Schwebender Leichtlauf
23.06.2004
Schwebender Leichtlauf

Handwerklich gefertigte Schubkästen und Auszüge stecken voller Raffinessen und Mehrnutzen. Tischler stehen heute in hartem Wettbewerb mit Hochtechnologie-Produkten aus der Möbelindustrie.
Individuelles Eingehen auf Kundenwünsche und Qualität der traditionell und liebevoll gefertigten Produkte im Verbund mit High-Tech-Zulieferprodukten versetzt das Handwerk in die Lage, Eigenprofil zu zeigen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Im nachfolgenden Bericht werden Hintergründe so einer Kompetenzbasis vom Entstehen der Produktidee bis zur Marktreife aufgezeigt.
Sie begeistern immer wieder: Schubkästen, Front- und Innenauszüge sowie Tablare aus Holz sind unverändert Sinnbild guter Handwerksarbeit und meisterlicher Fertigkeiten. Emotionen aber werden ausgelöst, sobald die heute möglichen Funktionen ins Spiel kommen. Durch verdeckten Einbau bleibt die raffinierte Technik für den Benutzer unsichtbar. Erst beim Bedienen erlebt er den tatsächlichen Komfort. Etwa, wenn Tandem von Blum, unter dem Zusatzbegriff 560/566 H Inbegriff für Holzschubkastenausstattung, „inside“ ist, offenbart sich, was Elemente aus der Werkstatt des Tischlers bieten können. Kernstück des millionenfach bewährten Prinzips ist die Führung des Laufwagens auf horizontal und vertikal angeordneten Laufwalzen aus verschleißfreiem Spezialkunststoff. „Zu den Beinahe-Selbstverständlichkeiten wie Vollauszug und Schwebelauf auch unter hoher Belastung“, sagt Walter Amann, Marktverantwortlicher bei Blum, „kommt jetzt mit Blumotion auch die Möglichkeit der ins System integrierten neuen Art der Bewegung, sanft und leise, ins Spiel!“ Das genau sind die Effekte, die stets aufs neue Begeisterung beim Konsumenten auslösen und damit ausgestatteten Tischlerprodukten Alleinstellungsmerkmale und Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Damit nicht genug, weiß Walter Amann viele zusätzliche Vorteile aufzuzählen. Das Produktsystem, erläutert er, sei wie alles bei Blum, ein Ergebnis der Grundhaltung vom „Globalen Kundennutzen“. Dieser lässt sich ganzheitlich auf die Produkt- und Unternehmensleistungen anwenden. Davon profitieren zum einen die Tischler in ihren unterschiedlichen Funktionen, als Möbelhersteller, Monteure oder auch Möbelverkäufer, und zum anderen ihre Kunden als Möbelnutzer. „Tandem“, fügt Walter Amann hinzu, „ist heute dementsprechend als Produktsystem kontinuierlich fortentwickelt und innoviert worden“.
Konsequenz fördert Kompetenz
In der Produktpalette bereits ein Klassiker, ist insbesondere der Rückblick auf die letzten zehn Jahre charakteristisch für den beeindruckenden technischen Fortschritt. 1993 – speziell im Bereich Küche mehrten sich damals die Forderungen nach ergonomisch bewussterer Möbelausstattung – wurde die Baureihe 560 H in Längen von 27 bis 55 cm kompatibel zum Teilauszug nun auch mit Vollauszug eingeführt. Vier Jahre später gab's serienmäßig den Zusatznutzen werkzeugloser Höhenverstellung in der Kupplung, und mit der Dämpfung der Schienübergänge kam eine weitere Verbesserung. 1999 – einer Blum-Initiative zufolge war das Stauraumbewusstsein Branchen übergreifend in Bewegung geraten – begann die Nachfrage nach großvolumigen Auszügen und Schubkästen anzuziehen. Folgerichtig wurde das Angebot der Tandem 566 H um Führungen für 50 kg Belastung in Längen von 45 bis 75 cm erweitert. Im Jahre 2002 folgte mit ORGA-LINE für Holzschubkästen ein Meilenstein für die individuelle, bedarfsorientierte Ausstattung und Innenorganisation, und zum ersten Mal gab es, noch als Zusatzteil für die Laufschienen mit Mitnehmer, Blumotion für das Emotionen auslösende, nahezu lautlose Schließen damit ausgestatteter Auszugselemente. Im Jahr darauf ein weiterer Vorzug: die Möglichkeit werkzeugloser Blendenneigungsverstellung wird jetzt serienmäßiger Standard beim Vollauszug; und auch an Spezialitäten wie das komplette Konstruktionssystem Videoauszug auf Tandem Basis wird gedacht. 2004, wie gerade auf der Fachmesse „Holz-Handwerk“ in Nürnberg zu sehen war, schickt sich Blumotion mit seinem in dieser Form einmaligen Prinzip an, mit dem in die Führung integrierten adaptiven System das Erfolgskapital Tandem Holz zum Vorteil des Handwerks abzurunden. Auf den Punkt gebracht, überzeugen folgende Vorteile:
l verdeckter Einbau für Teil- und Vollauszug
l Schwebelauf auch unter Belastung / Belastungsklassen von 30 bis 50 kg – ein Möbelleben lang
l die Kupplung des Prinzips ermöglicht leichtes Ein- und Aushängen der Elemente
l komfortable werkzeuglose Höhen- und Neigungsverstellmöglichkeiten
l Toleranzausgleich seitlich und in der Tiefe
l vielfältige Einsatzmöglichkeiten dank Nennlängen von 25 bis 75 cm
l durchgängige Kompatibilität der Systeme untereinander
l integrierte Blumatic Selbstschließtechnik
l auf Wunsch für die Vollauszugversionen Blumotion – für sanftes und leises Schließen
l spezielle Verarbeitungshilfen (Werkstattgeräte auch für den mobilen Einsatz) und Planungssoftware Dynalog
Qualität ist kein Zufall
Auch die Frage nach verlässlicher Qualität, ein wichtiges Argument für den bevorzugten Möbelkauf beim Tischler, wird überzeugend beantwortet. „TANDEM für Holz“, gibt sich Emanuel Netzer, für Tandem Holz verantwortlicher Projektleiter in der Entwicklung bei Blum, überzeugt, „funktioniert ein Möbelleben lang!“ Das sind bei täglichem Gebrauch durchschnittlich zwanzig Jahre und mehr. Ein Indiz dafür sind die seit zwei Jahrzehnten in ausgewählten Haushalten regelmäßig durchgeführten Beobachtungen von Schubkästen und Auszügen. Untersucht werden Belastungen, denen diese im Alltagsgebrauch ausgesetzt sind. Dazu kommen die unverzichtbaren Härte- und Dauerprüfungen in den firmeneigenen Testlabors.
In Summe liefern die willkürlich aus der Serienfertigung entnommenen Teile jede Menge aufschlussreiche Ergebnisse für die Forschungsarbeit und Qualitätssicherung.
Damit nicht genug, basiert die Sicherheit der Qualitätsaussage vom ersten Tag der Entwicklung an auf einer Wirkverkettung zahlreicher Forschungs- und Entwicklungsschritte. Dafür werden aus Bereichen wie Entwicklung, Fertigungs- und Qualitätstechnik sowie Marketing Projektteams gebildet und vom verantwortlichen Projektleiter koordiniert.
Jeder Entwicklungsfortschritt wird dazu permanent in Richtung Zielerreichung überprüft.
An Kundenbedürfnissen orientieren...
Am Anfang aller Entwicklungsarbeit steht die Formulierung erkannter Kundenbedürfnisse. Bei Blum ortet die das Marketing und übermittelt sie einem eigens gebildeten Entwicklungsausschuss zur Entscheidung. Fällt diese positiv aus, wird die Entwicklung in Gang gesetzt. In der Umsetzung ist die Entwicklungsarbeit geprägt von intuitiven und methodischen Arbeitsformen. „Simultaneous Engineering“, damit ist paralleles, vernetztes Zusammenwirken aller am Innovationsprozess beteiligten Bereiche gemeint, ist hierbei selbstverständlich. Funktionierende Teamarbeit beschleunigt die Entwicklungszeit. Da nichts dem Zufall überlassen wird, werden denkbare Arbeitstechniken, Konstruktionserwägungen und betriebswirtschaftliche Überlegungen schon frühzeitig mitangedacht. Begleitend werden dazu Fachleute aus Produktion, Montage, Werkzeug- und Sondermaschinenbau befragt.
Viele gute Wege zum Ziel
Die im Prozess eingesetzten Hilfsmittel reichen von (zunächst) einfachsten Handskizzen über erste rechnerunterstützte Konstruktionen (CAD) bis hin zu schon recht komplexen, theoretischen Simulationsmodellen „...so könnte das einmal aussehen!“ Getreu dem Motto vom Bild, das mehr als 1000 Worte sagt, entstehen erste Prototypen, die Verständnis für die angedachten Funktionsweisen wecken sollen. Konsequent angewandte Methoden des „Rapid Prototyping“ unterstützen im Fortgang die schnelle Modellfertigung künftiger Bauteile. Dabei werden CAD Daten direkt auf eine Rapid Prototyping Maschine übertragen. So kann – im Werkstoff und Belastbarkeit nicht verbindlich für die spätere Serie - innerhalb weniger Stunden ein Prototyp als Ansichtsmuster 1:1 aus Spezialkunststoffen gefertigt werden. Längst begleitet hier ein Designteam die Entwicklungsarbeit, folgt doch Form der Funktion, und soll alles, was bereits jetzt auf perfekte Funktion und langes Leben aufwändigst in Richtung Verschleiß, statischer Belastungsgrenzen und Fehlfunktionen getestet wird, später einmal gut aussehen. Mehr noch: auch die ergonomischen Kundenbedürfnisse sind Herausforderung für die GestalterAm Ende zahlreicher „Manntage“ aller am Entwicklungsprozess bis zur Serienreife Beteiligten steht die Verantwortung für den Produktionsstart: Werkzeugbau, Fertigungsanlauf, Verpackung, Logistik, Marketing – alles will sorgfältig bedacht und organisiert sein. Wurde das Produktsystem, wie in unserem Beispiel Tandem Holz, dann erfolgreich am Markt eingeführt, ist die eigentliche Projektarbeit noch nicht beendet. Da ist zum einem der Dialog mit den Anwendern und Verarbeitern vor Ort. Ein langjährig eingespieltes Team erfahrener Blum-Außendienstmitarbeiter besucht seine Handwerkskunden direkt in der Werkstatt; nicht nur, um zu präsentieren und zu verkaufen, sondern rationelle Verarbeitung vorzustellen und Argumente für die Verkaufsförderung an praktischen Beispielen zu liefern. Viele dieser Gespräche führen zur Erkundung neuer Wünsche und weiterer Bedürfnisse. So steht am Ende der Produktentwicklung ein Projektabschlussmeeting für konstruktive Kritik. Fragen wie „was lief gut? oder „was könnten wir das nächste Mal besser machen?“ sind bereits Ansporn für die kommenden Projekte. Und die sind in Vielzahl einmalig. Mit über 1.000 Anmeldungen auf Patente, Gebrauchsmuster und international verbriefte Schutzrechte sowie zahlreichen Design- und Innovationspreisen beweist das Unternehmen: Gutes ist alles andere als Zufall.
Kontakt:
Julius Blum GmbH, Industriestraße 1, 6973 Höchst,
Tel: (0 55 78) 70 50, Fax: (0 55 78) 705 44,
E-Mail: info@blum.com, Internet: www.blum.com

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