Bei Wiens einzigem Modelltischler Roman Pehack verdrängt der...
07.06.2006
Der letzte Mohikaner

Er ist in Favoriten geboren und aufgewachsen. Und in Favoriten hat er auch seinen Betrieb, der letzte Modelltischler Wiens, der 51-jährige Roman Pehack. Seine Kunden jedoch sind zumeist hunderte Kilometer entfernt zu Hause.
Der Weg zum selbstständigen Unternehmer war dem Favoritner keineswegs vorgezeichnet. Nach der Lehre – Modelltischlereibetriebe waren damals meist staubige Souterrainlokale – trat er zunächst in die Dienste der Österreichischen Bundestheater. Dort aber hielt es ihn nicht lange. Nachdem er die Meisterprüfung absolviert hatte, fand er am Favoritner Gewerbering einen alten Tischlermeister, in dessen Betrieb er seine ersten Geräte unterstellen und zusammen mit seinem ersten Mitarbeiter selbstständig arbeiten konnte. „Die Zeit damals war gut“, erinnert sich Pehak, „aber es war der Sonnenuntergang des Gewerbes.“ Er baute Modelle für angesehene Gießereiunternehmen wie Voith oder die VOEST. Diese ermunterten ihn auch, seinen Betrieb auszubauen. Im Jahr 1987 kaufte er seinem Vorgänger die Betriebsanlage ab. Das kostete ihn zwar einiges, aber seit zwei Jahren ist der Unternehmer schuldenfrei.
Aufschwung mit Ostöffnung
Im Jahr 1996 beschäftigte Pehack 15 Mitarbeiter, darunter drei Lehrlinge. Insgesamt haben bei ihm 15 Jugendliche eine Modelltischlerlehre begonnen. Zehn davon haben ihre Ausbildung bei ihm abgeschlossen. Zusätzlichen Aufschwung nahm die Modelltischlerei Anfang der 90er Jahre mit der Ostöffnung. Nach und nach aber stellten die Gießereien, Pehacks wichtigste Kunden, ihre eigenen Modellbauer ein. Mit dem fortschreitenden technologischen Aufschwung in den Oststaaten verlagerte sich die Produktion, und so mussten die meisten heimischen Gießereien zusperren. „Die Gießereien rund um Wien, die es damals noch gegeben hat, gibt es alle nicht mehr“, resümiert Pehack. „Und von den damals zehn Modelltischlern in Wien gibt es nur mehr einen – nämlich mich. Die nächste Modelltischlerei, die das gleiche macht wie ich, steht in Linz.“
Dazu kam die Weiterentwicklung der Technologie. Prototypen von Gussteilen werden heute eher am Computer entworfen und dann computergesteuert aus einem Werkstück herausgeschnitten. Das klassische Holzmodell früherer Zeiten hat weitgehend ausgedient. Modellbauer finden ihre Kunden am ehesten noch in Architekturbüros, aber deren Modelle haben mit den klassischen Produkten der Modell- und Formentischler nicht viel zu tun.
Einziger Modelltischler in der Großstadt
Pehack findet daher mittlerweile mit zwei Mitarbeitern das Auslangen. „Der klassische Modelltischler hat keine Daseinsberechtigung in Wien mehr“, gibt sich der Letzte seines Faches keinen Illusionen hin. Und obwohl in der Werkshalle am Favoritner Gewerbering noch alle erforderlichen Holzbearbeitungsmaschinen stehen, fliegen in seinem Betrieb nur mehr selten die Späne. Den größten Teil seines Geschäftes macht Pehack mit der Konstruktion von Prototypen am Computer. Das geht natürlich viel sauberer als beim Zusammenbau eines Holzmodells. Seine Erfahrung als ausgebildeter Tischler kommt Pehack dabei durchaus zunutze: Sie erhebt ihn über Konstrukteure, die nur am Computer ausgebildet sind. Seine Auftraggeber kommen dabei in erster Linie aus dem Automobil- und dem Waggonbau. Auch in den neuen Wiener U-Bahn-Garnituren stecken Bauteile, die er entwickelt hat. Nur mehr zwei seiner Stammkunden benötigen klassische Holzmodelle. Die lässt er von einem Geschäftspartner im Osten fertigen: „Das ist eben der Zug der Zeit!“
Dass so viele andere Modelltischler zusperren mussten, wundert Pehack keineswegs. „Sie hätten rechtzeitig auf CAD/CAM umsteigen müssen. Ich habe damit 1997 angefangen.“ Unangenehmer Nebeneffekt seines Weitblickes war, dass ihm Mitarbeiter, die er auf die neuen Technologien einschulen ließ, reihenweise abgewandert sind. Um am Ball des technologischen Fortschritts zu bleiben, beschäftigt sich Pehack mit einer in Österreich bisher noch nicht bekannten Technologie: der modellosen Fertigung.
Bildschirm statt Hobelbank
Einerseits stimmt es den Meister traurig, dass er heute kaum mehr in die Lage kommt, schöne Holzmodelle zu bauen. Andererseits ist er froh, dass er noch bei gutem Branchenwetter den Sprung in die Selbständigkeit gewagt hat. Denn „Heute könnte man keine Modelltischlerei mehr auf die Füß’ stellen“, ist Pehack überzeugt. Aus diesem Grund bildet Pehack auch keine Lehrlinge mehr aus: Sie hätten kaum Chancen, nach Beendigung ihrer Modelltischler-Lehre eine ihrer Ausbildung gemäße Anstellung zu finden. „Ich weiß ja nicht, was in drei Jahren sein wird“, räumt Pehack ein, „aber wenn, dann würde ich nur mehr einen jungen HTL-Schüler anstellen, der Maschinenbau gelernt hat und der am Computer Modelle konstruiert.“ Denn: „Heutzutage ist modellbautechnisches Wissen gefragt; aber ein Brett nimmt man nicht mehr in die Hand.“
Sollte Pehack seinen Betrieb tatsächlich ausweiten, wird er seine Werkstatt umbauen. Und in diesem Fall werden die herkömmlichen Holzbearbeitungsmaschinen Computerarbeitsplätzen weichen: „Der Bildschirm verdrängt die Hobelbank“, resümiert der Meister.
Ganz wird Pehack die klassische Holzbearbeitung allerdings nicht aufgeben. Vereinzelt führt er noch klassische Tischler-Arbeiten durch. So baut er für kleinere Kraftwerke Kammräder, deren hölzerne Kämme sich über die Jahre abnutzen und die daher regelmäßig erneuert werden müssen. Und zu seinen Kunden gehört auch das ehrwürdige Kunsthistorische Museum: Für die Restauratoren in der Gemäldegalerie baut er Stützkonstruktionen, die – für den Betrachter unsichtbar – hinter der Leinwand in die Bilder alter Meister eingebaut werden, um den Gemälden mehr Stabilität zu verleihen. So stützt sich unter anderem die „Heilige Familie mit dem Johannesknaben“ des Florentiner Renaissance-Malers Agnolo Bronzino auf eine Pehack-Konstruktion.
Und weil er weiß, dass eine Neugründung in seiner Branche keine Zukunft hätte, macht er sich auch schon Gedanken über die Zukunft seines eigenen Betriebes. „Mit einem Auge schiele ich nach einem Nachfolger“, gesteht der Unternehmer. Möglicherweise bleibt der Betrieb ja in der Familie: Pehacks Tochter studiert Innenarchitektur. Damit wäre sie für die zukünftigen Aufgaben der Branche bestens vorbereitet. Wenn sie will, würde er ihr den Betrieb überlassen. Aber Meister Pehack will nichts überstürzen und ihrer Entscheidung nicht vorgreifen.
Dennoch denkt Pehack schon an die Zeit nach der Unternehmensübergabe: Er will sich dann mehr seinen Hobbies widmen, dem Hochseesegeln zum Beispiel. Schon mehrmals ist er Regatten in der Ostsee und sogar im Atlantik gefahren. Sein zweites Hobby ist die Musik: „Wissen Sie, ich stamme aus der Woodstock-Generation“, verrät Pehack, und deshalb hört er nicht nur gerne Pop, sondern spielt ihn auch.
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HERR | 24.07.2008 21:54 | ANTWORTEN | MELDEN |
| modelltischler | |
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Hallo ! Erstmals Gratulation für ihren Betrieb. Bin ein MODELLTISCHLER mit GESSELLENBRIEF,aber seit 1981 nicht mehr im Beruf tätig. Meine Lehrstelle war Die Fa. HÜBNER-VAMAG im 23.Bezirk Leider ging die Fa. wegen mangelnder Aufträge in KONKURS. Wenn es möglich wäre,würde ich ihren Betrieb gerne besuchen. Ersuche um Antwort. Mit Freundlichen Grüssen WOLFGANG PLATENIK |
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