Im Rahmen des heurigen Fenster- und Türentreffs hat eine in...
07.06.2006
Die Überwindung der Schwellen

Für mobilitätsbeeinträchtigte Personen ist die Erweiterung des Wohnraumes durch Balkone und Terrassen oft besonders wertvoll. Daher sollten, um auch Personen mit Gehhilfen bzw. Rollstuhlfahrern eine optimale Benutzbarkeit dieser „Wohnräume“ zu ermöglichen, einige Voraussetzungen – im Folgenden nur auszugsweise dargestellt – erfüllt werden:
Um Bewegungs- und Arbeitsabläufe zu erleichtern, sollte in Aufenthaltsräumen auf direktes Tageslicht ohne Blendeffekte geachtet werden. Sonnenschutz ist für Sehbehinderte und licht-empfindliche Personen notwendig. Bei der Planung sollte an elektrische Steuerung für Sonnenschutzeinrichtungen gedacht werden. Bodenbeläge sollten im trockenen und nassen Zustand rutschhemmende Wirkung zeigen.
Die erforderliche Bewegungsfläche von 150 cm Durchmesser sollte bei Fenstern und Türen berücksichtigt werden. Alle Bedienungselemente wie Türdrücker, Fensteröffner (ev. mit Verlängerung) udgl. müssen mindestens 50 cm von der Raumecke entfernt und ca. 85 cm hoch montiert werden. Die Bedienungselemente für den elektrisch angetriebenen Türschließer sind außerhalb der unmittelbaren Bewegungsfläche des Türblattes anzubringen. Automatische Drehflügeltüren sollten sich in Gehrichtung öffnen. Durch Infrarotstrahlen kann verhindert werden, dass automatische Türen Personen oder Gegenstände erfassen. Der Erfassungswinkel ist einstellbar. Automatische Schiebetüren sind Drehflügeltüren vorzuziehen.
Um Blickbezüge zwischen dem Wohnungsinneren und –äußeren zu ermöglichen, sollte die Brüstungshöhe massiver, undurchsichtiger Bauteile nicht mehr als 60 cm betragen.
Glaskonstruktionen, Stahlstäbe oder anderen Lösungen ermöglichen den Sichtkontakt, bei Einhaltung gesetzlich geforderter Brüstungshöhe, auch in sitzender Position.
Das Öffnen von Fenster und Türen kann durch das Anbringen der Beschläge in 85 cm Höhe und durch das Abkröpfen der Enden um 90 Grad erleichtert werden. Durch diese Maßnahmen wird dem Abrutschen der Hand von Personen mit Greifeinschränkung vorgebeugt. Beim Drehflügelfenster werden die Beschläge optimaler Weise am unteren Querholz angebracht.
Fenster
Bei Drehflügelfenstern ist darauf zu achten, dass sie in der Breite nicht zu groß dimensioniert werden. Es besteht die Gefahr, dass sie zu weit in den Raum hineinragen und Rollstuhlfahrer dadurch größere Bewegungsflächen benötigen. Ebenso kann das höhere Gewicht der Fenster in der Handhabung zum Problem werden. Für die Raumlüftung vorteilhaft sind Kippflügelfenster, da hier die Bewegungsfläche nicht eingeschränkt wird. Ein elektrischer Antrieb zum Schließen der Fenster, ermöglicht ein Schließen ohne erhöhten Kraftaufwand.
Fenstertüren/Türen
Einer der wichtigsten Voraussetzungen des barrierefreien Übergangs zu Freiräumen ist die richtig dimensionierte Türöffnung mit einer lichten Höhe von 210 cm und einer lichten Breite von mindestens 90 cm. Bei Wohnungsadaptierungen sollte die meist notwendige Verbreiterung der Türöffnung berücksichtigt werden. Bei Schiebetüren ist zu beachten, dass die Rohbauöffnung um 10 cm größer als bei Drehflügeltüren zu dimensionieren ist. Senkrechte Türgriffe (keine Muschelgriffe!) sind in einer mittleren Höhe von 85 cm beidseitig anzubringen. Bei Hebeschiebe- oder Hebedrehtüren besteht das Problem, dass die Türen von Behinderten mit eingeschränkter Arm- bzw. Handkraft nicht bedient werden können.
Speziell in Wohnungen für Rollstuhlfahrer muss, durch das Anstoßen der Fußstütze, mit starker Beanspruchung der Türzargen, -futter, -blatt und der Türstöcke gerechnet werden und ist daher beim Material zu berücksichtigen. Für Personen mit Mobilitätseinschränkungen im Oberkörper-, Arm- oder Handbereich erleichtert ein am Türblatt montierter, waagrechter Zuziehgriff das Schließen der Tür, da dies ohne Seitwärtsbewegung möglich ist.
Abdichtungs- & Entwässerungsproblematik
Im Wohnbereich sollte generell auf Schwellen verzichtet werden. Wenn dies nicht möglich ist, sind niedrige Türschwellen (bis max. 2 cm Höhe) mit einseitigen Absätzen für Rollstuhlfahrer leichter überwindbar und somit zweiseitigen Schwellen vorzuziehen. Die ideale Schwellenhöhe ist 0 mm (bis max. 2 cm innen bzw. max. 3 cm außen) und durch zusätzliche Maßnahmen, wie Überdachungen, Gitterroste, Ablaufrinnen und Gefälle auch für den Übergang zum Außenbereich einwandfrei in der Baupraxis mit bewährten Lösungen umsetzbar.
Abdichtungen – gemäß ÖNORM B 7220: Grundsätzlich wird eine Mindestanschlusshöhe zu aufgehenden Bauteilen von mind. 15 cm gefordert. Das gilt auch für Türen zu Terrassen, Balkonen und Loggien sofern keine Sondermaßnahmen vorgesehen sind.
Schwellenfreier Türanschluss nach ÖNORM B 7220: Eine dieser Sondermaßnahmen beschreibt der normative Anhang B.1 bei „schwellenfreien“ Übergängen. Hier sind im Gegensatz zu den Regelanforderungen in dieser Norm für Abdichtungen die Hochzugshöhen nach den jeweiligen behördlichen Auflagen einzuhalten, z.B. bei den barrierefreien Ausführungen von Türschwellen.
Nach B.1.2 wird ein schwellenfreien Türanschluss möglich, wenn Abdichtungen mindestens ca. 0,5 cm über Niveau hochgezogen und mechanisch an den Untergrund (Türstock) geklemmt werden. Weiters ist an der Außenseite der Türschwelle eine Gitterrostabdeckung mit einer Breite von mindestens 20 cm und seitlichem Überstand von jeweils ca. 30 cm einzubauen. Neben den zu treffenden Maßnahmen für eine rasche Ableitung des anfallenden Niederschlags muss eine auskragende Dachkonstruktion, die die ortsüblichen Regenspenden berücksichtigt, vorgesehen werden. Bei normalen Witterungsbedingungen ist sicher zu stellen, dass kein Wasseranfall, im Türschwellenbereich auftritt. Soweit der normative Lösungsvorschlag.
Entwässerung
Für die rückstaufreie Entwässerung ist neben der vertikalen Drainagewirkung vor allem das horizontale Wasserableitvermögen entscheidend. Eine richtig dimensionierte Drainage unter Berücksichtigung der Abflussquerschnitte und Gefälle und Vermeidung verstopfter Schmutzgitter oder Belagsfugen ermöglichet eine verzögerungsfreie Entwässerung des Oberflächen- und Sickerwassers. Kies und Splitt allein reichen zur Drainage nicht aus. Der Wasserableitwert sollte mindestens 0,5 l/(m*s) betragen. Aus Gründen der Sicherheit sollten alle Drainschichten unterhalb der Beläge ein möglichst hohes Wasserableitvermögen 1l/(m*s) aufweisen.
Einbau einer Drainagerinne
Bei der Dimensionierung der Rinne muss ebenso starker Schneefall und Schmelzwasser berücksichtigt werden.
Um Bauschäden durch Verhinderung des Wasserabflusses vorzubeugen, sollten Drainroste mit Schmutzgitter zwischen Gitterrost und Rahmen eingebaut werden. Feinstschmutze gelangen über deren Filter auf die Abdichtung, um mit dem Regenwasser abtransportiert zu werden. Grober, organischer Schmutz bleibt auf dem Schmutzgitter liegen und ist von oben leicht erkennbar. Durch Sichtkontrolle kann die einwandfreie Entwässerungsfunktion überprüft werden. Die Rinne für das Niederschlagswasser muss für Reinigung und Instandhaltung zugänglich sein.
Erhöhter Gehbelag über der Entwässerungsebene: Die Ausführung eines erhöhten Gehbelages könnte z.B. als Lärchen-Holzrost mit Fugenausbildung ausgeführt werden, damit die Entwässerung auf eine tiefer liegenden Ebene erfolgt. Bei dem Auflegen von Holzrosten zur Anhebung des „Loggienniveaus“ besteht allerdings die Problematik, dass von behinderten Menschen die Reinigung nicht selbst vorgenommen werden kann. Spritzwasser-Einfluss: Zur Vermeidung von Undichtigkeiten zwischen Tür- und Schwellenprofil muss Spritzwasser ebenso berücksichtigt werden. Bei Drainagerosten mit großflächig horizontalen Ebenen wie z.B. bei Loch-, Schlitz- oder Stegrosten ist bei Regeneinwirkung mit hohem Spritzwasseraufkommen (reflektierendem Wasser) zu rechnen. Bei Verwendung von Gitterrosten gelangt das Wasser direkt auf die Abdichtung bzw. in die Rinne, ohne das Türelement mit reflektierendem Wasser zu belasten. Bei der Auswahl der Drainageroste sollte auch der Spritzwasser-Einfluss beachtet werden. Bei Drainagerosten mit großflächigen horizontalen Anteilen (z.B. Lochroste, Schlitz- und Stegroste) ist mit hoher Spritzwasserwirkung bei stärkerem Regen zu rechnen.
Barrierefreie Türschwellenausführungen
Statt den zur Abdichtung gegen eindringendes Wasser und Vermeidung von Wärmebrücken sinnvollen, aber zu hohen, Schwellen sind plastische, elastische, mechanische und magnetische Türdichtungen möglich.
Magnet-Doppel-Türdichtungssystem
Das Magnet-Doppel-Türdichtungssystem ist als einziges System ohne Türanschlag und daher ohne kleinste Stolperschwelle ausführbar. Dieses System ist für höchste Qualitätsanforderungen an einen absolut ebenen Balkon- bzw. Terrassenausgang geeignet und funktioniert zuverlässig und wartungsfrei. Mit dem Zertifikat „DIN barrierefrei“ ist es zusätzlich gekennzeichnet.
Dieses Magnet-Doppeldichtungs-System eignet sich für Hauseingangstüren, Balkon- und Terrassentüren aus Holz, Kunststoff oder Metall. Auch Hebeschiebetüren können mit diesem System barrierefrei ausgerüstet werden.
In der Praxis kann es bedauerlicherweise mit manchen Fenstersystem-Herstellern Schwierigkeiten hinsichtlich ihrer Garantieleistungen geben, die sie bei Einbau dieses Magnetschwellensystems dann reduzieren wollen.
Nachträgliche Adaptierungen
Für alte und behinderte Menschen stellen die relativ hohen Schwellen der Balkon- und Loggiatüren im Altbestand von Wohngebäuden ein großes Hindernis dar.
Zur Schaffung eines barrierefreien Zugangs zu den Loggien können diese hohen Schwellen in Einzelfällen nach vorheriger statischer Überprüfung der Außenwandkonstruktion entfernt werden. Durch die verschiedenen unterschiedlichen Höhen der Loggiadecke und der Geschossdecke sowie der Fußbodenkonstruktion im Wohnraum ergeben sich bei Entfernen der Logggiaschwelle Höhendifferenzen von bis zu 10 cm. Diese Höhendifferenz kann durch Anrampen, Holzroste oder Holzfliesen bzw. durch Aufbringen eines zusätzlichen Estrichs (statische Überprüfung der Mehrbelastung!) ausgeglichen werden.
Bei der Ausführung ist ein ausreichendes Gefälle zu berücksichtigen sowie gegebenenfalls auch eine Oberflächenversiegelung zum Schutz vor Feuchtigkeit. Die Randanschlüsse sind mit dauerelastischem Dichtstoff abzudichten.
Beim Auflegen von Holzrosten ist das Problem der Reinigung zu beachten, da angesammelter Schmutz möglicherweise von alten und behinderten Menschen nicht ohne fremde Hilfe entfernt werden kann. Im Bereich des Türanschlages am Fußboden sollte durch das Einlegen von Wärmedämmstoffen Wärmebrücken zu vermeiden. Bei Adaptierungen auf Holz, Stahl oder Kunststoff wird die Dichtung im Türblatt und in einer Schwellenschiene eingebracht.

Werbung


Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share
Kommentar schreiben


