Optik und Haptik für ein gutes Wohngefühl
06.12.2005
Optik und Haptik für ein gutes Wohngefühl

Unsere Umwelt ist durch die Aufnahme von Informationen über die fünf Sinne definiert. In der Auseinandersetzung mit den uns umgebenden Möbeln spielt die sinnliche Wahrnehmung die entscheidende Rolle.
Von Walter Lindic und Katharina Hann
Vor allem das Sehen und Fühlen/Tasten sind Sinne, die einen maßgeblichen Einfluss auf unser Umfeld haben. So auch in unserem Wohnbereich, gerade dort ist es wichtig, dass das Auge und auch das Gefühl zufrieden sind. Auch Glanz spielt eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden, in diesem Falle ist es nur sehr individuell was die Anforderungen betrifft.
Gefühl und Stil
Der Raum in dem wir arbeiten und wohnen, die dazu gehörige Einrichtung, mit der wir in Verbundenheit leben, haben Temperatur, Struktur, Form, und Gewicht. Alle diese bezogenen Eigenschaften kann man ertasten und mit dem ganzen Körper erleben und spüren. Ist der Tastsinn zufrieden und verlangt nach mehr, dann empfinden wir diese Gefühlswahrnehmung als behaglich. Die angenehmen Basisstrukturen im Wohn- und Arbeitsbereich sind jene die der Haut am nächsten kommen. Oberflächen die nicht geschlossenporig verarbeitet wurden; geölte und gewachste Vollholz- sowie furnierte Plattenwerkstoffe können das Erlebnis Natur nahe bringen. Es gibt eine Vielzahl an modernen Holzwerkstoffen die für alle Arten der Oberflächenbehandlung Möglichkeit bieten, um Struktur zum Spürerlebnis werden zu lassen. Die Umsetzung dieser positiven Reizbildung unterliegt fachspezifischen Kenntnissen, die eine Symbiose zwischen dem ausführenden Fachmann Oberflächenbeschichtern voraussetzt. Fehler in der Herstellung und Ausführung von Oberflächen, wie Risse, unterschiedliche Glanzgrade, oder diverse Staubeinschlüsse mindern die Qualität sowie die Behaglichkeit.
Alterungsprozesse sind nicht gänzlich zu verhindern oder auszuschließen, solche Effekte können jedoch auch erwünscht sein. Dieses Erscheinungsbild kann arbeitstechnisch wie produktbezogen herbeigeführt werden, man spricht hier von lebendiger Patina. Möbeloberflächen werden zum Leben erweckt. Die Patina macht Konturen für die sehende Wahrnehmung weicher, sie verleihen der Struktur des Möbels einen anderen Ausdruck und eine differente Wirkung, ohne einen Qualitätsverlust herbei zu führen.
Vor der Oberflächenbehandlung
Voraussetzung zur Vorbehandlung ist die richtige Beurteilung der Holzqualität, deren Eigenschaften – Härte, Struktur, Porosität, sowie deren Lichtechtheit. Weiters spielen mögliche Inhaltsstoffe des Holzes, wie Gerbsäuren oder Harze, eine wichtige Rolle. Auch bereits vorhandene Stoffe, mit welchen das vorliegende Holz schon einmal behandelt wurde, können Veränderungen im nachfolgenden Behandlungsprozess herbeiführen. Um Probleme dieser Art auszuschließen, ist eine genaue Inspektion des Holzes von Nöten. Nur eine von chemischen wie natürlichen Fehlerquellen gesäuberte Oberfläche bietet ideale Vorraussetzungen für eine präzise Verarbeitung.
Ein weiterer wichtiger Punkt, bezogen auf furnierte Flächen ist die Auswahl des Furnierleimes.
Es gibt zwei verschiedene Typen von Leimen: PVA-Leime und Harnstoffharzleime. Um eine rötliche Verfärbung zu verhindern, sollte beim Furnieren von Nadelhölzern darauf geachtet werden, dass prinzipiell PVA-Leime verwendet werden. Zum Furnieren von exotischen Holzern sowie Laubhölzern ist die Behandlung mit Harnstofflacken vorteilhafter. Zur Plastifizierung können bis zu 30 % Weißleim zugesetzt werden.
Beim Verleimen sollte vor allem darauf geachtet werden, dass ein so geringer Leimdurchschlagsanteil wie möglich vorhanden ist, da diesr in den meisten Fällen nicht vollständig entfernt werden kann (PVA-Leime). Leimdurchschläge entstehen durch zu sattes Auftragen des Leimes, zu wenig gestreckten Leim oder zu dünner Leimflotte. Sollten durch die Holzbeschaffenheit vorhersehbare Leimdurchschläge entstehen empfiehlt es sich, den Leim vor dem Auftragen einzufärben. Dieses lässt sich mit Hilfe von Eisenoxyd- (rot, braun oder schwarz) sowie flüssigen Pintasolfarben, welche in der Anwendung günstiger sind, bewerkstelligen. Grundlegende Vorbehandlung ist der Holzschliff. Dieser sollte in zwei Phasen durchgeführt werden, dem Feinschliff (Körnung 150 – 180) und dem Grobschliff (Körnung 100 – 120). Hier bilden Nadelhölzer jedoch eine Ausnahme, diese haben bei einem Schliff mit Körnung 120 die beste Saugfähigkeit, dieses bietet später für das Auftragen des Lackes besondere Vorteile. Der Grobschliff darf nicht mehr als notwendig durchgeführt werden, das heißt eventuelle Fugenverleimbehelfe, Fäden-Klebestreifen, Leimdurchschläge und Messerscharten sollten entfernt werden. Hingegen ist der Feinschliff nur eine Entfernung des Grobschliffes.
Der Schleifdruck darf nicht zu hoch sein, helle und dunkle Hölzer sollten von einander getrennt geschliffen werden. Die Schleifrichtung ist beim Grobschliff entlang der Holzfaser zu führen. Beim Feinschliff sollte jedoch zuerst quer zur Faser und dann längs der Faser geschliffen werden. Anschließend an Grob- und Feinschliff wird der so genannte Glättschliff oder Lackschliff, mit Körnung 280, durchgeführt. Nun steht der Behandlung des Holzes mit diversen Mitteln nichts mehr im Wege.
Öle und Wachse
Für hochwertige Oberflächen sollte das Möbel vor der Behandlung mit Wachsen und Ölen – gewässter, nach der Trocknung fein geschliffen und gründlich entstaubt werden. Die anschließende Grundierung ergibt eine Reduzierung der Saugfähigkeit des Holzes sowie die Verfestigung des Untergrundes.
Öle werden oftmals als Grundierung für Wachse verwendet, durch das Aufbringen des Öles auf das Holz wird dieses tiefenimprägniert, dabei wird das Saugverhalten des Werkstoffes massiv herabgesetzt, die Oberflächenstruktur bleibt jedoch spürbar erhalten. Diese Grundierung an sich stellt noch keinen vollständigen Oberflächenschutz da. Durch den anschließenden Wachsauftrag und dessen Politur wird eine dünne Schutzschicht, welche die mechanische Standfestigkeit, die Oberflächenbeständigkeit und die Strapazierfähigkeit steigert, auf das Holz aufgetragen. Durch den Wasser abweisenden Effekt des Wachses wird das Möbel vor Feuchtigkeit geschützt und die typische Holzstruktur bleibt erhalten. Die Atmungsaktivität des Möbels wird nicht beeinträchtigt, das bedeutet, kurzfristig erhöhte Luftfeuchtigkeit kann vom Möbel aufgenommen werden und später wieder kontinuierlich an das Rauminnere abgegeben werden. Dies fördert das Wohlgefühl in den eigenen vier Wänden.
Wachse können jedoch auch in Kombination mit Kunstharzen verwendet werden. In diesem Fall ist das Wachsen äquivalent zur Grundierung durch ein Öl, und das Versiegeln durch ein Kunstharz bildet das Pendant zum Auftragen des Wachses im zuvor genannten Verfahren.
Zur Verarbeitung werden pflanzliche wie auch tierische Wachse (z. B. Bienenwachs) in Testbenzin gelöst, um diese schnell und konventionell auf die gewünschte Oberfläche aufbringen zu können. Die aufwändige Pflege stellt jedoch einen Nachteil an diesem Verfahren da.
Lacke
Trifft man die Entscheidung die Möbeloberfläche mit einem Lacksystem zu behandeln, so sollte die Auswahl des Lackes sorgfältig durchgeführt werden. Verschiedene Verarbeitungszeiten sowie Maschinerien und Wirkungsweisen bestimmen den jeweiligen Verwendungszweck. Grundsätzlich lässt sich eine Unterscheidung in zwei große Gruppen treffen:
1) Lacke auf Wasserbasis – „Wasserlacke“
2) Lacke auf Lösungsmittelbasis – „Lösungsmittellacke“
Je nach Verwendung, Anwendung und Kostenrechnung, birgt jeder Lack seine Vor- und Nachteile. Auch die Auftragstechniken können starken Einfluss auf die Qualität der Oberfläche haben, eine Vielzahl von Verfahren bieten hier Varianten und Möglichkeiten, die für den Verwendungszweck ideale Oberfläche zu erstellen. Durch den geringen Anteil an Zusatzstoffen ist Wasserlack in der Entsorgung und der Verarbeitung wesentlich umweltfreundlicher als etwaige Lösungsmittellacke.
„Wasserlack – die Vision der Zukunft“ – auch Firma Adler setzt auf das Motto: „Saubere Arbeit, saubere Umwelt.“ Schon mehr als 60 Prozent der rund 10.000 Artikel werden auf wasserverdünnbarer Basis hergestellt. Dass Umweltschutz für Adler nicht nur Lippenbekenntnis ist, beweist auch das 1995 eröffnete Umweltschutz & Recyclingzentrum, das zu den modernsten in Europa zählt. Für sein Engagement wurde Adler 1994 mit dem „Responsible Care“ Zertifikat ausgezeichnet.
Wasserverdünnbare Lacksysteme
Der bedeutendste Schritt zum Umweltschutz gelang den beiden Unternehmen (Wackenhut & Adler) im vergangenen Jahr. Wackenhut errichtete eine neue Lackieranlage und stellte damit die gesamte Oberflächenbeschichtung auf lösemittelarme Lacksysteme um. „Wir haben uns entschlossen, ein neues Lackierverfahren, basierend auf Wasserlack, einzuführen. Unsere Suche nach einem Partner in der Lackindustrie führte uns natürlich zu Adler nach Schwaz. Adler hat einfach die besten Ergebnisse geliefert“, streut Stefan Wackenhut den Tirolern Rosen. Der Schlafzimmer-Hersteller wollte nicht nur die gesetzlichen Anforderungen im Bereich der Lösemittelemissionen erfüllen, sondern auch seinen Kunden ein gesundheitsverträgliches, umweltfreundliches Produkt liefern. Beide Vorhaben sind geglückt: Die freigesetzte VOC-Menge wurde auf ein Viertel reduziert, die Gesamtmenge an Lackschlamm um circa 70 Prozent verringert. Durch den hohen Flammpunkt der eingesetzten Wasserlacke wurde auch die Brand- und Explosionsgefahr erheblich verringert. Mit Hilfe der im Spritzautomaten integrierten Lackrückgewinnung wird sogar etwa 25 Prozent weniger Lack benötigt.
UV aushärtende Lacke
Nicht nur der Mensch genießt es sich von den Sonnenstrahlen bescheinen zu lassen sondern auch verschiedene Lacksysteme. In diesem Fall ist es jedoch das UV-Licht, welches den gewünschten Effekt erbringt.
Polyerster- und Acrylharzlacken werden ultraviolette Sensibilitoren beigemengt, welche eine bestimmte Wellenlänge absorbieren und eine chemische Reaktion auslösen, die zu einer schnellen und nahezu fehlerfreien Aushärtung führt.
Strahlenaushärtende Lacksysteme sind besonders wirtschaftlich, da eine schnelle und saubere Trocknung sowie Aushärtung gewährleistet wird. Auch der ökonomische Effekt dieser Technik entfaltet seine volle Tragweite. Diese Systeme enthalten nur eine fast zu vernachlässigende Menge an chemischen Lösungsmitteln, was zur Folge hat, dass sie nur sehr geringe Anteile an organischen Verbindungen emittieren. Durch die geringe Trocknungszeit wird die Möglichkeit der höheren Produktivität und des schnelleren Transportes gewährleistet.

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