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Adieu, Hans Hollein

25.04.2014

„Sie wollen jetzt wissen, ob der alte Mann vor Ihnen gefährlich ist? Ich weiß, dass ich den morgigen Tag erleben oder nicht erleben werde, (…) aber ich kann mir genauso gut eine zehn- oder fünfzehnjährige Zukunft vorstellen. Das zu entscheiden liegt nicht an mir. Aber bin ich deshalb gefährlich?“ Mit diesen ein wenig verärgerten Worten endete das letzte Interview, das Hans Hollein unserer Zeitschrift im Februar 2009 aus Anlass seines 75. Geburtstages gewährt hatte. Der Interviewer seitens des Forum – in diesem Fall Wojciech Czaja – hatte etwas provokant Bernhard Shaw zitiert, der meinte, man solle sich vor alten Männern hüten, da ihnen die Zukunft gleichgültig sei. Ein Prinzip offenbar, das dem großen österreichischen Architekten ganz und gar nicht entsprach, der sich zwar seines fortgeschrittenen Alters bewusst, deshalb noch lange nicht im Abseits sah. Sich deshalb gar seiner ethischen Verantwortung des eigenen Berufs entziehend.

Leider hat uns Hans Hollein am Donnerstag, den 24. April 2014, fünf Jahre nach diesem Interview verlassen. Achtzigjährig, aber noch immer beruflich aktiv. 1934 in Wien geboren, schloss er 1956 an der Akademie der Bildenden Künste sein Studium als Holzmeisterschüler ab, reiste zu Studienzwecken in die USA auf und war in diversen Architekturbüros, sowohl in Amerika als in anderen Ländern tätig. Hollein war von 1976 bis 2002 an der Universität für Angewandte Kunst in Wien als Leiter der Meisterklasse für Design, ab 1979 als Leiter einer Meisterklasse für Architektur tätig, von 1995-1999 ebendort außerdem Dekan für Architektur. 1985 erhielt er mitten in einer weltweiten Karriere als Architekt mit dem Pritzker Preis die höchste internationale Anerkennung im Bereich der Architektur. Nicht zuletzt wurde Hollein selbst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Symbol der österreichischen Architekturschule in der heißen Phase eines „Überdenkens“ der Bewegung der Moderne. Er war 1980 bei der 1. Architekturbiennale in Venedig Schöpfer der „Strada Novissima“ Paolo Portoghesi‘s, gemeinsam mit Rem Koolhaas, Frank O. Gery, Robert Venturi, Arata Isozaki und anderen der wichtigsten internationalen Vertreter der damaligen Postmoderne.

Die Redaktion des Architektur & Bau Forum, gemeinsam mit dem österreichischen Wirtschaftsverlag, spricht der Familie des großen österreichischen und international bedeutenden Architekten ihr aufrichtiges Beileid aus.

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