Der europäische Fenstermarkt entwickelt sich nach den aktuellsten...
07.03.2006
Lichtblick am europäischen Fenstermarkt

War noch im Jahr 2003 dem europäischen Fenstermarkt eine länger anhaltende negative Marktentwicklung vorhergesagt worden, so konnte bereits im Jahr darauf diese rezessive Phase überwunden werden – 2004 konnten erstmals wieder positive Zahlen präsentiert werden. Mengenmäßig stieg der Markt um 1,9 Prozent. Dieser positive Trend kann laut den Analysten von InterConnection auch in den nächsten Jahren beibehalten werden. Für die nächsten drei Jahre werden durchwegs positive Wachstumsraten erwartet.
Bei einem genaueren Blick auf die einzelnen europäischen Regionen muss das positive Bild allerdings teilweise relativiert werden. Die DACH Region (Deutschland, Österreich, Schweiz), die sehr stark von der schwachen Entwicklung des deutschen Marktes geprägt ist, ist im europäischen Vergleich zwar noch immer mengenmäßig die größte Fenstermarkt-Region, verliert aber, so rechnet man bei InterConnection, bis ins Jahr 2007 weiter an Terrain und wird bereits 2005 von UK und Irland überholt. Spanien und Portugal sowie die Benelux-Länder präsentieren sich im Gegensatz dazu wieder erstarkt. Besonders die Region Spanien und Portugal kann ihren Marktanteil auf knapp 20 Prozent ausbauen.
Entwicklung nach Materialgruppen
Das PVC-Fenster ist in Europa nach wie vor die wichtigste Materialgruppe mit einem wertmäßigen Marktanteil von über 35 Prozent. Die dynamischste Entwicklung hingegen zeigt über die letzten Jahre das Combi-Fenster. Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 6,3 Prozent wird sich laut InterConnection-Marktstudie dieses Segment auch in den nächsten Jahren weiter stark entwickeln, wenngleich der Marktanteil bis 2007 nur bei 10 Prozent liegen wird. Nach wie vor stark präsentiert sich das Metallfenster bei einem europäischen Marktanteil von knapp 30 Prozent und einem durchschnittlichen Marktwachstum von 2,6 Prozent. Diese Marktpositionierung im Spitzenfeld ist zu einem nicht unwesentlichen Teil der guten Entwicklung des Nichtwohnbaus zu verdanken.
Im Europavergleich ist die Renovation mit 56 Prozent nach wie vor wichtiger als der Neubau. Beim Vergleich der einzelnen Regionen zeigen sich jedoch teilweise beträchtliche Unterschiede. Besonders Spanien und Portugal präsentieren sich als Neubau-Weltmeister. Mit einer Neubaurate von über 70 Prozent ist diese Region ein Ausreißer. UK und Irland sowie Italien zeigen ein genau konträres Bild – in beiden Regionen beträgt die Renovationsrate knapp 70 Prozent.
Zweistellige Wachstumsraten
in Mittel- und Osteuropa
Die Länder in Mittel- und Osteuropa stellen zur Zeit die dynamischste Region für die Baubranche dar. Trotz großer regionaler Unterschiede befindet sich die Bautätigkeit in allen Ländern im Aufschwung.
Die Märkte für Fenster verzeichnen daher ebenfalls große Zuwächse. Mit Ausnahme von Polen, wo der Markt 2004 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging, wurden in den mittel- und osteuropäischen Ländern positive Ergebnisse erzielt. Insgesamt wuchs der osteuropäische Fenstermarkt um 18 Prozent auf 29,5 Mio. verkaufte Fenstereinheiten.
Einer der interessantesten Märkte ist die Ukraine. Ein enormer Bauboom sowohl bei Wohnungen wie auch bei Bürogebäuden oder Einkaufszentren bringt der Ukraine zum schnellst wachsenden Fenstermarkt ein Plus von 30 Prozent. Mittlerweile hat die Ukraine mit 17 Prozent der verkauften Fenster in Osteuropa Polen vom zweiten Platz verdrängt.. Aber auch der mit 41 Prozent mengenmäßig größte Markt in der Region, Russland, verzeichnete ein Wachstum von 29 Prozent und auch kleinere Länder wie Bulgarien, Rumänien und Tschechien zeigten 2004 zweistellige Steigerungsraten im Fensterbereich.
Je weiter westlich man kommt, desto schwächer werden die Wachstumsraten. Die baltischen Länder stiegen 2004 um rund 5 Prozent, während das Wachstum in den mitteleuropäischen Ländern mit Ausnahme von Tschechien bei 2,4 Prozent lag. Diese Märkte zeigen jedoch höhere Durchschnittspreise und eine bessere Aufnahmefähigkeit für Endproduktfenster. Trotzdem kann der Marktanteilverlust in den nächsten Jahren nicht aufgehalten werden. Während im Jahr 2000 die Länder in Mitteleuropa fast die Hälfte des Fenstermarktes ausmachten, werden 2005 nur mehr ein Viertel der Fenster in diesen Ländern abgesetzt. Die mitteleuropäischen Länder sind bei der Fenster-pro-Einwohner-zählung mit 0,126 FE/Einwohner Russland jedoch deutlich voraus (0,085 FE/EW).
Die positive Entwicklung in Mittel- und Osteuropa wird sich laut jüngster InterConnection-Studie in den nächsten 3 Jahren mit ähnlichen und leicht abgeschwächten Wachstumsraten fortsetzen. Russland, Ukraine, Bulgarien und Rumänien sind die Länder mit dem höchsten Potential, während sich Mitteleuropa langsam der Sättigung nähert. Viele Fensterhersteller aus diesen Ländern weiten ihren Export in die Wachstumsmärkte aus. Ebenfalls attraktiv bleiben aber die Baltischen Länder.
Holzfenster im
Osten zu teuer
Die Materialverteilung der Fenster in Mittel- und Osteuropa bleibt weiterhin in Bewegung. PVC-Fenster sind wegen ihrer Pflegeleichtigkeit und ihres guten Preis-Leistungsverhältnisses der Bestseller. Sie werden insbesondere im Wohnbau und von privaten Bauherren sowie bei der Renovierung und dem Austausch der alten Holzfenster bevorzugt. Ihr Anteil wird von ca. 60 Prozent 2004 auf über 63 Prozent 2007 steigen. Mit steigendem verfügbarem Einkommen in Mittel- und Osteuropa werden die guten Aluminium-Fenster immer attraktiver und werden ebenfalls an Marktanteil gewinnen. Langsam steigt der Anteil der Holz-Alu-Kombinationen, die allerdings wegen ihres hohen Preises noch länger ein Nischenprodukt bleiben werden. Ebenfalls zu teuer für die meisten Osteuropäer sind die qualitativ hochwertigen Holzfenster, die trotz steigender Nachfrage und Absatzmengen weiterhin Anteile verlieren werden.
Entwicklung in Österreich
Laut Markt- und Wettbewerbsanalyse Branchenradar® Fenster & Türen in Österreich 2004 von Kreutzer Fischer & Partner dürfte der österreichische Fenster-Markt 2004 die Trendwende ins Plus geschafft haben. Mit 2,6 Millionen Fenstereinheiten wurden 2004 um 0,1 Prozent mehr verkauft als im Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs um 0,4 Prozent auf 584,2 Millionen Euro, was einerseits auf Preiserhöhungen, andererseits auf die starke Nachfrage nach den hochpreisigen Holz-Alufenstern zurück zu führen ist. Damit ist zwar nicht einmal die Inflationsrate abgegolten, aber nach den tristen Jahren 2002 und 2003 freut man sich schon über eine schwarze nominale Null.
Wachstumstreiber ist der Sanierungs-Markt, während der Wohnungsneubau nach wie vor dahin dümpelt. 2004 gingen bereits 64 Prozent aller Fenster in die Renovierung. Es sind die steigenden Energiepreise, die den notwendigen Anstoß geben, die Fenster zu erneuern. Können doch durch neue Fenster im Schnitt 20 Prozent der Gesamtheizkosten eingespart werden. Nach aktuellen Berechnungen von Kreutzer Fischer & Partner beträgt das jährliche Potential aus der Sanierung rd. 2 Millionen Fenstereinheiten. Um dieses Potential auszuschöpfen ist aber neben den niedrigen Zinsen auch eine Besserung des Konsumklimas notwendig. „Sobald die Arbeitslosenzahlen nachhaltig zurückgehen, können wir mit einem Boom in der Wohnbausanierung rechnen“, meint Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von Kreutzer Fischer & Partner, „davon wird auch die Fensterindustrie stark profitieren“. Bis dahin baut man auf die hohen Energiepreise.
Entwicklung in
Ostösterreich besser
Die Entwicklung war im Bundesländer-Vergleich höchst unterschiedlich. Während in Niederösterreich der Markt um 3 Prozent zulegte, sank das Volumen in Westösterreich auch 2004 nochmals um 5 Prozent. Wachstumsprimus war das Burgenland mit +5,4 Prozent, in der Steiermark gab es ein Wachstum von 1,2 Prozent und in Oberösterreich von 0,7 Prozent. In Wien sank der Markt um 2,2 Prozent. Die divergierende Entwicklung ist im wesentlichen auf drei Faktoren zurückzuführen: Unterschiede in der Bestandsstruktur bzw. in der Entwicklung der Wohnbaubewilligungen und ob von Seiten der Länder Anreize geschaffen werden, die Energiekennzahl des Eigenheimes zu verbessern.

Werbung


Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share
Kommentar schreiben


