Architekt Gert Mayr-Keber reagierte mit seiner städtebaulichen...
31.01.2007
Individuelle Farbkombination
Die innere Vielfalt bildet sich in einer abwechslungsreichen Formensprache von hoher Plastizität auch an den Fassaden der Baukörper ab. Architekt Gert M. Mayr-Keber, dem die Individualität der einzelnen Wohnungen und die Befriedigung des Identitätsanspruches der Bewohner ein großes Anliegen sind, verleiht mit Elementen wie Erkern, Loggien, Terrassen, Balkonen, Fenstern und Eingängen seinen Bauten markante Gesichter. Große Fensteröffnungen sorgen für lichtdurchfl utete Wohnräume und luftiges Flair. Manche Wohneinheiten beinhalten Loggien oder Balkone und von jenen in den obersten Geschoßen führen Treppen zu Dachterrassen. Zusammen mit den unterschiedlichen Grundrisskonfi gurationen ergibt sich eine erstaunliche Fülle an individuell ausgeformten Wohneinheiten mit jeweils ganz persönlicher Note.
Kunst als Botschaft
Die Integration von Kunst im Wohnbau ist seit einigen Jahren ein Qualitätsmerkmal von BUWOG-Bauten. Für das Projekt in Simmering konnte der international renommierte Künstler Gerwald Rockenschaub dafür gewonnen werden, den künstlerischen Dialog mit der Architektur zu führen. Er zeichnet für die Farbgestaltung der Erker verantwortlich. Durch sein künstlerisches Konzept verstärkt Rockenschaub den architektonischen Gedanken und schafft mit seiner Farbgebung zusätzliche Differenzierung. Die Erker werden dadurch zum charakteristischen Merkmal der Anlage. Die aus genieteten Aluminiumblechen bestehenden Oberfl ächen dieser bauplastischen Elemente wurden in unterschiedlichen Farben aus der Pantone-Farbpalette lackiert und betonen damit die Plastizität der Baukörper und deren Unterschiedlichkeit.

Mit ähnlichen bis gleichen Grundrisstypen, ermöglicht durch verschiedenartige Fassadenvorschaltungen und -ausbildungen, die den Innenbereich räumlich mitdefinieren, werden Wohneinheiten mit unterschiedlichen Figurationen erreicht.
Baukünstlerisch ambitionierter Wohnbau und die Erfüllung humanitärer Grundbedürfnisse sind kein Widerspruch. Der menschliche Maßstab und soziale Komponenten wie Überschaubarkeit und Vermeidung von Anonymität sind für Gert M. Mayr-Keber wichtige Kriterien im Geschoßwohnbau. Denn je weniger Wohneinheiten über ein Stiegenhaus erschlossen werden, umso leichter ist das gegenseitige Kennenlernen und damit auch das Sicherheitsempfi nden. Dazu gehört selbstverständlich auch das Vermeiden von Angsträumen, indem Eingangsbereiche und Gangzonen so großzügig wie möglich dimensioniert und gut mit Tageslicht versorgt werden. Die Mietwohnungen im Gebäude entlang der Kaiser-Ebersdorfer Straße erhielten mit straßenseitigen Loggien nicht nur gut nutzbare, geräumige Außenräume, sondern auch eine Pufferzone zwischen Wohnbereich und Straße. Dass hier zusätzlich noch Nischen geschaffen wurden, die von außen uneinsehbar als Lagerfl ächen genutzt werden können, ist ein unspektakulärer, aber umso praxistauglicherer Pluspunkt dieses privaten Freiraumes.
Räumlicher Luxus
Luxus ist der Aufwand, der den notwendigen Rahmen übersteigt. In der Kaiser-Ebersdorfer Straße manifestiert er sich in überdurchschnittlichen Raumhöhen, abwechslungsreichen Grundrisskonfi gurationen (die Anlage enthält 16 verschiedene Wohnungstypen) und im vielfältigen Angebot an Freifl ächen wie Gärten, Balkonen, Loggien und Terrassen. "Jedes Gebäude braucht eine fünfte Fassade" sagt Architekt Mayr-Keber und deshalb liegen ihm die Ausbildung der Dächer und der sich daraus ergebenden Räume darunter sehr am Herzen. Im straßenseitigen Gebäudeteil bildet den "Kopf" ein zurückspringendes Geschoß, dessen Dach über den Terrassenfl ächen schützend auskragt. Im parallel dazu stehenden Zeilengebäude sowie in den dahinter liegenden "Stadtvillen" sind es Tonnendächer, die in den Wohnungen darunter ungewöhnliche Räume entstehen lassen. Wohnqualität und Raumerfahrung defi nieren sich nicht nur über die gebauten Volumina und die Wohnungen selbst, sondern auch über all das, was dazwischen liegt. Wege, Grünfl ächen und Kinderspielplätze wurden in der Wohnhausanlage Kaiser-Ebersdorfer Straße vom Landschaftsplaner Thomas Proksch sorgfältig so geplant, dass die Wohnqualität sich auch im Freien fortsetzt und die Zwischenräume als hochwertiger Frei- und Grünraum erlebbar sind. Auf Empfehlung des BUWOG-Kunstbeirates wurde der international renommierte Künstler Gerwald Rockenschaub darum gebeten, einen umfassenden künstlerischen Beitrag zu leisten. Erstaunlich und beachtenswert ist, dass keine der künstlerischen und gestalterischen Disziplinen die andere versucht, auszustechen, sondern dass gebautes Volumen, Kunst und die Gestaltung der "Zwischenräume" Hand in Hand gehen. Dabei handelt es sich um keinen glücklichen Zufall, sondern schlicht um die Folge von sorgfältiger Projektentwicklung und einer Auftraggeberschaft, für die Architektur und Kunst nicht lästige Fleißaufgaben, sondern Selbstverständlichkeiten aus Überzeugung sind.
Text: Franziska Leeb
Wohnprojekt Kaiser-Ebersdorfer Straße
Architekt: Gert M.Mayr-Keber
Grünraumplaner: Thomas Proksch
Farbkonzept: Gerwald Rockenschaub
Statische Berechnung: Hermann Kugler
Bauzeit: 2002–2006
Artikel aus: Color 1-2/07, S. 18f.

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