18.06.2008
Bunte Hülle

Entlang der Moosstraße befinden sich die linearen Baukörper, die durch ihre strukturierte Anordnung zur Straße hin offen sind und daher keine optischen Barrieren bilden. Dieser wichtige Aspekt spielte bereits bei der Planung eine große Rolle. So sollte die Wechselwirkung zum Straßenraum und zur umliegenden Siedlungsstruktur gewährleistet werden. Der Neubau ist nicht vom restlichen Areal abgeschnitten und fügt sich optisch in den Gesamteindruck ein. Die verschiedenen Baukörper stehen in unterschiedlicher Distanz zueinander. Dadurch bilden sich Freiräume und Bewegung zwischen den Baukörpern findet statt.
Charakteristische Baukörper
Die Baukörper treten als dreigeschoßige Objekte hervor. In der vierten Ebene werden punktuell Kuben aufgesetzt. Die Objekte entlang der Moosstraße werden in den drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau mit der Mischfarbe Grün gehalten. Innerhalb der Objekte treten diese charakteristischen Gebäudefarben in unterschiedlichen Farbnuancen erneut auf, sodass ein farblich strukturiertes und differenziert belebtes Bild innerhalb der Gebäudefluchten entsteht. Grundsätzlich sind die Gebäude nach Westen hin orientiert. Die der Moosstraße zugewandte Objektseite wurde laubengangartig erschlossen. Dadurch konnte zusätzlich eine lärmabschirmende Wirkung der Wohnbereiche erzielt werden. Ebenfalls auf der Westseite befinden sich die den Wohnungen zugeordneten Loggien. Die Loggien werden durch Rücksprünge in der Gebäudehaut gebildet, wodurch die tiefstehende Sonne in die Gebäude eindringt, die hochstehende Sommersonne wird jedoch abgeschirmt. So ist für angenehme Raumtemperatur und Helligkeit gesorgt.
Zentraler Solitär
Im Inneren des Areals befindet sich ein Solitär. Durch seine erhebliche Größe überragt er die Bestandsbauten sowie die Riegel entlang der Moosstraße. Diese Betonung soll den Baukörper hervortreten lassen und so das Muster der Siedlung erweitern. Durch die Großräumigkeit des Innenhofes wird das Gebäude zu einem Orientierungspunkt in einem freien und unbeschränkten Blick ins Umfeld. Die Erdgeschoßzone wurde bewusst freigelassen und soll so transparent und durchsichtig bleiben. Dadurch soll optisch ein schwebender Baukörper erzeugt werden, dessen luftig wirkendes Erscheinungsbild Platz für die Umgebung lässt. Der gläserne Liftturm ist hier das vertikale Erschließungselement, das sichtbar ist und so zu einem zentralen Blickpunkt im gesamten Gebäude wird. Vorrangig seine außergewöhnliche Dimension und Größe machen den Baukörper so markant. Zusätzlich soll dieser Effekt durch die ruhig gehaltene Putzfassade verstärkt werden.
Die Fassade ist durch punktuell gesetzte Fensteröffnungen geprägt. Nur in der obersten Ebene gestaltet ein durchlaufendes Balkonband mit rundumlaufender Glasbrüstung die Fassade. Eine weitere optische Besonderheit sind die aus dem Baukörper hervortretenden Kuben, die zusätzlich durch ihre markante Farbgestaltung betont werden. Verkleidet wurden die hervorstechenden Kuben mit großflächigen Aluminiumtafeln mit Bedruckung. Durch diese Andersartigkeit soll dem Solitär ein belebtes Aussehen verliehen werden. Als außergewöhnliches und auffallendes Motiv der Bedruckung wurde eine Satellitenaufnahme der Sahara gewählt. Dieses Motiv findet sich als Fassadenverkleidung rückspringender großer Wandflächen beim Solitär wieder.
Energiebewusste Bauweise
Bereits in der Konzeption des Grundrisses wurde auf eine energiebewusste Bauweise geachtet. Der ökologische Aspekt sollte beim Bau eine wesentliche Rolle spielen. Die Öffnungen in Richtung Westen sind im Gegensatz zur gegenüberliegenden Westfassade großzügig gestaltet. Damit soll die logische Ausnutzung der natürlichen Sonneneinstrahlung forciert werden, da so eine Reduktion des notwendigen Energiebedarfs herbeigeführt wird. Ein zentraler Aspekt ist die Energieversorgung. Die Energieversorgung des gesamten Siedlungsgebietes erfolgt über Sonnenkollektoren mit einem angeschlossenen Pufferspeicher. Dadurch wird die gesamte Warmwasserbereitung abgedeckt.
Ein weiterer energietechnisch relevanter Gesichtspunkt liegt in der Bauweise der neuen Objekte. Die besonderen Konstruktionsmerkmale bei diesem Wohnhaus sind die Tragkonstruktion mit Decken und Wänden sowie die Wohnungstrennwände, die in Betonbauweise ausgeführt wurden. Die einstrahlende Sonnenwärme wird an die massiven Betonbauteile abgegeben und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Der Beton speichert diese Wärme, was zu einer zeitverzögerten Abstrahlung führt. Die positive Eigenschaft der Betonwände als Speichermasse in Kombination mit einer Einhüllung des Objektes mit hochwertigen Wärmedämmstoffen stellt ein sinnvolles und ökologisch wertvolles Energiekonzept dar. Eine zentrale Zielsetzung bei diesem Projekt war eine wirtschaftlich vertretbare Bauweise unter dem Aspekt einer raschen Bauabwicklung und der Erfüllung einer modularen Bauweise. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Siedlungserweiterung in Salzburg ein zeitgemäßes Projekt, das ökologische wie ökonomische Herausforderungen gemeistert hat.
Diana Danbauer
aus: Color 06/08, S. 20

COLOR
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