Zu einer der wichtigsten Fachveranstaltungen in Österreich hat...
26.04.2006
Fenster und Fassaden im Focus

Die Fensterbranche hatte es in den vergangenen Jahren schwer, ihre Produkte erfolgreich zu vermarkten. „Nach einer rückläufigen Nachfrage, zusätzlichen Konkurrenten aus den neuen EU-Beitrittsländern und geringen Margen hoffen die Fenstererzeuger und die Bundesinnung der Tischler in der Zukunft wieder auf eine Konjunkturbelebung“, brachte Bundesinnungsmeister LSO Komm.-Rat. Ing. Josef Breiter die Stimmung am Fenstermarkt auf den Punkt. Vernünftige Erträge würden es auch ermöglichen, besser mit der bevorstehenden CE-Kennzeichnung von Fenstern und Außentüren und dem damit verbundenen Aufwand zurechtzukommen.
Individualität durch Modulsystem
Um die Wettbewerbsfähigkeit von KMUs und insbesondere der Mitglieder aus dem Tischlerbereich zu stärken und zu erhalten, hat die Bundesinnung der Tischler in Kooperation mit der Holzforschung Austria und den Partnerfirmen Maco, Sigenia-Aubi, Roto, Leitz sowie GU-Beschläge das Projekt „F &T-Modulsystem“ gestartet. In dieses Projekt wurden neben der Zulieferwirtschaft auch innovative Mitgliedsbetriebe der Innung einbezogen.
Für die verpflichtende CE-Kennzeichung sehen die Tischler mehrere Lösungsansätze, berichtete Ing. Rudolf Exel, Landesinnung Wien der Tischler:
l den betriebsindividuellen Nachweis der
Leistungseigenschaften
l die Bindung an ein Systemhaus oder
l die Teilnahme am F&T-Modulsystem der Bundesinnung
Das Modulsystem richtet sich speziell an Firmen mit einem breiten Produktangebot, kleineren Stückzahlen und einer vertraglichen Bindung an die ON B 5300 bzw. Bauregelliste.
Kombinationsmodule umfassen Isolierglasfenster, Hebeschiebe-Parallel-Schiebe-Kipp-Türen, Kastenfenster, Außen- und Innentüren. WK2, Niedrigenergie-Fenster sowie Holz/Alu konstruktiv sind Zusatzmodule.
Das Modulsystem umfasst zu Beginn eine Einschulung in die Modulhandbücher, die „werkseigene Produktionskontrolle“, eine Begehung der Fertigung sowie eine Erstprüfung je Modul. Der Zeitplan der Umsetzung für das Projekt soll bis zum I. Quartal 2007 abgeschlossen sein.
Herausragend sei das Plus an Dienstleistung für die Tischler, so Exel. Betreut wird in Kleingruppen vor Ort. Unterstützt wird bei Systemaufbau und Dokumentation der Systemkonformität. Über das Projekt und dessen innovative Partner seien die Tischler auch am Puls der Zeit bei Neuentwicklungen.
Montage als Zukunftspotenzial
2005 wurden in Österreich rund 2,65 Mio. Fensterflügel verkauft. Das entspricht einem Rückgang von 3% gegenüber 2004 und um 2,5% weniger, als man erwartet hätte, meinte Mag. Andreas Kreutzer, Kreutzer Fischer & Partner, Wien. Dazu kommt, dass die klassischen Fenster im Nicht-Wohnbau zunehmend durch die Alu-Fassade ersetzt werden. Kreutzer kritisiert neben einer falschen Preispolitik der Fensterbranche die zu häufigen Montagefehler beim Einbau. Maximal ein Drittel der Fenster im Neubau seien nach den Stand der Technik eingebaut. Eine Lösung für ihn ist der Weg in die RAL-Montage. Ein weiterer ist der Fenster-Mega-Store. Dieser schafft die Basis dafür, dass das Geschäft mit Zusatz-Equipment ausgebaut werden kann. Er ändert die Spielregeln und wird so die Konsolidierung der Branche vorantreiben.
Forschungsthemen für Fenstertechnologie
„Über das übliche Isolierglasfenster hinausgehend findet sich etwa die Steuerungstechnik unter den großen Entwicklungsthemen der Fensterbranche“, fasste Dipl.-HTL-Ing. Klaus Peter Schober, Holzforschung Austria, zusammen. Die Nanotechnologie wirkt sich auf die Oberflächenbeschichtungen und die Selbstreinigung von Verglasungselementen aus. Neue, veränderte Werkstoffe wie etwa Thermoholz oder Wood-Plastic Composites (WPC), sind als Rahmenmaterial oder in Werkstoffkombinationen interessant. Das Thema Umweltschutz begleitet das Fenster schon seit Jahrzehnten und betrifft aktuell die Ökologisierung der Werkstoffe und des Gesamtsystems oder die energetische Optimierung der Konstruktion. Seitens der Kunden stehen folgende Kriterien ganz oben am Wunschzettel: Licht und Luft, Sicherheit und Schallschutz, Komfort und Langlebigkeit. Wärmeschutz und Gebrauchstauglichkeit gelten als Voraussetzung.
Unmittelbar mit der Werkstoffentwicklung für Fenster verbunden sind die neuen Klebetechnologien. Neben leistungsfähigeren und wirtschaftlicheren Konstruktionen bringen dies auch eine neue Architektur und neues Design für das Fenster. Zum Thema „Glas kleben“ führt die Holzforschung Austria zwei große Forschungsprogramme durch, die sich sowohl mit der Klebstofftechnik als auch mit den statisch übertragbaren Lasten beschäftigt.
Ein weiterer Trend ist die Reduktion des Rahmenmaterials auf unter 15%, was bei gleicher Fenstergröße mehr Licht und passive Sonnenenergie zulässt. Aber auch der Kondenswasserfreiheit gilt großes Augenmerk. Dies betrifft einerseits den Randverbund der Verglasungen aber auch neue konstruktive Ansätze wie verbesserte Warmluftführung über die Konstruktion bis hin zum Beheizen des Randverbundes. Zum Thema Schneelast und Sturm ist mit weiteren Verschärfungen zu rechnen. Derzeit zählt die statische Bemessung von großen Fensterkonstruktionen noch nicht zum Standard der Fensterbranche. Im Süden der Vereinigten Staaten ist aber bereits etwa das Bestehen des „Hurrican-Tests“ für Fenster und Fassaden eine gängige Anforderung. Komfortwünsche an eine vereinfachte Bedienbarkeit von großen Fensterelementen, Lüftungsanlagen, neue Öffnungsarten oder das barrierefreie Bauen (behindertengerechtes Bauen) gewinnen an Bedeutung. Das barrierefreie Bauen ist eine der wesentlichen Anforderungen, die in der neuen Musterbauordnung für Österreich formuliert ist. Dabei ist die maximale Schwellenhöhe mit 2,5 cm definiert.
Der neue Bauanschluss
Die derzeit gültige VORNORM ÖNORM B 5320 Bauanschlussfuge für Fenster, Fenstertüren, Türen und Tore in Außenbauteilen (Ausgabe 2000-12-01) samt Beiblatt 1 befindet sich im Endstadium der Überarbeitung und wird im Laufe des Jahres 2006 als ÖNORM B 5320 neu aufgelegt, berichtete Ing. Wolfgang Gerstl, Ertl, Wien.
Aus Erfahrung der vergangenen Jahre setzt sich die Ausführung der Abdichtung mittels Dichtfolien bereits immer mehr durch. Der große Vorteil liegt in der Flexibilität der Abdichtung bezogen auf die in der Praxis auftretenden großen Toleranzen im Bereich der Fugenbreiten.
Beschichtungssysteme
Durch die kooperativen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von Lackherstellern, Fensterherstellern und der Holzforschung Austria wurde ein neuer Stand der Technik in der Beschichtung von geschützten Holzfensterkonstruktionen geschrieben und in den relevanten Anforderungsnormen verankert, erläuterte DI Dr. Gerhard Grüll, Holzforschung Austria.
Mit den nun erlaubten transparenten Beschichtungssystemen kommt die dekorative Holzstruktur an der Innenseite der Fenster voll zur Geltung.
Die Applikation dieser Systeme ist auch im Flutverfahren ohne Spritzauftrag der Endbeschichtung realisierbar und eröffnet damit ein Potenzial zur Reduktion der Herstellungskosten der Fenster.
Das Verkleben von Glas und Holz im Fensterbau hat sich soweit entwickelt, dass nun Fenster in größeren Stückzahlen auf den Markt gebracht werden, so Dipl.-Ing. (FH) Urs Uehlinger, HS Biel. Um Schäden und Imageprobleme zu vermeiden, müssen neben der Auswahl geeigneter Produkte die Abläufe in der Fertigung minutiös geplant und überwacht werden. Nebst eigenen Vorkehrungen sind die Zulieferer unbedingt in die Entwicklung und anschließend in die Qualitätssicherung mit einzubeziehen. Eine Schwierigkeit besteht in der kontinuierlichen Überwachung der Verklebungsqualität während der Fertigung. Diese ist mit heutigen Methoden zerstörungsfrei kaum zu beurteilen. Hier ist die Forschung gefordert, entsprechende wirtschaftliche Methoden zu entwickeln.

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