Wenn ein Unternehmen in seiner E-Mail-Adresse das Wort „happy“...
30.05.2007
Wohlfühlfaktor Farbe
Der Vater der heutigen Chefin, Hubert Lozias, kam nach dem II. Weltkrieg als Heimatvertriebener aus Südmähren nach Niederösterreich. Schon seine Eltern hatten einen Maler- und Anstreicherbetrieb. 1965 eröffnete Hubert Lozias sein eigenes Unternehmen in Ernstbrunn. 1979 erweiterte er den Betrieb um eine Niederlassung in Stockerau.
Seit 1995 steht nun seine Tochter Eveline Smrsch an der Spitze des Familienunternehmens. Zuvor hatte sie im väterlichen Betrieb das Malerhandwerk gelernt und 1984 die Meisterprüfung absolviert. Auch ihre Schwester Gerlinde wurde Malermeisterin. Sie schied aber im Jahr 2003 aus dem Betrieb aus und unterrichtet heute an der Malerschule in Baden-Leesdorf.
Auch Eveline Smrsch hat ihr Lehrtalent entdeckt: In der Wintersaison, in der sie ihren Betrieb zusperrt, hält sie für das BFI Kurse für Maler und Anstreicher, Dekorationsmalerei, alte Techniken und Spalieren.
Mittlerweile beschäftigt Eveline Smrsch in ihrem Betrieb fünf Mitarbeiter, die einen Umsatz von rund 120.000 Euro pro Jahr erwirtschaften.
Besondere Schwerpunkte ihres Betriebes? „Wir machen von allem alles“, gibt sich die Malermeisterin als Universalistin. Ihre Kunden, darunter viele Stammkunden, hat sie in einem Umkreis von rund 50 Kilometern rund um ihren Hauptsitz Ernstbrunn. „Die Menschen sollen sich wohlfühlen“, verrät sie ihre Maxime, „und dazu gehören schöne, warme Farben. Denn frische Farben sind lebendig und vermitteln Gemütlichkeit.“ In letzter Zeit lassen ihre Kunden auch wieder vermehrt ihre Lebensumgebung tapezieren. „Noch vor ein paar Jahren war das recht selten, aber es wird neuerdings mehr“, verrät Eveline Smrsch.
Besonders gut gefallen hat ihr die Ausstattung, die sie und ihre Mitarbeiter unlängst für das Haus eines Freundes ihres Sohnes durchgeführt haben. Er hat den Wohnbereich mit Stucco Antico gestalten lassen. „Leider hat man viel zu wenig Gelegenheit, solche Arbeiten auszuführen“, schwelgt die Unternehmerin in der verschwenderischen Pracht, die dort ins Haus gezaubert wurde. Denn die meisten Kundenwünsche sind weniger aufwändig – etwa bei den Dienerinnen des Heiligen Geistes. Die Ordensschwestern betreiben in Stockerau ein Kloster mit angeschlossenem Exerzitienhaus und Pensionistenheim und gehören seit Jahren zu den Stammkunden der Firma Lozias. Ihr Kloster ist dem Heiligen Koloman geweiht. Der Vorgänger des Heiligen Leopold als österreichischer Landespa-tron war gebürtiger Ire und als Pilger nach Österreich gekommen. Da der Fremdling den Einheimischen reichlich verdächtig vorkam, brachten sie ihn vorsorglich um. Das war im Jahre 1012 und eben an der Stelle, an der heute die Ordensfrauen Kloster und Pensionistenheim betreuen. Im Moment führt die Firma Lozias Malerarbeiten im Stiegenhaus und einigen Nebenräumen aus.
Bedauert hat Eveline Smrsch ihre Berufsentscheidung nie: „Meine Mutter war zuerst zwar überrascht, als ich gesagt habe, dass mich der Beruf interessiert, aber ich hab’s keinen Tag bereut, Malerin geworden zu sein.“ Sie versichert: „Ich werd‘ weitermachen, solange es Spaß macht.“ Und es macht ihr Spaß. Wie es mit dem Betrieb weitergehen wird? „Das kommt darauf an, ob mein Sohn übernehmen oder was Eigenes machen will.“ Der 21-jährige, ältere Sohn Mario ist auch schon Malermeister. „Er hat ein großes künstlerisches Talent“, beobachtet die Mutter, die sich deshalb auch vorstellen könnte, dass ihr Sohn in der Kunst Fuß fassen könnte. Auch der jüngere Sohn, der 18-jährige Patrick, ist den Farben treu geblieben, die das Leben der Familie seit Generationen bestimmen: Er ist Autolackierer geworden.
Dass eine Frau von so heiterer Lebensart wie Eveline Smrsch ungern auf die Schattenseiten der Branche zu sprechen kommt, ist selbstverständlich. Aber auch sie ist sich dessen bewusst, dass nicht alles Eitel Wonne ist. „Die Branche ist schwierig“, räumt sie ein, „es herrscht ein ziemlicher Preiskampf.“ Doch: „Wenn’s so bleibt, wie es ist, kann man zufrieden sein.“ Sorgen machen ihr die Billigarbeitskräfte, die aus dem Osten auf den heimischen Markt drängen.
Darum engagiert sich Eveline Smrsch auch in der Standesvertretung. Seit einigen Jahren gehört sie dem niederösterreichischen Innungsausschuss an. „Es ist wichtig, dass wir zusammenkommen und dass wir miteinander reden“, sieht sie in der Kommunikation unter den Kollegen eine zentrale Aufgabe der Standesvertretung. „Denn nur gemeinsam können wir die Probleme lösen, die sich in unserem Beruf stellen.“
Zu diesen Problemen gehört auch die Lehrlingsausbildung. „Voriges Jahr habe ich zwei Anfragen von Interessenten für eine Lehrstelle gehabt“, erzählt sie. „Die Lehrlingsausbildung ist allerdings ein Problem, wenn man, so wie es bei uns der Fall ist, im Winter zusperrt.“ Gerne würde sie Lehrlinge ausbilden, aber es ist einfach eine Sache der Zeit, die es ihr unmöglich macht. Eine Interessentin hat inzwischen einen Lehrherrn im nördlichen Weinviertel gefunden. Mit ihr ist Eveline Smrsch noch immer in ständigem Kontakt und steht ihr mit Rat und Wissen zur Seite. Und beides gibt sie ja schließlich auch den Winter über im BFI weiter. Das Ihre trägt sie so dazu bei, dass der Malerberuf eine Zukunft hat.
Ralph Siebenbürger
Kontakt:
Malermeister Lozias G.m.b.H.
Huttererstraße 16, 2115 Ernstbrunn
Tel: (02576) 23 77-0, Fax: (02576) 23 77-4,
E-Mail: Adressat
Niederlassung Stockerau:
Schießstattgasse 47
2000 Stockerau
Artikel aus: Color 05/07, S. 12f

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