Kein erfolgreicher Handwerksbetrieb kann es sich heute mehr leisten...
07.06.2006
Mehr Effizienz für den Betrieb

Kunden erwarten von einem Fachbetrieb mehr als „nur“ die qualitativ hochwertige Arbeit. Sie erwarten eine zügige Beantwortung von Anfragen, sie wollen umfassende, übersichtliche Anbote, termingerechte, reibungslose Auftragsabwicklungen und nachvollziehbare Rechnungen. Im Gegenzug legen die Unternehmen immer mehr Wert auf ein effizientes betriebliches Controlling. Stets aktuelle Daten, etwa über Auslastung, Kapazität, Personaleinsatz, Auftragsbestände etc. helfen Kosten zu minimieren und unproduktive Zeiten genauso wie Personal- oder Materialengpässe zu vermeiden. Ein Hilfsmittel zur Bewältigung dieser Anforderungen und Datenmengen ist die EDV.
Vielfältiges Angebot
Unzählige, auf die unterschiedlichen Branchen abgestimmte, Software-Lösungen begleiten heute Handwerker in allen Bereichen der täglichen Arbeit, wobei integrierte Gesamtlösungen, die eine direkte Kommunikation zwischen den technischen und kaufmännischen Abteilungen ermöglicht, der Schritt in die EDV-Landschaft der Zukunft sind. „Reine Konstruktionslösungen sind im Tischlerbereich schon ziemlich ausgereizt, den Betrieben geht es immer mehr darum, sämtliche Vorgänge im Betrieb transparent zu machen, um dadurch Zeit und Kosten zu sparen,“ weiß auch Alois Fahrafellner, der in Österreich die Prologic Computer GmbH.-Repräsentanz leitet. „Vor allem die größeren Betriebe sind in der Richtung schon recht gut organisiert und haben durchgängige Programme von der Anbotserstellung über die Buchhaltung bis zur Maschinensteuerung.“ Durchgängige Lösung von der Planung bis zur CNC Maschine gehören neben Softwareprodukten für Planung und Verkauf daher auch bei der CAD+T Consulting GmbH zu den zur Zeit am meisten nachgefragten Produkten, wie Geschäftsführer Anton Schwarz bestätigt. Nachholbedarf in diesem durchgängigen Bereich der Branchensoftware ortet Fahrafellner bei den kleineren Tischlereien, die meist aus finanziellen Gründen ihre EDV nicht aufrüsten und wo noch die DOS-Lösungen für die Kalkulation und die Stücklistenerstellung dominieren. „Die Preisberechnungen werden dann zum Teil sogar noch händisch gemacht!“ Natürlich sind die bei einer Softwareeinführung entstehenden Kosten nicht unerheblich und jeder Betrieb versucht, sie möglichst gering zu halten. Aber hat man sich einmal zur EDV-Einführung entschlossen und spart dann an der nachfolgenden Wartung, Aktualisierung, Datenpflege oder Mitarbeiterschulung, spart man absolut am falschen Platz. So sind zum Beispiel die Stammdaten die Basis des Unternehmens. Ihre Qualität entscheidet wesentlich über das Betriebsergebnis. Nur mit gepflegten und aktuellen Daten lassen sich die immer komplexeren Arbeitsabläufe optimal abbilden. Unaktuelle Daten aber machen auch die daraus generierten Informationen wertlos. Und genauso wichtig ist die gründliche Einweisung der Mitarbeiter zum Umgang mit der Software, denn Unsicherheit führt zu Verzögerungen in der täglichen Routine und kann bis zur totalen Ablehnung des elektronischen Werkzeugs führen.
Intensive Schulung notwendig
Durch intensive Schulungsmaßnahmen und spätere Auffrischungskurse lässt sich eine optimale Arbeitsumgebung schaffen. Fahrafellner: „Die Betriebe gehen sehr unterschiedlich mit ihrer EDV um. Die Erkenntnis über den Nutzen der intensiven Mitarbeiterschulung setzt sich aber mehr und mehr durch. Vor allem Betriebe mit einer größeren Mitarbeiterzahl fördern durch regelmäßige Veranstaltungen die Routine und die zunehmende Sicherheit beim Gebrauch der Software, was wiederum die Effektivität des EDV-Einsatzes steigert und hilft Kosten zu senken.“ Ähnlich ist der Eindruck von Bernd Keppler, OS Datensysteme GmbH: „Der Umgang mit Software ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Die meisten Betriebe fordern die Software mehr als in der Vergangenheit. Hotlineanfragen sind sehr gezielt. Nachholbedarf besteht bei der Einarbeitung in neu hinzugekommene Programmfunktionen.“ Und Anton Schwarz ergänzt: „Die Nutzung in den einzelnen Bereichen funktioniert ganz gut, nur dort, wo es um Bereichsübergreifendes geht, z.B. Planung->Arbeitsvorbereitung AV-> Fertigung
->CNC stellen sich größere Probleme dar.“
Fragt man Martina Pölzlbauer, Leitung Marketing der A-NULL EDV GmbH nach den Wünschen und Schwierigkeiten ihrer Kunden im Umgang mit der EDV, so streicht sie vor allem die vielfältigen Vorteile, die für den Einsatz von Office- und CAD-Programmen sprechen, heraus: „ Viele Tischlereibetriebe stellten erst in den letzten Jahren ihre tägliche Planungsarbeit und administrative Tätigkeiten auf Computerunterstützung um, weil sie sich von den Vorteile überzeugen haben lassen. Durch Office- und CAD-Programme kann mehr Information in kürzerer Zeit bearbeitet werden, während die Dokumentation gleichzeitig digital erfolgt.“ Und sie gibt auch gleich ein ausführliches Beispiel dafür: „Wird ein Werkstück mit der Hand gezeichnet, verläuft die Präsentation beim Kunden oft anhand colorierter Perspektiven. Der Kunde braucht ein gutes Vorstellungsvermögen und der Tischler viel Zeit und Erklärungsbedarf für seinen Entwurf. Wird aber ein Entwurf eines Werkstückes mit einem CAD-Programm gezeichnet, können reale Oberflächen-Texturen, Lichtverhältnisse uvm. in das Schaubild eingearbeitet werden. Ein reales Bild entsteht der Kunde sieht sofort wie sein Stück aussehen wird. Gleichzeitig werden aber auch die bereits generierten Daten für die Werkszeichnung und Herstellung (z.B. auf CNC-Maschinen) weiterverarbeitet. Stücklisten und Mengenlisten auf Knopfdruck, das erspart viel Zeit und Geld.“ Die Kunden, so Pölzlbauer seien sehr engagiert darin, neue Software und deren Skills zu lernen. „Die einfache Bedienung von TischlerCAD ermöglicht ein spielerisches Lernen. Ein rascher Erfolg motiviert unsere Kunden.“
Tischler EDV im Vormarsch
Ganz allgemein scheint sich das Tischlerhandwerk also zunehmend für den EDV-Einsatz zu begeistern. „Ich hatte anfangs das Gefühl, dass einige Tischlereibetriebe sich noch nicht so recht vom Reißbrett trennen konnten, jedoch wurde die Nachfrage gerade in den letzten Monaten immer größer. TischlerCAD ist seit Jänner 2005 auf dem Markt. Wir bemerken eine stetig steigende Nachfrage nach Branchensoftware. Die Sättigung des Marktes ist noch lange nicht erreicht“, meint Martina Pölzlbauer – eine Sichtweise, die auf den österreichischen genauso wie auf den deutschen Markt zutrifft. Bernd Keppler: „Nach 2-3 Jahren der Zurückhaltung nimmt der Markt für Branchensoftware auch wieder im Tischlerbereich Fahrt auf. Gerade die Messe Holzhandwerk in Nürnberg hat deutlich gezeigt, dass sich die Konjunktur belebt und damit auch die Nachfrage nach Software. Wir gehen in den nächsten Monaten und Jahren von einer zunehmenden Nachfrage aus.“ Keppler weist insbesondere darauf hin, dass im Tischlerhandwerk spezielle Softwarepakete erforderlich sind. „Heute beginnt die Bearbeitung eines Auftrages häufig mit der Planung mittels CAD. Daraus werden Stücklisten abgeleitet und damit auch fast die kompletten Produktionsdaten. Die einmal generierten Daten werden an Plattenaufteilsägen und an CNC-Bearbeitungsmaschinen online übertragen. Nur spezielle Branchenprogramme für das Tischlerhandwerk sind in der Lage diesen optimalen Prozessablauf zu gewährleisten. Mit Standardsoftwareprogrammen wie Office und allgemeinen Handwerkerprogrammen können diese Aufgabenstellungen nur unzureichend gelöst werden. Der Markt in Österreich verhält sich da nicht unwesentlich anders als in Deutschland oder der Schweiz. Entscheidend ist die langfristige Marktpräsenz des Anbieters und damit ein Investitionsschutz für den Anwender.“ Positiv, aber mit leicht rückläufiger Tendenzen, schätzt hingegen Anton Schwarz den momentanen Markt für Branchensoftware ein, „da Tischler wieder genug Arbeit haben. Auf Grund der Vergangenheit gibt es kaum Personalressourcen, solche Projekte zu realisieren.
Positiv wirkt sich aus, dass von Schulen und anderen Ausbildungsinstituten neue Mitarbeiter kommen und die EDV einsetzen wollen, da diese nur dadurch ihre Zukunft in diesem Beruf gesichert sehen.“ Und mit welchen neuen Lösungen dürfen Tischler in Zukunft rechnen? Anton Schwarz: „Durchgängige Lösungen mit fertigen Stammdaten haben sich als sehr erfolgreich bewährt. Zukünftig wird sich der Tischler vom, Bretterverkäufer zum Lösungsanbieter (Boden, Wand, Decke, Licht… etc) wandeln. Hiefür,“ und weiter lässt sich Schwarz nicht in die Karten schauen, “sind unsere nächsten Entwicklungsbudgets geplant.“
Noch mehr Durchgängigkeit heißt auch die Devise bei OS Datensysteme GmbH. „Wir tragen den Anforderungen aus dem Markt nach noch mehr Durchgängigkeit Rechnung. Auch die Verbindung zu anderen Systemen wie Outlook, Bestellabwicklung mit Beschlägelieferanten usw. nehmen zu.“ erklärt Bernd Keppler die Richtung, in welche Weiterentwicklungen bei der OS Datensysteme forciert werden. Für die Prologic Computer GmbH wiederum, die mit ihren Softwarelösungen auf den Bereich Fensterbau spezialisiert ist, sieht Alois Fahrafellner eine Nische am Sektor Innentüren. „Da gibt es konstruktiv bisher noch keine spezifische Lösung – die sind wir nun gerade dabei zu erarbeiten.“
Am Planungssektor setzt A-Null auf TischlerCAD zur Unterstützung von Inneneinrichtern, Planungsbüros und Tischler in der Entwurfsarbeit, bei der Präsentation beim Kunden, in der Werkplanung und der Mengenermittlung. TischlerCAD verfolgt das Konzept des virtuellen Gebäudes: Wird ein Teil der Planung im Grundriss verändert, werden gleichzeitig Schnitte, Ansichten und Mengenlisten geändert. TischlerCAD kommt damit auch den vielfach geäußerten Kundenwünschen nach 3D-Unterstützung in der Visualisierung nach.
Martina Pölzlbauer: „Die Idee, Architekten, Baumeister, Planer und Tischler einander näher zu bringen, ist voll und ganz aufgegangen. Das Zusammenarbeiten mit anderen Gewerken ist auf Grund der Vielzahl von Schnittstellen in TischlerCAD bereits Anwenderalltag.“

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