19.09.2007
Tradition + Hightech = Erfolg
color: Was könnte sich ausbildungstechnisch in Niederösterreich ändern?
Andreas Friedl: Die Facharbeiterprüfung sollte strenger werden. Wer das erforderliche Prüfungsziel nicht erreichen kann hat in diesem Beruf auch nichts verloren. Damit wird die Prüfung aufgewertet und bekommt wieder eine größere Bedeutung. Außerdem wird dadurch natürlich auch der gesamten Branche ein Gefallen getan, weil die Qualität der zukünftigen Meister steigt.
color: Wie ist die Qualität der Lehrlinge in Niederösterreich?
Andreas Friedl: Wir haben in Niederösterreich ein West - Ost Gefälle, ich glaube allerdings, dass ein Teil des Problems hausgemacht ist. Manchmal ist es so, dass die Betriebe, die sich darüber beschweren, dass sie keine ordentlichen Lehrlinge bekommen dieses Problem schon immer hatten, andererseits gibt es Firmen, die immer schon gute Auszubildende vorweisen konnten. Wenn ich von meiner Firma ausgehe sehe ich das folgendermaßen: Den Großteil meiner 17 Mitarbeiter habe ich selbst ausgebildet. So weiß ich genau, was jeder kann und wer zu meinem Betrieb passt. Deshalb ist es mir auch wichtig die Leute gut auszubilden und zu motivieren. Schließlich kommt das alles auch mir selbst zugute.
Natürlich haben wir auch Lehrlinge gehabt die mit sehr schlechten Schulnoten oder aus Sonderschulen zu uns gekommen sind. Ich stemple diese jungen Menschen aber nicht a priori als dumm ab. Mir ist eher wichtig, dass die Kommunikation passt. Ob jemand aufgeweckt ist, schnell begreift und so weiter - das hat nicht unbedingt mit Schulnoten zu tun...
Mein Fazit: Auch Auszubildende die aus sozial benachteiligten Schichten kommen, können ihren Weg machen. Es geht primär um den Willen des Einzelnen. Wenn jemand wirklich Maler werden will, kann er das unabhängig von seiner Vorgeschichte auch erreichen.
color: Stichwort Stadt-Land Gefälle ?
Andreas Friedl: Gibt es, auf jeden Fall. Ich bin überzeugt, in Großstädten ist es schwieriger, geeignete Lehrlinge zu finden. Natürlich sind auch fehlende Sprachkenntnisse ein Problem, richtige Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Arbeitsverhältnis. Deshalb finde ich es auch sehr wichtig, dass diese Lehrlinge die Chance haben Deutschkurse zu besuchen, denn das macht eine Integration überhaupt erst möglich.
Trotzdem gilt auch hier, wer etwas lernen will, wird es auch unter diesen Umständen schaffen. Und: auch der Betrieb oder Lehrherr ist gefordert die Leute entsprechend zu motivieren und ihnen zu helfen.
color: Wie wird der Lehrling im Betrieb optimal vorbereitet?
Andreas Friedl: Wichtig ist, dass er sozusagen im Betrieb rotiert. Er soll mit verschiedenen Gesellen oder Facharbeitern mitgehen, um von diesen unterschiedliche Arbeitsweisen und auch Aufgaben kennenlernen. Erst wenn er irgendwann alles einmal gemacht hat kann er abschätzen, was einen Malerbetrieb ausmacht und was dort wirklich alles zu tun ist.
color: Sind die jungen Leute handwerklich prinzipiell weniger geschickt als früher?
Andreas Friedl: Ich sehe das als ein Problem des Schulsystems. Basteln oder Handwerken ist in der Schule immer mehr zurück gegangen. In Amerika zum Beispiel läuft das alles ganz anders. Da wird im Werken getöpfert und getischlert, Pläne gezeichnet etc. ,die Kinder werden sehr breit ausgebildet.
Davon würde auch das österreichische Schulsystem profitieren. Dann nämlich könnte auch jemand aus dem Gymnasium darauf kommen, das ihm das körperliche Arbeiten Spaß macht und vielleicht doch ein handwerklicher Beruf für ihn das richtige wäre.
color: Wir haben jetzt sehr viel über Lehrlinge gesprochen, die aus Sonderschulen kommen oder aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse erst integriert werden müssen, ist der Malerberuf nicht attraktiv genug, um auch Auszubildende aus sogenannten höheren Schichten anzusprechen?
Andreas Friedl: Am Image muss man sicherlich noch arbeiten. Das ist auch von Bezirk zu Bezirk verschieden. Hier in Amstetten gibt es die Bildungsmeile, organisiert von der Wirtschaftskammer. Schüler können sich in 3tägigen Schnupperlehrgängen selbst ein Bild von den Abläufen in den verschiedensten Betrieben machen. Dadurch sind die Schüler besser auf das vorbereitet, was auf sie zukommt und wissen auch, ob sie das überhaupt wollen und wir bekommen die besseren Lehrlinge. Der Maler mit Matura ist wahrscheinlich schon schwerer zu finden. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wir einfach zu wenig kommunizieren, dass man als Maler ja auch ganz gut verdienen kann. Man wird ja auch sehr selten als „Herr Malermeister“ angesprochen. Bei einem akademischen Titel wäre das sicher anders. Die fehlende gesellschaftliche Anerkennung ist für viele „Vielleicht – Einsteiger“ ein weiteres Problem.
color: War früher alles besser?
Andreas Friedl: Insgesamt betrachtet sind die Jugendlichen nicht besser oder schlechter als früher. Man muss eben als Betrieb das Beste daraus machen.
Wir haben die Lehrlinge mitten in ihrer Pubertät, die schwierigste Zeit für einen jungen Menschen. Natürlich versuchen sie auszutesten was geht und was nicht. Unserer Aufgabe ist es, ihnen die Grenzen aufzuzeigen. Die meisten Jugendlichen verlangen sogar, dass man ihnen Grenzen zeigt und sind dann, wenn alles klar definiert ist dankbar und zufrieden.
color: Was wäre für den zukünftigen Maler-meister noch wichtig, was wird den Lehrlingen zuwenig beigebracht?
Andreas Friedl: Was mir fehlt sind zum Beispiel die wichtigen Themen Betriebsführung und Datenverarbeitung. Das ist auch ein Generationsproblem. In anderen Ländern bedienen Schüler schon in der Volksschule Computer. Da gibt es in der Lehrlingsausbildung ein großes Defizit, schließlich führt heute am Computer kein Weg mehr vorbei. Das ist sicherlich auch ein Problem für die Lehrer, die große Strecken ihres Unterrichts komplett umstellen müssten. Natürlich ist es wichtig, die Dinge grundsätzlich auch ohne Rechner umsetzen zu können, aber es gibt inzwischen sehr gute Programme für den Maler, die das Arbeiten massiv erleichtern, allerdings nur, wenn er damit auch umgehen kann. Nicht zu verwechseln damit, dass dann jemand, der keine händischen Skizzen machen kann glaubt, er macht das einfach über das Grafikprogramm des Computers. Das wird nämlich mit Sicherheit ein wesentlich unkreativerer Entwurf werden als ein von Hand entworfener. Das Gefühl für die Proportion, die Kreativität muss primär aus einem selbst kommen.
color: Computer oder althergebrachte Methoden?
Andreas Friedl: Man muss beides be-herrschen. Ich brauche ein gewisses traditionelles Grundwissen, um mich auch entsprechend weiterentwickeln zu können, aber ich brauche auch den Computer als Hilfsmittel um zeitgemäß arbeiten und präsentieren zu können.
color: Es erweckt den Anschein als gäbe es gerade in Niederösterreich einen hohen Frauenanteil bei den Malern, trifft das zu?
Andreas Friedl: Wir haben im Vergleich schon viele weibliche Lehrlinge. Ich muss auch sagen, dass Mädchen oft bei der Ausbildung sehr engagiert sind und deswegen sehr oft ihren Meister machen.
color: Ist der Malerberuf eine Frauenbranche?
Andreas Friedl: Die kreative Seite des Malerberufes spricht Mädchen sicher mehr an als Bauspengler oder ähnliches. Deshalb sind wir leichter zugänglich für weibliche Auszubildende.
color: Was ist das Schöne am Beruf?
Andreas Friedl: Ich kann am Ende eines Tages sagen das habe ich gemacht, das kann man sehen und angreifen. Wer nur im Büro sitzt und nichts erschafft hat dieses Erfolgserlebnis natürlich nicht.
aus: Color 09/07, S. 6f.

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