04.07.2007
Voll auf der Welle
Diese optimal inszenierte Dachlandschaft ist die konsequente Übertragung der Waldviertler Hügellandschaft in eine Architektur, in die sie sich so perfekt einfügt, als wäre sie ein Teil von ihr. Die heilsame Sole und die über das Gelände verstreuten Waldviertler Granitfelsen gaben dem neuen Erlebnisbad am Stadtrand von Gmünd/NÖ seinen Namen. Das „Sole-Felsen-Bad Gmünd“ bietet dem Gast innen und außen eine Wasserfläche von insgesamt 940 qm sowie zahlreiche Attraktionen etwa eine 65 Meter-Wasserrutsche mit Bewegungs- und Geräuscheffekten, einen Strömungskanal, Geysire, Sprudelliegen, Massagebuchten, eine 25 qm große wassergefüllte Granitschale zum Entspannen, eine Saunalandschaft mit allen Finessen sowie einen umfangreichen Wellness- und Therapiebereich. Es ist ganzjährig geöffnet und verfügt auch über eine ansprechende Gastronomie.
Der Entwurf der „zwei gegenläufigen Wellenlinien“ von den „Gollwitzer Architekten“ aus Deggendorf (D) verlangte der ausführenden Firma „Graf-Holztechnik“ aus Horn eine unerhörte Präzision in der Fertigungstechnik ab. Unterschiedliche Krümmungsradien sogar innerhalb der einzelnen Binder des Haupttragwerks, ein der Dachform und der gewölbten Fassade gleichermaßen entsprechend zweifach gekrümmter Fassadenträger sowie auf Grund dieser Dachgeometrie bis zu 8 Grad verdrillte BSH-Sparren – das sind nur einige der Konstruktionsdetails, die das Herz des Holzbauers um einige Takte schneller schlagen lassen. Das begrünte Dach bildet da nur noch das Tüpferl auf dem „i“. Dass die Optik des Daches nicht durch die üblichen Aufbauten beeinträchtigt wurde, ist das Verdienst der Haustechnikplanung von „Pfeiffer + Partner“ aus Steinhaus, welche die Haustechnik perfekt und für den Besucher völlig unsichtbar in das Dach integrierte.
Die Graf–Holztechnik GmbH gehört übrigens zur „Leyrer + Graf Baugesellschaft m.b.H.“, die bei diesem als PPP-Modell konzipierten Projekt als Totalunternehmer auftrat. Das 1926 gegründete Unternehmen beschäftigt etwa 1.000 Mitarbeiter und ist mit einem Umsatz von 140 Mio. Euro eines der größten Bau-Unternehmen Niederösterreichs.
Über ein außergewöhnliches Referenz-Objekt freut sich auch Lasurenhersteller Synthesa aus Perg/OÖ. Um die einzigartige Dachkonstruktion zusätzlich zu dramatisieren, haben die Architekten nämlich ganz gezielt mit farbigen Lasuren gearbeitet. Die Dachuntersicht beispielsweise ist in einem warmen Orange gehalten. Es bringt die Sonne in das Bad. In einem spannenden Kontrast dazu stehen die in weiß hervorgehobenen Hauptbinder. Sie unterstreichen die Wellenform des Daches und verleihen dem Bad zusätzlichen Erlebniswert.
Von der Materialseite her erforderten die raumklimatischen Verhältnisse eines Solebades eine auf die Vermeidung von Pilzen und Algen abgestimmte Rezeptur. Deshalb kam „DANSKE Vakumat-Lasur“ von Synthesa zum Einsatz. Sie wurde für die industrielle Applikation bei Großprojekten entwickelt und in diesem Fall genau auf die Farbwünsche der Architekten abgestimmt. Das „Sole-Felsen-Bad Gmünd“ ist seit Dezember geöffnet:
Color 06/07, S. 26

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