21.03.2007
Interview KommR Egon Fischer - Auf die Jugend setzen
Welche Veränderungen sind im nächsten Jahr zu erwarten?
Wenn die Kammerreform greift, wird sich für die Bundesinnung einiges ändern. Es werden weit reichende Zusammenschlüsse erfolgen, höchstwahrscheinlich werden die Bodenleger und die Polsterer und Tapezierer zu uns dazukommen.
Welche Ziele hat sich die Innung gesetzt?
Das Abschließen unseres Berufsbildes mit neuer Namensgebung und einer Erweiterung beziehungsweise Spezialisierung der Lehrberufe. Wir möchten zusätzlich auch „Theater und Kulissenmalerei“ sowie „Korrosionsschutzexperte“ anbieten. Für Theater und Kulisse wird ein Kurs in der Malerschule in Leesdorf stattfinden, wo die Kurse für Korrosionsschutz stattfinden werden ist noch nicht fixiert. Außerdem wird auch das Berufsbild Restaurator angeboten werden. Schließlich sind wir die Profis, was die Restaurierung von Malerei (Fresken, Fassaden) angeht. Restaurator ist derzeit ein freies Gewerbe, jeder der in eine Kunstgewerbeschule geht, kann diesen Beruf ergreifen. Das ist sicher nicht im Sinne des Auftragsgebers. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit der Kartause Mauerbach, ich könnte mir vorstellen, dass dort auch die Ausbildung stattfinden wird.
Der Denkmalschutz und das dazugehörige Umfeld sollten in Zukunft enger mit dem Maler und Beschichtungstechniker verbunden sein, genauso wie die Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt enger und intensiver werden soll.
Wie interessiert sind die Maler am Denkmalschutz, macht dieser Bereich überhaupt Sinn für den Maler?
In den Bundesländern haben wir verstärkt spezielle Kurse für denkmalgeschützte, bzw. erhaltungswürdige Objekte abgehalten und dort sehr guten Respons erhalten. Im Zeitalter der Globalisierung wird es für den Maler so und so immer schwieriger bei Neubauten, seine Aufträge zu bekommen. Heute werden die meisten Teile fixfertig auf die Baustelle geliefert, der Maler darf dort dann ausschließlich die Wände beschichten, es wird also nur mehr einer Frage der Zeit sein, bis es Fertigputze mit abgetönten Farben gibt, dann wird der Maler nur mehr zum Durchführen von Ausbesserungsarbeiten herangezogen werden.
Ich gehe davon aus, dass Restauration von alten Wohnungen und Häusern bald ein Kerngeschäft des Malers sein wird. Deshalb ist es wichtig, dass meine Berufskollegen für dieses Geschäftsfeld viel Verständnis, Wissen und auch Liebe aufbringen, um optimal in diesem Bereich arbeiten zu können. Natürlich ist es nicht ganz leicht, gerade der Jugend, die vielleicht nicht ganz so viel Verständnis für die Notwendigkeit des Erhaltens alter BausubÂstanzen aufbringt, diese Werte zu vermitteln, aber wenn man das Ganze entsprechend aufbereitet, wird es sicher funktionieren.
Wieso glauben Sie, dass sich der Maler als Restaurator in Zukunft durchsetzen wird?
Die Freiberufler, die heute als Restauratoren tätig werden, haben meistens nicht die entsprechende Ausbildung. Schließlich wird in unseren Berufsschulen schon in der ersten Klasse Kunstgeschichte, Farbenlehre, Pigmente, die Rohstoffe, etc. unterrichtet, ein Freiberufler, der vorher Maschinenschlosser war oder als Taxifahrer gearbeitet hat, macht einen künstlerischen Aquarellkurs und kann dann im freien Gewerbe als Restaurator arbeiten. So jemand hat klarerweise nicht dieselben Qualifikation und wird auch dementsprechend schlechter arbeiten.
Die Lehrlingsausbildung in Österreich?
Bei der Lehrlingsausbildung sind wir wirklich europäische Spitze. Voriges Jahr wurde in Helsinki Marian Schweiger Weltmeister. Heuer wird ein sehr viel versprechender Kandidat, der Steirer Michael Tobisch, zur Berufsweltmeisterschaft fahren. Das sind natürlich alles Erfolge, die aus den Bausteinen zusammengesetzt sind, die die Lehrlingsausbildung ausmachen. Wenn die Ausbildung nicht passen würde, hätten wir niemals solche Erfolge ...
Man muss natürlich leider sagen, dass eine Malerlehre nicht für alle erste Wahl ist, viele wollen heute lieber in technische Berufe, ich hoffe die neuen Perspektiven wie Theater und Restaurierung werden dazu beitragen, den Beruf Maler wieder attraktiver zu machen – schließlich gibt es europaweit keine eine ähnliche Ausbildung.
Ihre Erfolge 2006?
Im vorigen Jahr ist es uns gelungen, eine einheitliche Lehrabschlussprüfung und auch Meisterprüfung österreichweit einzuführen. Das ist sicherlich der richtige Schritt, um auch nach außen zu transportieren, dass wir Maler in ganz Österreich alle das Gleiche wollen. Wir werden in Zukunft unter dem gleichen Logo auftreten und die Werbung wird einheitlich aufgebaut werden. Es fehlen nur noch Wien und Kärnten, die werden ab nächstem Jahr einsteigen, dann kann man gemeinschaftlich auftreten.
Wie wichtig sind Fortschritt und Technik?
Ganz wichtig für die Zukunft ist der Computer. Es gibt zahlreiche Programme, die dem Maler gewisse Arbeiten erleichtern, im Computer kann man die verschiedensten Farbtöne simulieren und dem Kunden damit vorab ganz genau zeigen, wie es nach Beendigung der Arbeiten bei ihm ausschauen wird. Die Schilderhersteller arbeiten sogar nahezu 90 Prozent nur mehr am Computer. Die einzige Berufsgruppe, die bei uns immer noch so arbeitet wie vor hundert Jahren, sind die Vergolder, daran wird sich aber logischerweise auch in Zukunft nicht besonders viel ändern.
Ewiges Ärgernis Pfusch:
Pfuscherbekämpfung ist ebenfalls ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt. Gerade unsere Branche ist sehr stark von Schwarzarbeit betroffen. Für die Betriebe wäre es sehr wichtig, auch bei uns das so genannte „Luxemburger Modell“ einzuführen.
Dabei werden Privatpersonen, die eine Wohnung oder ein Haus über eine Firma renovieren lassen, mehrwersteuerbegünstigt. Die Vorteile bei diesem Modell, das in Deutschland und den Benelux-Staaten praktiziert wird, sind offensichtlich: Die Mehrwertsteuer, die meist sowieso genau der Betrag ist, um den der Pfuscher günstiger arbeitet, kann auf diesem Wege auch eingespart werden, trotzdem hat man Garantieansprüche.
Problematisch ist natürlich auch die Omnipräsenz der Baumärkte, die ja auch alle schon Farbmischmaschinen haben und 10.000 oder mehr verschieden Farbtöne anbieten können. Zusätzlich bieten die Bauhäuser ja auch Seminare unter dem Titel „wie beschichte ich eine Wand“ an. Früher hat nur der Maler allein das Mischen der Farben zum richtigen Farbton beherrscht und damit natürlich einen klaren Vorteil gegenüber Privaten gehabt.
Wichtig ist für unsere Zukunft, dass sich die Kollegen mit den neuen Handwerkstechniken und Trends beschäftigen, damit sie konkurrenzlos bleiben. Es gibt natürlich Bereiche, die der Baumarkt nicht anbieten kann, wo es auf das handwerkliche Geschick und ein fundamentales Hintergrundwissen ankommt. Das wird unsere Zukunft sein.
Warum ein neuer Name für die Maler und Anstreicher?
Ich denke, es geht auch darum, das Bild der Berufsgruppe positiv zu transportieren. Genau wie KFZ-Techniker anders klingt als Mechaniker, ist die Bezeichnung Maler und Anstreicher einfach inzwischen überholt und entspricht auch inhaltlich nicht mehr. Der Name „Maler und Beschichtungstechniker“ wurde übrigens laut einer Umfrage an über 700 Berufsschülern ermittelt, der Name kommt also direkt von der Jugend, von den Berufsschulen, wurde also nicht von uns bestimmt.
Haben sich die Aufgaben und die Präsenz der Innung im Laufe der Jahre verändert?
Aufgaben hat die Innung die gleichen, in gewissen Regionen kommen vielleicht weniger Leute zu Innungstagungen, es ist leider hauptsächlich die Jugend, die sich weniger für diese Dinge interessiert, aber man sollte nicht übersehen: „Wer sich nicht interessiert, ist auch nicht informiert.“
Ursula Wastl
Artikel aus: Color 03/07, S. 6f

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