Johanneskapelle und Kreuzgang gehören zu den ehrwürdigsten...
19.03.2008
Der Kreuzgang von Brixen
Sowohl die Bischöfe von Säben, als auch jene von Brixen hatten kaiserliche Immunitätsprivilegien inne, das bereits um 1000 die Grafschaften Eisacktal, Inntal und Pustertal umfasste. Somit war Brixen auch die Hauptstadt eines so genannten Territorialfürstentums, das allerdings große Teile seines Gebietes im 13. Jahrhundert an die Grafen von Tirol verlor. Als geistliches Reichsfürstentum bestand es mit den Stadtgerichten von Brixen, Klausen, Bruneck und einigen Landgerichten bis zur Säkularisierung 1803. Während die Diözese 1818 Fassa-, Gröden- und unteres Eisacktal an Trient abtreten musste, konnten dafür Osttirol von Salzburg, Vorarlberg von Chur sowie Konstanz und Augsburg gewonnen werden.
Für die bei Österreich verbliebenen Gebiete Tirols ist 1925 eine eigene Apostolische Administratur Innsbruck/ Feldkirch eingerichtet worden. So sind die Landesbistümer Vorarlberg und Tirol in Feldkirch bzw. Innsbruck entstanden. Das heutige Gebiet der Diözese Bozen-Südtirol deckt sich mit jenen der Autonomen Provinz.
Geschichtlich und künstlerisch ist der Brixner Dombezirk einer der bedeutendsten Baukomplexe der heutigen Europaregion Nord- und Südtirol, sowie Vorarlberg und Trient. Sämtliche Bauteile der Münsteranlage mit ihren eindrucksvollen Bauwerken und ihrer künstlerischen Ausgestaltung geben Zeugnis von der großartigen Kultur und Geschichte einer nach heutigen Maßstäben gemessenen kleinen Stadt.
Von besonderer Einzigartigkeit sind die gut erhaltenen romanischen Fresken der Johanneskapelle und die eindrucksvollen gotischen Wand- und Gewölbemalereien im Kreuzgang.
Die Innenmaße des Kreuzganges betragen in etwa zwanzig Meter im Quadrat, wobei die Breite der Arkadengänge variiert. Wie viele andere Bauwerke auch, durchlief er mehrere Bauphasen, deren erste, vorromanische stammt aus dem 10. Jahrhundert.
Nach einem Brand im Jahr 1174, der es notwendig machte den Dom neu zu errichten, erfuhr auch der Kreuzgang umfangreiche, dem romanischen Zeitstil entsprechende Veränderungen. Die schlanken Doppelsäulen mit ihren zierlichen Basen und Kapitellen, entstammen dieser Epoche. Ein flaches Pultdach aus Holz bildete nach oben hin den Abschluss.
Mit dem Einzug der Gotik in den südalpinen Raum versah man den sakralen Bau mit Kreuzgewölben, die Fläche schufen für die umfangreichen Malereien.
Die dabei entstandenen Schub- und Druckkräfte werden außenseitig durch die angrenzenden Gebäude aufgefangen und innenseitig durch in die Säulenreihen integrierte Stützen.
Der Kreuzgang ist unterteilt in 20 Arkaden, wobei die Arkaden 16 bis 20 niemals dekorativ bemalt waren und immer als profaner Teil des Kreuzganges galten wo Krämer ihren Geschäften nachgehen konnten. Da der Kreuzgang auch als Begräbnisstätte für den Domklerus diente, erfuhr dieser in späterer Zeit keine gröberen Eingriffe mehr. Diese beschränkten sich in späterer Zeit vor allem auf restauratorische Maßnahmen im 19. und 20. Jahrhundert, die teilweise mehr oder weniger von Erfolg gekrönt waren.
Verschiedene Denkschulen prallten hier regelmäßig aufeinander. Einerseits diejenigen, die ausschließlich konservatorisch und Substanz sichernd eingreifen wollten und andererseits diejenigen, denen die Restaurierung, Ergänzung, Verschönerung und Rekonstruktion ein Anliegen war.
Dies führte zum Teil soweit, dass Kalkfreskoflächen mit Ölfarben (!) ausgebessert worden sind und speziell in der Johanneskapelle freie Flächen von 1900 bis 1902 vom Wiener Maler Theophil Melicher neu gestaltet wurden, die bei nächster sich bietender Gelegenheit wieder übertüncht wurden, um von 1984 bis 1985 wieder freigelegt zu werden.
Vor dem Hintergrund derartiger „Restaurierungs-Schäden“ und denkmalpflegerischer Fehlentscheidungen der Vergangenheit, vergisst man nur zu gerne, dass ohne die Arbeit der kirchlichen wie staatlichen Denkmalpflegeorganisationen sowie der Restauratoren, inzwischen ein Großteil des Bestandes verloren wäre. Neben Beschädigungen durch Brände waren es auch die Bodenfeuchtigkeit mit der damit einhergehenden Versalzung des Mauerwerks sowie Schadgase aus Verbrennungsanlagen (Heizungen) und dem Verkehr wie beispielsweise Schwefeldioxid, die der Kalkoberflächen massiven Schaden zufügten.
In Bezug auf die Reparaturen sind in diesem Zusammenhang die Sicherungsmaßnahmen an den, sich durch hygroskopische Wasseraufnahme und Versalzung nach außen wölbenden, Freskoputzflächen erwähnenswert.
Die erfolgte Sanierung im Sockelbereich schließt eine neuerliche Wasseraufnahme weitestgehend aus. Durch die verringerte Wasseraufnahme ist das Gefährdungspotential der diffusionsreduzierenden Übermalungen soweit eingeschränkt, dass derzeit keine Gefahr für die Wandmalereien besteht.
Von der dritten Arkade, direkt unterhalb der interessanten Darstellung eines Elefanten, gelangt man direkt in die Johanneskapelle, die als Taufkirche Verwendung findet. Der angesprochene Elefant ist deshalb in dieser Form dargestellt, weil zu jener Zeit in Europa das tatsächliche Aussehen dieses Tieres unbekannt war, und das Bildnis nach Erzählungen und Beschreibungen geschaffen werden musste. Eliezer tötet im Kampf den Elefanten, wird aber gleichzeitig von ihm erdrückt.
Auf die Entstehungszeit der Tauf- und Hofkapelle gibt es keinen konkreten Hinweis. Es wird angenommen, dass sie aus der Mitte des 10. Jahrhunderts stammt. Darüber hinaus ist sie historisch bedeutsam, da hier 1080 die Bischofs-Synode stattfand, die Papst Gregor VII. absetzte und Wibert von Ravenna zum Gegenpapst wählte.
Der Innenraum ist im Verhältnis zur Grundfläche sehr hoch und war ursprünglich mit einer tonnenförmigen Holzdecke überdacht.
Das gotische Kreuzrippengewölbe ist auch hier nachträglich eingezogen worden. Im oberen Bereich des Schiffes befinden sich vorwiegend romanische Fresken aus der Zeit um 1220, unter ihnen auch ein Bildprogramm mit der Darstellung der Königin von Saba. An der gegenüberliegenden Wand eine interessante restauratorische Arbeit beidseitig eines konsolidierten Risses.
Auf der rechten Seite die freigelegte und gesicherte Arbeit und links davon die Rekonstruktion. Die Deutung der einzelnen dargestellten Personen in diesem Zyklus ist insofern erschwert, als Spruchbänder und Nimben kaum mehr lesbar sind.
Die Malereien in der Johanneskapelle sind nicht stileinheitlich, da sie von mehreren unterschiedlichen Künstlern verschiedener Stilepochen geschaffen worden sind und fragmentarisch auch den Eindruck erwecken, als ob sie nicht ganz fertig wären, wie beispielsweise die frühgotischen Fresken im Linearstil. Trotzdem erscheint das Gesamtbild stimmig und faszinierend.
Der Kreuzgang ist tagsüber mit Ausnahme der Mittagszeit öffentlich zugänglich und während der Sommermonate finden darüber hinaus auch Führungen statt.
aus: Color 3/08, S.18f.

COLOR
NEWSLETTER
|
BESTELLEN |
RSS-FEEDS
|
Wirtschaftsverlag-News zur Feeds-Übersicht
|
Werbung
B2B-KLEINANZEIGEN
Werbung




Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share
Kommentar schreiben




