08.05.2008
Schwarzarbeit nimmt zu

Noch drastischer sind die Zahlen für den Neubaubereich. Hier sind es nur 18 Prozent, welche die Dienstleistungen von offiziellen, im Firmenregister eingetragenen, BauÂunternehmern in Anspruch nehmen wollen. „Wir wissen, dass viele private Bauherren lieber auf illegale Bauleistungen zurückgreifen. Mit einem derartig hohen Prozentsatz haben wir allerdings nicht gerechnet“, zeigt sich Bundesinnungsmeister Johannes Lahofer von den Ergebnissen der Studie schockiert. Als Grund geben die Befragten zu hohe Baukosten an. „Die Beauftragung eines gewerblichen Bauunternehmens können sich die meisten Bauherren einfach nicht leisten“, lautet die Conclusio der Studienleiterin Ingrid Lusk.
Flucht in die Schattenwirtschaft
Bundesweit wurden rund 800 Personen telefonisch kontaktiert, die in den kommenden drei Jahren den Neu- oder Umbau ihres Ein- oder Zweifamilienhauses planen. Ziel der Umfrage war es, die Investitionsbereitschaft privater Bauherren in Verbindung mit Aufträgen an das offizielle Baugewerbe zu erheben. Nur rund 250 Personen waren bereit sich an der Umfrage zu beteiligen. Knapp 60 Prozent der Befragten planen einen Umbau, 40 Prozent einen Neubau.
Die Hälfte der Neubauten wird in konventioneller Bauweise errichtet, die andere Hälfte der Bauherren setzt auf Fertigbauweisen (29 Prozent Massiv-, 14 Prozent Leichtbau).
Weniger als ein Drittel aller Projekte – sowohl Neu- als auch Umbauten – werden zur Gänze von gewerblichen Bauunternehmern druchgeführt. Mit einem Anteil von zwei Dritteln entscheidet sich die überwiegende Mehrheit für die Schattenwirtschaft bzw. für das Bauen mit Freunden und Familie. Und genau darin ortet Lahofer eine immense Gefahr für die Qualität des Bauens.
Gerade im Bereich des bautechnisch anspruchsvollen nachhaltigen Bauens – wie beim Niedrigenergie oder Passivhaus – sind hochqualifizierte Bauunternehmen gefragt. „Andernfalls sind Bauschäden vorprogrammiert.
Qualitätssicherung legales Bauen
Wie brisant das Thema tatsächlich ist, geht ebenfalls aus der Studie hervor. So sollen etwa zwei Drittel der geplanten Neubauten als Niedrigenergie- oder Passivhaus errichtet werden.
Ein erhöhter Heizwäremebedarf infolge nicht sachgemäßer Ausführung scheint im Vergleich mit Schimmelbildung im Innenraum, Wärmebrücken und Schäden in der Konstruktion, noch vergleichsweise harmlos. CO2-Einsparungen und Klimaschutzziele können auf diese Weise ebenfalls nicht erreicht werden.
Eine Tatsache, derer sich auch die Bauherren bewusst zu sein scheinen. Denn Gewährleistung und Haftung waren mit Abstand, die am häufigsten genannten Gründe mit professionellen Unternehmen zu bauen.
Angesichts dieser Tatsache sieht Manfred Katzenschlager, Bundesinnungs-Geschäftsführer, dringenden Handlungsbedarf gegeben und fordert im Zuge der anstehenden Steuerreform fiskalische Anreize für energiesparendes und ökologisches Bauen. Mit rund acht bis 12 Prozent beziffert Lahofer die Mehrkosten für ökologische, nachhaltige Bauweisen infolge der bautechnisch aufwändigeren Ausführung.
Ohne zusätzliche Fördergelder oder attraktive steuerliche Anreizmodelle befürchtet er, dass die Schattenwirtschaft zusätzlich angeheizt wird: „Wer sich legales Bauen nicht leisten kann, baut schwarz oder gar nicht.“ Beide Varianten sind untragbar. Immerhin stellt das Baugewerbe mit knapp 10.000 Baumeisterbetrieben und rund 250.000 Beschäftigten einen enormen Wirtschaftsfaktor in diesem Land dar.
Die Politik ist gefordert
Im Schnitt wird in Österreich jeder zweite schwarz verdiente Euro auf dem Bau eingenommen. Steuerliche Anreize und zusätzliche Förderungen für ökologische Bauweisen, die Bindung der Wohnbauförderung an Dienstleistungsrechnungen und die Abstellung der Zweckentfremdung von Wohnbaufördergeldern – lautet die Forderung der Bauinnung an die Regierung. „Die Forcierung energieeffizienter Bauweisen und der thermischen Sanierung – wie in Regierungsübereinkommen und Finanzausgleich festgeschrieben – über Steuerminderungen und gezielte Förderungen, ist wesentlich intelligenter, als das selbe Geld über den Ankauf von teuren Klimazertifikaten ins Ausland zu schicken“, übt Lahofer harsche Kritik an der gängigen Praxis des CO2-Handels.
Gleichzeitig betont Katzenschlager, dass steuerliche Begünstigungen oder die Erhöhung von Förderungen für sich alleine gestellt nicht ausreichen werden, um das Problem Schwarzarbeit in den Griff zu bekommen. „Es wird eine Bündelung von Maßnahmen erforderlich sein, um gewerbliche Bauleistungen aufzuwerten und dem Pfusch am Bau den Garaus zu machen.“ Unterstützung erhält er dabei von Lusk.
Laut ihrer Umfrage wären über sechzig Prozent der Umbauer und mehr als 70 Prozent der Neubauer bereit, mehr gewerbliche Bauunternehmen zu beauftragen, wenn sie diese über steuerliche Erleichterungen oder höhere Förderungen auch finanzieren könnten.
Einziger Haken an der Sache: Wirklich interessant wird die Beauftragung von offiziellen Baumeistern oder Bauunternehmen für die Bauherren erst dann, wenn der gewerbliche Bau mit Förderungen nicht teurer – oder noch besser sogar billiger – kommt als mit Pfuschern und Nachbarschaftshilfe. „Im Schnitt gaben die Befragten an, dass die Ersparnis rund 35 Prozent betragen müsste, um die beabsichtigte Bauinvestition zur Gänze legal durchführen zu lassen.
Für immerhin 16 Prozent der Befragten würde auch schon ein Förderungsanteil von bis zu 20 Prozent ausreichen. Das entspricht dem Mehrwertsteuersatz und bekräftigt die – in der Vergangenheit bereits mehrfach vorgebrachte – Forderung nach einem reduzierten MwSt-Satz auf arbeitsintensive Dienstleistungen.
In Kooperation mit dem Bankensektor bemüht sich die Bundesinnung auch um alternative Finanzierungsmodelle, um über Eigenheimcontracting thermische Sanierungsprojekte zu finanzieren.
Tom Cervinka
aus: Color 05/08, S. 12

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