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Hohe Anforderung an Planung und Ausführung

27.12.2016

Selbst Kirchen genießen keine himmlischen Privilegien. Auch an ihren Mauern und Dächern nagt der Zahn der Zeit. Um sie bautechnisch zu erhalten und dem Stand der Technik anzupassen, sind oft Kompromisse bei Planung und Ausführung notwendig. Hinzu kommt, dass sich Sanierungsmaßnahmen am und im Gotteshaus meist schwierig gestalten und einen hohen finanziellen Aufwand erfordern. 

Die Kirchenverwaltung der Pfarrkirche St. Michael im deutschen Bubenhausen wollte einen behindertengerechten Umbau ausführen. Dazu verlangte die Diözese Augsburg eine „Standsicherheitsprüfung der Kirche“. Bei der notwendigen Gebäudeprüfung stellte das Ingenieurbüro Dr. Schütz gravierende Mängel fest, die eine grundlegende Sanierung der Bausubstanz notwendig machten. Im Innenbereich betraf das die 1953 neugestalte Decke, den Innenputz mit seinen spätgotischen Fresken, das durch Witterungseinflüsse feuchte Mauerwerk sowie konstruktiv auch das hölzerne Dachtragwerk. Da die Sparren teilweise sehr starke Schäden aufwiesen, musste das gesamte Dach saniert werden. Das betrifft nicht nur das Langhaus mit seinem 60-Grad-Satteldach, sondern auch den Chor mit 5/8-Schuss sowie die südlich am barocken Chor mit Quersatteldach angeordnete Sakristei. Nicht betroffen war der im Norden vorhandene quadratische Turm, angeordnet im Winkel zwischen Langhaus und Chor, beide im Jahr 2007 komplett saniert.

Eine bewegte Baugeschichte

Der Turm der spätgotischen katholischen Pfarrkirche in Bubenhausen stammt etwa aus dem 15. Jahrhundert. Der restliche Bau aus dem frühen 16. Jahrhundert. Eine Umgestaltung fand Ende des 17. Jahrhunderts statt. 1699 wird die Kirche „sumtuose reparata“ genannt. Im Stil des Rokoko erfolgte Mitte des 18. Jahrhunderts eine neue Dekoration und Innenausstattung mit Stukkaturen und Deckenfresken von Franz Martin Kuen. Im Klassizismus kam um 1821 eine Orgel auf der Empore hinzu. Um 1880 wurde die gesamte Rokokodekoration und Ausstattung beseitigt und durch neuromanische Einrichtung ersetzt. 1913 wurde durch Albert Heinle sen. eine Renovierung ausgeführt, bei der die Decke neu gestaltet und die spätgotischen Fresken freigelegt wurden. 1953 wurde der Innenraum renoviert und mit neuen Deckengemälden versehen, 1961 der Außenbereich renoviert.

Sanierung der Dachfläche

„Den Zuschlag für die Dachsanierung zu bekommen hat mich besonders gefreut“, so Zimmermeister Rudi Heinle, „denn ich wurde hier getauft. Zudem stellt ein Kirchengebäude besondere handwerkliche Anforderungen an die Ausführung.“ Denn diese muss auch bei unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden den Anforderungen aus Bauvorschriften und Normung entsprechen. Das gilt insbesondere bei der Windsogsicherung von Dachflächen, wie sie nicht nur den Richtlinien des Dachdeckerhandwerks und der Normung, sondern auch den Forderungen der Versicherungswirtschaft bei Gebäudeversicherungen entsprechen muss. Rund 40 Prozent aller Gebäudeschäden werden durch Stürme verursacht, wie eine Analyse von Sachschäden der Allianz für das Jahr 2013 zeigt. Die Erwartungen gehen davon aus, dass in den kommenden 50 Jahren rund 80 Prozent aller durch Naturkatastrophen verursachten Schäden durch Starkstürme verursacht werden. Deswegen müssen alle Dachflächen entsprechend fachgerecht gesichert werden.   

Windsogberechnung

In Abhängigkeit von der Gebäudelage, der Dachform und dem Eindeckmaterial muss eine objekt- und produktabhängige Windlastberechnung durchgeführt werden. Die zirka 400 Quadratmeter große, neu einzudeckende Dachfläche der Pfarrkirche St. Michael hat eine Dachneigung von etwa 60 Grad. Für die Dachsanierung wurden zunächst alle Objektdaten vom Dachdecker Heinle & Renz aus Meßhofen in einem Erfassungsbogen eingetragen. Der Sturmklammerhersteller ließ gemäß den genannten Daten eine statische Windlastberechnung nach DIN EN 1991-1-4 erstellen.

Entsprechend den geografischen Daten liegt der Ort Bubenhausen in der Windzone 2 Binnenland. Die in der Einzelfallberechnung „Sturmklammer“ genannten Werte sind nur für das angegebene Deckmaterial und die dort genannte Sturmklammer „FOS 415c06“ anwendbar. Werden andere Deckmaterialien oder Sturmklammern verarbeitet, muss für die jeweilige Klammer immer eine neue statische Berechnung erstellt werden. Basis der Einzelfallberechnung „Sturmklammer“ waren die Angaben der Zimmerei Heinle & Renz: Dachdeckung ohne Deckunterlage mit Creaton-Dachziegel „Biber Sakral gerader Schnitt“ in Doppeldeckung auf Lattung 40 x 60 Millimeter NH C24 (S 10), Satteldach mit 60 Grad Neigung. Die exakten Angaben sind deshalb wichtig, weil die Berechnung nur für die genannten Komponenten (Deckmaterial und Sturmklammer) der Ausführung gilt. Das Zusammenspiel der Einzelkomponenten ergibt das zur Dacheindeckung notwendige Windsogsicherungssystem. Dafür notwendig ist eine Systemprüfung nach DIN EN 14437, bei der die Kombination der Komponenten getestet wird. Die Berechnung für die Neueindeckung des Kirchendachs St. Michael ergab eine Sturmklammer „FOS 415c06“, womit jeder zweite Dachbiber geklammert wird.  
Da im Dachstuhl der Kirche Fledermäuse leben, musste die Be- und Entlüftung der Dachfläche entsprechend angepasst werden. Die Lüftungsbiber Sakral mit geradem Schnitt sind im Traufbereich und – entgegen der üblichen Anordnung – nicht direkt in Firstnähe, sondern einige Reihen darunter angeordnet. 

Fazit

Die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden ist nicht nur finanziell, sondern auch technisch recht aufwendig. Dabei kann es vorkommen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen bautechnischen Normen und Verordnungen nicht ausgeführt werden können, weil die Denkmalschutzbehörde beispielsweise den Forderungen der EnEV widerspricht. Deshalb sollten Planer und Handwerker sich frühzeitig mit dieser Behörde abstimmen.  Die Pfarrkirche St. Michael in Bubenhausen ist davon nicht betroffen, da alle Beteiligten die Bauausführung frühzeitig abgestimmt haben: Behörde, Planer bzw. Bauleiter, Klammerhersteller und Handwerker. So ist die Kirche nicht nur gegen Witterungseinflüsse gerüstet, sondern das Dach auch gegen Starkstürme bautechnisch gesichert.

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