Landesinnungsmeister Helmut Schulz sprach mit Color über die...
30.05.2007
Mehr Farbe!
Ein wichtiges Thema in der nahen Zukunft ist für uns die österreichische Fachmesse „Austrofarbe“, die im März 2008 in Wieselburg stattfinden wird. Der Leitgedanke der Veranstaltung wird Mensch und Farbe sein. Neuheiten, Impulsvorträge diverser Firmen und kurze Fachvorträge werden präsentiert, sodass wir zusätzlich zum üblichen Aussteller-Reigen auch noch fundierte Informationen zum Thema Farbe geben können. Weiters wollen wir andere Gewerke wie Spengler, Tapezierer, und Bodenleger als neue Besucherschicht gewinnen.
Werden die Bodenleger nicht sowieso bald ein Teil der Malerinnung sein?
Das glaube ich nicht, die Bodenleger wollen nicht zu den Malern, sie wollen lieber wieder zurück ins Baunebengewerbe. Wer wirklich zu uns dazukommen wird sind aller Voraussicht nach die Tapezierer.
Wer soll noch zur Austrofarbe kommen?
Wen wir auf jeden Fall ansprechen wollen sind die Architekten und Planer. In diesem Rahmen soll sich das Malerhandwerk in all seiner Vielfalt darstellen und zwar als Farbberater, Renovierer, Fassadengestalter und auch den Bereich der Restaurierung von historischen Fassaden wollen wir zeigen. Deshalb werden wir eben nicht nur Produkte ausstellen, sondern auch interessante Arbeiten und Themen präsentieren. Die Meisterschule Leesdorf wird eine Ausstellung zum Thema Farbe und Licht machen.
Außerdem wird es auch wieder Wettbewerbe geben, auf jeden Fall wird der Landeslehrlingswettbewerb dort durchgeführt werden.
Was halten Sie von der oft prolongierten „Messemüdigkeit“?
Dabei ist der Abstand zwischen den einzelnen Fachmessen sehr wichtig, jedes Jahr würde das sicher keinen Sinn machen, aber alle drei beziehungsweise vier Jahre sehe ich keinen Grund zur Messemüdigkeit. Wir hatten letztes Mal bei der Austrofarbe in Krems einen sehr guten Besuch, für die nächste Messe rechne ich mit steigenden Besucherzahlen
Wie war die Messe „Farbe - Ausbau & Fassade 2007“ in Köln?
Für mich war die Messe etwas enttäuschend, zum einen waren weniger Aussteller als 2005 und außerdem nur bei einer Firma auch Repräsentanten aus Österreich am Stand anwesend. Auch Innovationen konnte ich kaum erkennen.
Glauben Sie an Restaurierung/Renovierung als neue Maler-Kernkompetenz?
Restaurierung ist eine Kompetenz, die wir Maler immer schon gehabt haben, allerdings hat sich nur eine ganz kleine Gruppe der Betriebe darauf spezialisiert.
Interessanter für die Masse ist sicher der Bereich der Renovierung abseits der Baudenkmalpflege.
Ist eine spezielle Ausbildung im Bereich Restaurierung, wie er zum Beispiel in der Kartause Mauerbach angeboten wird, sinnvoll?
Für einzelne macht das sicher sehr viel Sinn, wenn man sich wirklich dafür interessiert, sollte man klarerweise sein Wissen vertiefen. Allerdings ist das natürlich auch kein Garant dafür ständig Aufträge aus diesem Gebiet zu bekommen.
Auf jeden Fall eine sehr interessante Sache, man lernt einfach wieder mit alten Produkten richtig umzugehen, ich habe selbst mehrere Kurse in Mauerbach besucht. Das Sinnvolle dabei ist: Man lernt verschiedene Untergründe richtig zu bewerten und weiß dann genau, welches Material aufzubringen ist und was dieser spezielle Untergrund verlangt. – Wissen, das man genau im komplexen Fach Baudenkmalpflege sehr gut gebrauchen kann.
Wie sind eigentlich die Kontakte zu anderen Innungen in Europa?
Das ganze ist insofern ein wenig schwierig, da es im Osten, also Tschechien, Slowakei, Ungarn, nicht wie bei uns eine Bundesinnung und die Landesinnungen gibt sondern regionale Innungen, ganz anders strukturiert, deshalb ist die Kontaktaufnahme kompliziert.
Wir hatten aber schon Kontakte zu Ungarn, Tschechen und Slowaken, das wollen wir nächstes Jahr auf der Austrofarbe fortführen und intensivieren.
Die Lehrlingssituation in NÖ?
Die Lehrlingsanzahl ist ziemlich konstant auf einem mittleren Niveau, mit der Qualität haben wir Probleme. Die Qualität steigt interessanterweise mit einer höheren Frauenquote. Die Mädchen kommen schon mit einem besseren Schulabschluss zu uns und zeigen echtes Interesse am Beruf. Auch bei den Lehrlingswettbewerben sind sehr oft Mädchen auf den vorderen Plätzen.
Wir hatten in den letzen Jahren leider eher weniger weibliche Lehrlinge. Lag die Frauenquote vor sechs Jahren noch bei 21 Prozent, haben wir jetzt nur mehr 14 Prozent Frauenanteil bei den Lehrlingen. Natürlich haben Betriebe auch Berührungsängste, vieles wird sehr kompliziert, wenn sie einen weiblichen Lehrling im Betrieb aufnehmen, im Falle einer Schwangerschaft treten sehr viele gesetzliche Vorschriften in Kraft, die für einen kleinen Betrieb finanziell nicht tragbar sind.
Gibt es für die niederösterreichischen Maler neue Werbestrategien?
Wir planen eine Offensive im Innen- und Außen-Marketing. Das heißt, wir wollen den Auftritt der niederösterreichischen Maler sowohl optisch als auch werbetechnisch verbessern bzw. verändern. Wir arbeiten dazu mit einer Marketingfirma zusammen, die für uns eine Umfrage gestartet hat, bei der wir abklären wollen, wie der Malerberuf derzeit von den Kunden gesehen wird, was diese glauben vom Maler zu bekommen oder auch ob die Kompetenz der Farbberatung entsprechend ist. Auf diese Ergebnisse werden wir unsere Werbestrategie aufbauen. Wir wollen nicht die aggressive Baumarktwerbelinie fahren sondern positive Verknüpfungen mit dem Malerhandwerk schaffen, dem Kunden zeigen was für Vorteile er davon hat sich einen Fachbetrieb ausgesucht zu haben. Übrigens: Sobald die Ergebnisse ausgewertet sind, werden sie auf der Homepage der Landesinnung Niederösterreich allen Kollegen zugänglich gemacht.
Thema Wärmedämmung:
Vollwärmeschutz ist sicherlich das Zukunftsthema. Es wird vor allem wichtig werden, sobald 2010 der verpflichtende Energieausweis fällig wird. Das wird sicher ein bedeutender Indikator dafür sein, wie sich ein Haus verkaufen oder vermieten lässt. Habe ich eine schlechte Energiebilanz, dann werde ich als Hausbesitzer reagieren müssen. Das könnte durchaus einen Auftragsschub auslösen.
Der Maler und der Computer?
Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht mit dem Computer arbeite, der Malerberuf ist ohne EDV eigentlich nicht mehr vorstellbar.
Ein gutes Graphik- oder Fassadenprogramm gehört in jeden Betrieb, um den Kunden Farbvorschläge für die Fassade oder in der Raumgestaltung zu erstellen. Gerade als Schildehersteller geht es ja gerade im Entwurf gar nicht mehr ohne Computer, sonst bin ich nicht mehr up to date. Es gibt hier sogar Programme, die erlauben es Schriften einzuscannen und direkt auf die Fassade zu projezieren, für den Kunden eine tolle Sache und es gibt nachher kaum Überraschungen. Wir diskutieren auch darüber, bei der Meisterprüfung den Computer einzusetzen, es gehört schließlich dazu, dass ich bei der Berrechnung eines Maßes oder einer Kalkulation mit dem Computer umgehen kann.
Ursula Wastl
Artikel aus: Color 05/07, S. 6f.

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