15.11.2005
Einrichtung von Werkstätten ist feinste Maßarbeit

Werkstätteneinrichtungen haben sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten von einer Grund- zu einer High-Tech Ausstattung entwickelt. Echte Spezialbranchen haben sich so im Laufe der Zeit herausgebildet, die Service und Dienstleistungen mit bestausgebildeten Technikern anbieten.
Von Ing. Martin Reichmann
Jeder von uns kennt noch die Bilder früherer Werkstätteneinrichtungen. Teilweise wurden sie sogar in kleinen 3D-Holz-Bildern als Geschenk nachgebaut. Darauf ist eine Hobelbank mit Hobeln und Hobelscharten zu sehen, links und rechts an der Wand hängen Werkzeugkästen mit dem gebräuchlichen Handwerkzeug, die Gestell- oder Tischlersägen hängen an der Wand, und am Fensterbrett befinden sich Behälter und Gläser mit Lacken und Polituren.
Betritt man heute eine Tischlerwerkstätte, so gleicht sie eher einem High-Tech-Betrieb, denn einer Werkstätte, wie wir sie von den alten Bildern kennen. Rohre, Schläuche, Leitungen, Stecker, Schalter, Zusatzeinrichtungen und Werkzeuge für Maschinen an den Wänden prägen heute das Bild in Betrieben. Bei der Errichtung einer Werkstätte muss sich der Tischler von heute nicht mehr allein um den Raumbedarf für die Handwerkstätte und das Maschinenhaus, das Handwerkzeug und die Handmaschinen kümmern, sondern er hat zahlreiche „Accessoires“ zu bedenken. Gesetzliche Bestimmungen und Auflagen, getrennte Sanitärbereiche für Damen und Herren, entsprechende Aufenthaltsräume, Fluchtwege (Anzahl und Breite je nach Mitarbeiterstand) und im Speziellen Absauganlagen, Lüftungssysteme, die Späneentsorgung, Heizanlagen sowie den erweiterten Werkstättenbedarf über die Druckluftanlagen (für Maschinensteuerungen, Reinigungsgeräte, etc.) bis hin zur funktionellen Hobelbank, die sich im Laufe der Zeit auch weiterentwickelt hat.
Die neue Hobelbank
Die Hobelbank wird allen Gerüchten zum Trotz nicht aus der Tischlerwerkstätte verschwinden. Sie hat weiterhin viele Vorzüge, die kein anderer Gegenstand ersetzen kann. Das Einspannen von Werkstücken zur beidhändigen Bearbeitung ist nach wie vor ein Vorteil und sie ist mit der Zeit gegangen, hat sich in ihrer Funktion verwandelt bzw. angepasst. Sie ist heute höhenverstell- und fahrbar. Gerade die Höhenverstellung ist für viele Mitarbeiter von Vorteil, sie kann bei Bedarf von mehreren Personen benutzt werden und jeder kann sie an seine Körpergröße durch ein paar Kurbeldrehungen anpassen. Weil sie auch fahrbar ist, kann sie dem Werkstück folgen, z.B. bei komplizierten Fräsarbeiten. Zur Kontrolle kann man den Teil einspannen oder diesen händisch nachbearbeiten. Mobilität und Flexibilität sind damit heute auch bei den bisher als starr und unbeweglich geltenden Hobelbänken möglich. Druckluft ist in einer Tischlerwerkstätte nicht wegzudenken. Sie kann vielfältig eingesetzt werden, z.B. für Druckluftwerkzeuge (Schrauber, Tacker, Schleifer, etc.), zur Steuerung von Maschinenteilen (z.B. Absaugklappen, Funktionsteile bei Kantenanleimmaschinen, Druckbalken, etc.), zur Reinigung von Entstaubungsfiltern in Spänesilos sowie bei Lackieranlagen und einiges mehr. Man muss an dieser Stelle jedoch auch erwähnen, dass die Reinigung mit Druckluft in den Werkstätten verboten ist „Absaugen statt Abblasen!“, heißt hier die Devise. Laut Angaben der Erzeugerfirmen fallen ca. zwei Drittel der Lebenszykluskosten eines Kompressors auf den Energieverbrauch. Daher geht die Entwicklung der neuen Generation von Kompressoren hauptsächlich in Richtung einer Verbesserung der Energie-Effizienz. Weiters werden lärmarme und platzsparende Kompressoren entwickelt, um die Druckluftanlagen noch effizienter einsetzen zu können. Wie bei allen Produkten, die man sich kauft, gilt der gleiche Grundsatz: „wer billig kauft, kauft teuer.“ Zuverlässige Qualitätsprodukte, die exakte Feststellung des Druckluftbedarfs, die Erfassung des Bestands und die Planung des optimalen Aufstellungsorts sparen Ärger und Kosten. Wie meistens lohnt es sich auch hier mit erfahrenen Profis zu sprechen um das beste Paket für sich zu entwickeln.
Maßgeschneiderte Absaugung
Auch bei Absauganlagen werden Funktionsteile mit Hilfe der Druckluft gesteuert. Späneabsaugungen sind jedoch ein spezielles Thema. Hier gibt es kein Patentrezept, da ersten die gewerberechtlichen Auflagen gebietsweise und zweitens die Anzahl der verwendeten Maschinen differieren. Daher geht die Entwicklung auf diesem Markt Richtung flexibler Absaugsysteme mit intelligenter Steuerung. Heute sind die Zeiten vorbei, in denen man den Schieber am Ansaugstutzen der Maschine händisch öffnen musste. Neue Anlagen sind mit computergesteuerten Schiebereglern ausgestattet die Saugleistungen registrieren, Nachlaufzeiten berechnen und einen optimalen Ablauf im Maschinenhaus gewährleisten. Anlagen werden heute an die jeweilige Situation angepasst, wobei energiesparende, kompakte bzw. platzsparende Bauweisen, kaum Staubaustritt oder Ventilatorenverschleiß, automatische Anpassung der Ventilatorleistung in Abhängigkeit der Maschinen, die Abstimmung zwischen Absaugluftmenge und Filterfläche, kurze Montagezeiten und geringe Geräuschentwicklung die Hauptkriterien sein dürften. Auch hier gilt die Devise, Beratung durch die Fachkräfte führt zum erwünschten Ziel, denn die Hersteller bieten alle erdenklichen Varianten, vom Kleinbetrieb bis zur Großfirma, von der Entsorgung durch verschiedene Behälter zur Absack- oder Brikettierstation bis zum nachfolgenden Weitertransport zum Container oder Silo für die Beheizung der Werkstätten.
Optimale Entsorgung
Sinnvollerweise werden die Holzabfälle in Tischlerwerkstätten zur Wärmeerzeugung verwendet. Speziell durch die immer knapper werdenden Rohstoffe und der Ölverteuerung, setzen sich alternative Energiequellen zunehmend durch. Moderne Holzfeuerungsanlagen nutzen erneuerbare Energieträger, sind umweltfreundlich und sind in ihrer Bestückung (Späne, Hackschnitzel, Briketts Pellets oder Biomasse) flexibel und kombinierbar, und sie können vollautomatisch betrieben werden. Die richtige Wahl des Heizsystems hängt entscheidend von der Struktur des Betriebes ab, von seiner Größe, vom Platzangebot und von der Zubringermöglichkeit alternativer Brennstoffe. Die Auswahl hat man zwischen Unterschub- bzw. Rostfeuerungen, die weiteren Highlights sind die speziellen Austragungen und Fördersysteme der Brennstoffe, die vollautomatische Reinigung des Wärmetauschers während des Heizbetriebs, die automatische Asche-Entsorgung und die wartungsarme, zuverlässige Funktion der gesamten Heizanlagen sowie deren ausgereiften Steuerungssystemen.
Neben der Rückluftführung bei Absauganlagen (die gesetzlichen Auflagen, speziell bei der Verarbeitung von Buchen- und Eichenholz, müssen genau eingehalten werden) und diversen Lüftungssystemen ist die Luftbefeuchtung ein nicht unwesentliches Thema bei der Holzverarbeitung. Für Firmen die hauptsächlich Massivholzteile verarbeiten ist der Wert der relativen Luftfeuchtigkeit von Bedeutung. Das Holz unterliegt großen Veränderungen durch große Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit in seiner unmittelbaren Umgebung. Der ideale Wassergehalt des Holzes während der Verarbeitung beträgt 8 Prozent - 13 Prozent. Diese Werte werden bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 45 Prozent - 60 Prozent in den Sommermonaten von selbst erreicht. In der Heizperiode sinkt die relative Luftfeuchtigkeit teilweise auf 20 Prozent – 30 Prozent, damit sind Schäden an Holzprodukten vorprogrammiert und diese werden umso größer, je schneller die relative Luftfeuchtigkeit sinkt. Dagegen wurden Luftbefeuchtungssysteme entwickelt, die ein behagliches Klima in Produktionsstätten, Holz- oder Furnierlager durch die Zerstäubung von Wasser in die Umgebungsluft schaffen. Studien haben bewiesen, dass Mitarbeiter in Betrieben mit einem Luftbefeuchtungssystem durch ein gesünderes, gleichmäßigeres Raumklima profitieren. Es wurde eine Verbesserung der Probleme mit trockener Haut und Schleimhäuten, Augenbrennen, Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten und der frühzeitigen Ermüdung (Unfallgefahr) festgestellt. Systeme von heute zeichnen sich durch geringe laufende Betriebskosten und einen niedrigen Geräuschpegel aus.
Richtige Holztrocknung
Die heutige Zeit bringt es mit sich, dass man mit dem kleinsten Aufwand in kürzester Zeit den größtmöglichen Ertrag erzielen möchte. Daher ist auch der Massivholzeinkauf ein wesentlicher Faktor für den reibungslosen Ablauf in der Produktion. Massivholz wird zwar zwischen der Schlägerung und der Auslieferung getrocknet, das Holz hat jedoch selten die vorher erwähnte Holzfeuchtigkeit von 8 Prozent - 13 Prozent. Daher ist für viele Firmen das Interesse an einer eigenen Holztrockenanlage gestiegen. Die Hersteller können daher Anlagen in beinahe jeder Größe anbieten bzw. erzeugen. Eines haben alle Anlagen gemeinsam, für die Hersteller ist eine größtmögliche Effizienz, niedrige Betriebskosten und eine hohe Qualität (zuverlässige und schonende Trocknung) das Grundprinzip, und die Spezialisten beraten und berechnen die individuelle und optimale Anlage für jeden Betrieb. Sie haben sicher bemerkt, wie umfangreich diese Themen sein können, obwohl sie nur teilweise beschrieben und nicht genauer erläutert wurden und schon gar nicht in ihrer Auflistung vollständig sind. Leider werden die in diesem Artikel behandelten Werkstätten-einrichtungen manchmal als nebensächlich betrachten, da das Hauptaugenmerk bei der Errichtung einer Tischlerwerkstätte auf den Maschinenpark und auf den Produktionsablauf gelegt wird. Nebensächlichkeiten können sehr rasch zum Hauptproblem werden, wenn sie nicht ausreichend bedacht, geplant und durchgeführt wurden. Nur ein ausgereiftes Gesamtpaket wird zum Erfolg führen können.

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