – all dies vor dem Hintergrund des leistbaren Wohnens und der leistbaren Stadt.

Innovationsprogramm 
Wie kaum eine andere Stadt in Europa erscheint Wien gerade dazu prädestiniert, wegweisende Lösungsvorschläge und Zugänge zu den wohnungs- und stadtentwicklungspolitischen Herausforderungen unserer Zeit finden zu können. Das rasche Wachstum bringt den Wohnungsmarkt stark unter Druck, Immobilienpreise steigen, und ohne ein entsprechendes wohnungspolitisches Instrumentarium droht diese Situation sich noch weiter zu verschärfen. Das Instrument der Internationalen Bauausstellung kann, begründet in dem damit verknüpften „Ausnahmezustand“, die laborartigen Bedingungen dazu schaffen, beispielgebende Antworten auf die brennenden Fragen zu finden. Die kreative und Werte setzende Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des leistbaren und des sozial nachhaltigen Wohnbaus können zu einer großen Investition in die Entwicklung Wiens und damit zur Referenz für andere Städte Europas werden, die vor vergleichbaren Herausforderungen stehen. 

Laborraum Stadt
Von diesem Vorhaben herausgefordert, führte der Fachbereich Örtliche Raumplanung (IFOER) an der TU Wien im vergangenen Sommersemester 2016 eine transdisziplinäre Lehrveranstaltung durch. Unter dem Titel „laborraum stadt“ erarbeiteten Masterstudierende aus Raumplanung und Architektur Beiträge zu Fragen von Migration und Integration, zum gesellschaftlichen Wandel, zur Sicherung der Leistbarkeit des Wohnens und zur Entwicklung vielfältiger, anpassungsfähiger und tatsächlich urbaner Stadtquartiere. Dabei erhoben sie den Anspruch, über das Bauen und Wohnen hinauszudenken, und erklärten explizit die Wiener „Wohnbau-IBA“ zu einer „Stadtbau-IBA“.

Vom Wohnbau zum Stadtbau
Eines wurde schnell deutlich: In Anbetracht der Komplexität der Herausforderungen, mit der sich die Stadt Wien konfrontiert sieht, kann die Internationale Bauausstellung niemals im Fokus eines einzelnen städtischen Ressorts liegen, sondern muss den Anspruch erheben, als Instrument in viele Aufgabenbereiche der Stadt- und Wohnbauentwicklung zu wirken. Genau hier liegen also die Kraft und das Potenzial eines solchen Innovationsprogramms, bei dem die alltäglichen Rahmensetzungen, Handlungsmuster und Kräfteverhältnisse für ein begrenztes Territorium und einen begrenzten Zeitraum aufgehoben werden können.
Vor diesem Hintergrund haben sich insgesamt 20 Studierende der Frage angenommen, welche Ansprüche an eine IBA Wien zu richten sind, und weiter noch: Sie haben sich auf den Weg gemacht, dieses abstrakte und immer spezifisch zu entwickelnde Instrument einer internationalen Bauausstellung in seinen Prinzipien zu durchdringen und selbstständig programmatische Vorschläge zu entwickeln. Die disziplinenübergreifenden Teilnehmenden bildeten dabei die Voraussetzung für das wechselwirkende Arbeiten an einer generellen IBA-Programmatik einerseits und konkreten Projekten sowie Interventionen andererseits. 
Das Verständnis für den laborhaften Anspruch an eine IBA wurde durch Gespräche mit IBA-Protagonisten entlang einer Expedition zu ausgewählten IBA-Standorten in Deutschland verdeutlicht. Stationen dieser Reise waren: das Ruhrgebiet (IBA Emscher Park 1999), Hamburg (2013) und Berlin (1987 und die nicht stattfindende IBA 2020). Ergänzend dazu verdichtete der Austausch mit der Kollegenschaft der TU Dortmund, der HCU Hamburg und der TU Berlin sowie mit Vertretern von Planungsbüros diese Kick-off-Phase. Begleitet wurde das gesamte Semester von den sogenannten IBA Talks, der ersten von der future.lab-Initiative konzipierte und durchgeführte Vortragsreihe, die Themen und Herausforderungen der IBA Wien aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit internationalen Gästen thematisiert. 

Neue Perspektiven für die IBA Wien
Die Projektgruppe „Grund.los!“ stellt in der Frage des leistbaren Wohnens die Bodenpreise in den Vordergrund und macht in ihrer Auseinandersetzung das Potenzial von Nachverdichtung im „Luftleerstand“ deutlich. Räumliche Konzepte werden dabei um neue Finanzierungsmodelle im Sinn einer partnerschaftlichen Stadtentwicklung ergänzt. Die Projektgruppe „Neue soziale Quartiere“ weitet das Feld des Wohnbaus auf die Quartiersebene aus und hebt den Anspruch hervor, die IBA nicht als bloßes Wohnbau-, sondern als Stadtbauinstrument zum Einsatz zu bringen. In der Projektgruppe „Zugangsstadt“ wird ein proaktives Bild Wiens als Stadt gezeichnet, in der viele Menschen ankommen, und ein modellhafter Anspruch an die Räume, die dafür notwendig sind, gezeigt.
Vor allem eines wurde im Rahmen der Auseinandersetzung mit der IBA Wien aber deutlich: die Notwendigkeit eines umfassenden Blicks auf das Instrument internationale Bauausstellung, das über den „Alltag“ von Wohnbau und Stadtentwicklung hinaus in der Lage sein muss, die brennenden Herausforderungen von Stadt und Wohnen zu bearbeiten.

Zu den Autoren:
Dipl.-Ing. Daniela Allmeier ist Universitätsassistentin und ­Dipl.-Ing. René Ziegler Senior Lecturer des Fachbereichs ­Örtliche Raumplanung an der TU Wien

Die ausführlichen Beiträge der Projektgruppen sind in einer Publikation gesammelt: „Laborraum Stadt: Beiträge zur IBA Wien. Hg.: Allmeier, Daniela / Antalovsky, Eugen / Morandini, Teresa et. al., Wien 2017, ISBN: 978-3-902707. Erhältlich am Fachbereich Örtliche Raumplanung, Augasse 2–6, 2. Stock, Kern D,1090 Wien

Autoren: Daniela Allmeier und René Ziegler  

 

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