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Stifter nachentwerfen

12.01.2017

Den Ursprung der modernen Architektur ausgerechnet in den handlungsarmen Erzählungen des ober-österreichischen Biedermeier-Dichters Adalbert Stifter (1805-1868) zu verorten gelang dem jungen deutschen Architekturwissenschaftler Uwe Bresan in seinem neuen Buch "Stifters Rosenhaus". 

Adalbert Stifters Roman „Nachsommer“ (1857) – einst aufgrund seiner Ereignislosigkeit als „langweiligstes Buch der Weltliteratur“ verhöhnt – hat in den vergangenen 150 Jahren zahlreiche Architekten dazu animiert, das in der Coming-of-Age-Erzählung minu­tiös geschilderte „Rosenhaus“ zu rekonstruieren bzw. zu der von Stifter beschworenen Idealarchitektur Stellung zu beziehen. Ohne Vorurteil gegen das „Hohelied eines Hauses“ und das historische Bewusstsein einer traditionsgebundenen Moderne zeichnet der deutsche Architekturwissenschaftler Uwe Bresan nach, wie stark Stifters Landhausidylle in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit den Reformbestrebungen des Werkbunds und der Gartenstadtbewegung assoziiert war. Dass die Lektüre des Romans in den Werken von Paul Schmitthenner, Theodor Fischer und Fritz Schuhmacher, aber auch bei Architekten einer „anderen Moderne“ wie Rudolf Schwarz, Emil Steffann und Johannes Spalt Spuren hinterlassen hat, wird nicht nur angedeutet, sondern überzeugend belegt. Stifters Erzählung rückt damit als ein wirkmächtiges Architekturnarrativ der Moderne erneut ins Blickfeld. 

Uwe Bresan: Stifters Rosenhaus. Eine literarische Fiktion schreibt Architekturgeschichte
Mit einem Vorwort von Wolfgang Voigt
Leinfelden-Echterdingen 2016,Verlagsanstalt Alexander Koch, 248 Seiten
ISBN 978-3-87181-906-3
(erhältlich über: www.fachbuchquelle.de

Autor:
Gabriele Kaiser
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