Feng Shui in seiner Urform und Möbel für Behinderte sind die...
09.02.2007
Wohlfühlmöbel aus dem Waldviertel

In der südwestlichsten Ecke des Waldviertels, fast schon in Oberösterreich, liegt Markt Nöchling. Urkundlich erwähnt wird der Ort das erste Mal vor etwas mehr als 1000 Jahren, unter der Regentschaft Kaiser Ottos III. Seit nunmehr schon einem halben Jahrhundert gibt es in Nöchling auch die Tischlerei Gschossmann.
„Mein Vater hat das Gebäude von seinem Schwiegervater übernommen und im Juli 1956 mit dem Betrieb einer Tischlerei begonnen“, berichtet Tischlermeister Josef Gschossmann, der das Unternehmen schon seit einigen Jahren leitet. „Das heißt, unsere Firma hatte im Vorjahr bereits das 50-jährige Firmenjubiläum unter dem Namen Gschossmann.“
Der Firmenchef begann nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule und des Polytechnischen Lehrganges als Lehrling im väterlichen Betrieb. Er absolvierte eine vierjährige Doppellehre, die ihn nicht nur zum Tischler, sondern auch zum Bürokaufmann ausbildete – die besten Voraussetzungen also, um einst das Unternehmen zu übernehmen. Die Meisterprüfung legte er am 12. Dezember 1986 ab. Im Jahr 1990 gründete er gemeinsam mit seinen Eltern eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in der er bis 2001 als geschäftsführender Gesellschafter tätig war. Seither ist das Unternehmen eine Einzelfirma unter der Leitung von Josef Gschossmann. Mit 12 Mitarbeitern, davon drei Tischlermeistern, sechs Gesellen und drei Lehrlingen erwirtschaftet Gschossmann mittlerweile einen Jahresumsatz von rund 725.000 Euro.
Kundenzufriedenheit im Zentrum
„Für mich steht die Kundenzufriedenheit an erster Stelle“, umreißt Josef Gschossmann seine Unternehmensphilosophie. „Wir sind bemüht, Wohlfühlmöbel zu erzeugen, die genau den Wünschen und Vorstellungen der Kunden entsprechen. Durch unsere kleinen Strukturen sind wir flexibel, durch die Vielfalt unserer Produkte sprechen wir die unterschiedlichsten Personengruppen an. Es gibt kein Wohnproblem, wofür sich nicht eine Lösung finden ließe.“
Folgerichtig sieht der Tischlermeister in der Kundenzufriedenheit, seiner Flexibilität, der großen Produktpalette sowohl in der Bau-, wie auch der Möbeltischlerei, und in der guten Ausbildung seiner Mitarbeiter die Stärken seines Unternehmens.
Einen besonderen Schwerpunkt in Gschossmanns Produktpalette bilden Einrichtungsgegenstände für behinderte Menschen. Für sie hat er ein Spezialbett entwickelt. Darüber hinaus gehört Gschossmann dem Holzkreis an, der sich mit Vastu, der Urform des Feng Shui, beschäftigt.
Wie er auf diese Spezialisierung gekommen ist? „In der heutigen Zeit ist es wichtig, sich ständig weiterzuentwickeln“, erläutert Gschossmann, „deshalb ist jeder Tischler auf der Suche nach Marktlücken. Durch die Beschäftigung mit Vastu können wir Kunden auf Wunsch spezielle Beratungen anbieten. Gerade in der heutigen, stressigen Zeit, ist es wichtig, den persönlichen Wohn- und Arbeitsbereich so zu gestalten, dass man sich wohl fühlt, dass man je nach Bedarf entspannen oder Kräfte sammeln kann.
Den Einrichtungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wird in Zukunft sicher noch mehr Augenmerk zu schenken sein. Die Lebenserwartung der Menschen steigt stetig, und sollte man einmal auf Pflege angewiesen sein, dann ist es wichtig, dass die Wohnung auf die Bedürfnisse des Hilfsbedürftigen abgestimmt ist. Noch werden Investitionen auf diesem Gebiet sehr zögerlich getätigt, aber es ist trotzdem wichtig, bei den Pionieren dabei zu sein.“
Die Spezialisierung auf Vastu und auf Möbel für Behinderte bringt es mit sich, dass die Tischlerei Gschossmann in erster Linie private Kunden beliefert. „Wir sind stolz darauf, dass wir so viele Küchen, Wohn-, Schlaf- Kinder-, Badezimmer, Türen, und, und, und erzeugen durften“, sagt der Unternehmensinhaber. „Aber auch größere Projekte, wie ein Studentenwohnheim in Wien, Arbeiten bei einer großen Bank oder die Ladeneinrichtung für ein Optikerfachgeschäft konnten wir durchführen.“ Als zweites Standbein hat Gschossmann eine Produktion von Holzladen auf Maß nach Kundenwunsch begonnen. Diese Holzladen produziert er seit 1997 für Tischlerkollegen. Der Vertrieb läuft über den Großhandel.
Mit Qualität und Flexibilität in die Zukunft
Von Zukunftssorgen hält der findige Unternehmer nichts. „Was die Zukunft bringt, kann man immer schwer abschätzen“, zeigt sich Gschossmann nüchtern. „Mein Wunsch wäre es, in der jetzigen Größe weiterzuarbeiten, gewisse Investitionen im Betrieb tätigen zu können. Mir ist es wichtig, dass ich meinen Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze bieten kann und dass die Kunden stolz darauf sind, Produkte zu besitzen, die von der Tischlerei Gschossmann gefertigt wurden und nicht aus dem Möbelhandel kommen.“
Ähnlich gelassen sieht Josef Gschossmann die Lage des Tischlerhandwerks ingesamt: „Die wirtschaftliche Lage ist ein stetiges Auf und Ab. Die Zukunft der Tischlerbranche sehe ich in der Qualität und in der Flexibilität. Es wäre falsch, die rosarote Brille aufzusetzen, aber Tischler wird es immer geben. Ich hoffe sehr, dass sich die politische Unterstützung für die Wirtschaftstreibenden in Zukunft verbessert; dass die Politik endlich einsieht, dass die Mittelbetriebe zu fördern wären, da diese Arbeitsplätze schaffen und sichern und obendrein jungen Menschen eine Ausbildung bieten. Leider geht der Trend zur Förderung von Großbetrieben oder Ein-Mann-Betrieben.“
Gerade die Lehrlingsausbildung ist Josef Gschossmann ein besonderes Anliegen. Nicht nur, dass derzeit drei Lehrlinge ihre Ausbildung in der Tischlerei Gschossmann absolvieren – er hat alle seine Mitarbeiter im eigenen Betrieb ausgebildet. Kein Wunder also, dass Josef Gschossmann sich gerade über die Lehrlingsausbildung ausführlich Gedanken gemacht hat.
„Die jetzige Form der Lehrlingsausbildung ist sicher gut durchdacht“, räumt der Lehrherr ein und bricht eine Lanze für den Lehrberuf Tischlereitechnik: „Die neue Form der vierjährigen Lehre bietet sicher neue Berufschancen. Wichtig ist, dass die Lehrlinge sich wirklich für den Beruf interessieren und den Beruf ernsthaft erlernen möchten.“ Und seinen Kollegen schreibt Gschossmann ins Stammbuch: „Jeder Lehrherr muss für sich darauf schauen, dass er den Lehrling möglichst vielfältig ausbildet, dass er seine Stärken bewusst einsetzt. Leider ist dies in der heutigen, schnelllebigen Zeit nicht immer möglich. Ein Lehrling sollte den gleichen Status erhalten wie ein Schüler. Man muss ja bedenken, dass ein Lehrling in drei Lehrjahren maximal zwei Jahre im Betrieb verbringt. Die andere Zeit entfällt auf Berufsschule (30 Wochen), auf Urlaub (15 Wochen), auf Feiertage (4 Wochen) – und da sind Krankenstand und sonstige Abwesenheit noch gar nicht berücksichtigt.“
von Ralf Siebenbürger
Artikel aus: Tischlerjournal 1-2/07, S. 12f.

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