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PLAN IT SMART!

26.06.2014

Können wir smart planen und clevere Lösungen für Smart Citys finden? Zu dieser Frage wurde auf der 19. internationalen Konferenz (CORP) zu Stadtplanung und Regionalentwicklung in der Informationsgesellschaft GeoMultimedia 2014 in der Wirtschaftskammer Österreich vom 21. bis 23. Mai referiert und diskutiert.

von Edeltraud Haselsteiner

Die zahlreichen vorgestellten internationalen Beispiele zeigen auch die inzwischen inflationäre Verwendung des Begriffs der Smart City.

In der Konferenz kamen Befürworter, Kritiker wie neutrale Beobachter und Analysten gleichermaßen zu Wort. Dabei blieb kaum ein Handlungsfeld unbedacht und kaum eine Nutzergruppe unerwähnt. Smarte Mobilitätslösungen, städtebauliche und infrastrukturelle Planungskonzepte, ökologische Überlegungen in Hinblick auf ausreichende Durchgrünung von Städten oder Strategien zur Anpassung und Erhöhung der Resilienz gegenüber Klimaveränderungen waren vieldiskutierte Themenfelder. Das in den Präsentationen aufgespannte Panorama bereits existierender oder in Planung befindlicher Smart-City-Projekte weist die über Europa weit hinausgehende räumliche Verbreitung aus. Neben evidenten Pilotprojekten aus China und dem arabischen Raum wurden Entwicklungskonzepte aus Australien, Japan und Ägypten vorgestellt. Auch in Russland gibt es erste Trends, zunehmendes Städtewachstum mittels „intelligenter" Planungen und Technologien anzugehen.

 

klimaneutrale Stadtentwicklung

In Europa setzt man stark auf Städtevernetzung. Eines dieser großen Netzwerke nennt sich Clue – Clima Neutral Urban Districts in Europe. Daran beteiligt sind neben den Städten Wien, Hamburg, Barcelona, Rom, Turin, der Region Ma?opolska (Kleinpolen) und Paggaio noch drei Universitäten als wissenschaftliche Partner: die KTH Stockholm, die Napier-Universität in Edinburgh und die TU Delft. Im Rahmen des von Interreg IV C EU geförderten Projekts geht es um die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven zu Klimaneutralität und Energieeffizienz in der Stadtteilentwicklung. Entlang von Good-Practice-Beispielen und Fallstudien werden fünf Kernbereiche durchleuchtet: Legislative/Regulative, Partizipation/Stakeholderprozesse, Planungsstrategien, energieeffiziente Technologien und -systeme, Mobilität. Ergebnisse sind daraus abgeleitete Empfehlungen für Politik und Verwaltung in Bezug auf Klimaschutz und Energieeffizienzmaßnahmen in der Stadt(teil)entwicklung.

 

Smart City Wien

Im Wettbewerb um die „smartest City" lag Wien in den vergangenen Jahren immer wieder gut im Rennen. Platz drei in dem vom US-Klimastrategen Boyd Cohen durchgeführten Ranking, unmittelbar hinter Kopenhagen und Amsterdam, zeichnet Wiens Bemühungen um eine ressourceneffiziente und lebenswerte Stadt aus. 2011 wurde angespornt durch Förderungen seitens des Klima- und Energiefonds sowie vermutlich auch aufgrund des damals überraschenden ersten Platzes in Cohens (erstem) internationalem Städtevergleich die „Smart City Wien" propagiert.

Inzwischen unterstützen mehrere Forschungsprojekte mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielsetzungen die Stadtpolitik mit Beiträgen, Konzepten und Ideen. Als größte Herausforderung sieht man das prognostizierte überdurchschnittlich starke Bevölkerungswachstum. Wien wird infolge der Zuwanderung bis 2030 auf 1,97 Millionen (plus 14 Prozent) anwachsen. Dieser anhaltende Trend führe bis 2060 zu einer Bevölkerungsanzahl von 2,29 Millionen, eine um 27 Prozent angewachsene Bevölkerung als 2012. Um geringeren Ressourcenverbrauch und hohe Lebensqualität auch hinkünftig zu sichern, wird die Stadtregierung im Juni die „Smart City"-Rahmenstrategie verabschieden. In den Kernbereichen Ressourcen, Innovation und Lebensqualität werden Visionen für 2050 zusammengeführt, die in den vergangenen drei Jahren entwickelt wurden. Dabei verfolgt die Stadt Wien durchaus ambitioniert Ziele. Der Autoverkehr soll bis 2030 um nahezu die Hälfte reduziert ­werden und desgleichen der Ausstoß von Treibhausgasen pro Kopf im Vergleich zu 1990 um 35 Prozent bis 2030 und 80 Prozent bis 2050.

 

Smart Cities – smart citizens?

Welchen Beitrag leisten Smart Citys aber tatsächlich in Bezug auf verbesserte Lebensqualität und Lebensbedingungen ihrer Bürger? Kritiker äußern sich häufig über eine Industrie- und Technologielastigkeit vieler Smart-City-Pilotprojekte und kritisieren das eher top-down-orientierte Konzept. Vor allem dominierende Informations- und Kommunikationstechnologien sollten vielmehr dazu genutzt werden, Bürger am Entwicklungsprozess zu beteiligen und zu stärken. Dabei bieten die Methoden der Geoinformationssysteme optimale Möglichkeiten, wie auszugsweise die folgenden Beispiele zeigen:

 

YOUTHMAP 5020

Im Projekt YouthMap 5020 geht es um die Entwicklung einer interaktiven Onlinekarte für die Stadt Salzburg, die speziell auf die Anforderungen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet ist. Sabine Henning, die dieses Projekt auf der Corp-Konferenz vorstellte, sagt zur Zielsetzung: „Derartige dynamische, interaktive Internetkarten sind heute allgegenwärtig und unterstützen nicht nur die räumliche Orientierung und Navigation, sondern spielen auch als Kommunikationsmedium im digitalen Alltag junger wie alter Menschen eine zentrale Rolle." Die Karte wird von Schülern unterschiedlichen Alters und verschiedener Salzburger Schulen gemeinsam mit Geoinformatikern der Uni Salzburg entwickelt. Dabei werden Orte und Kartenkomponenten von subjektiv räumlicher Bedeutung für Kinder und Jugend­liche identifiziert, folglich geeignete (Geo-)Datengrundlagen ­erarbeitet und in der Kartenapplikation YouthMap 5020 verwirklicht.

 

Smart Cities, alltagstauglich

Um die Idee der „Smart City" zu den Bürgern zu bringen, arbeitet die MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Wien für das Interreg IVC Projekt Clue gemeinsam mit dem Mediendesignunternehmen Create.at und dem Beratungs- und Forschungsinstitut 4 Dimension an „ansprechenden Visualisierungen und alltagstauglichen Bildern zu Smart-City-Wien-Themen". Hier kommen innovative Methoden des Informations- und Kommunikationsdesigns sowie auch partizipative Tools wie zum Beispiel „cultural probes" zur Anwendung. Erläutert wird der Prozess anhand eines Beispiels zum Thema Alltagsmobilität. Teilnehmer werden eingeladen, anhand vorbereiteter Karten ihre Alltagswege zu reflektieren und ihre Wunschvorstellungen grafisch darzustellen.

 

Infografiken für „smarte Menschen"

Smarte Städte brauchen smarte, das heißt, gutinformierte Menschen, die sozial und ökologisch verantwortungsbewusst handeln. Von Kersten Nablielek wurden in diesem Zusammenhang Visualisierungen urbaner Stoffkreisläufe gezeigt. Sein Institut, das PBL Niederländisches Forschungsinstitut für Umwelt und Raumplanung, hat zehn Infografiken zu den Themen Mobilität, Energie, Abfall, Transport und Wasser erstellt, die erstmals auf der Architektur-Biennale in Rotterdam 2014 gezeigt werden. Nach dem Vorbild Otto Neuraths werden komplexe Daten in anschaulichen Infografiken dargestellt. So zeigt eine der Grafiken auf, dass Mülltrennung bisher in kleineren Gemeinden wesentlich effizienter funktioniert und welch großes Potenzial in größeren Städten hingegen vorhanden wäre.

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