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[email protected] Wien 2020: Fassade im Fokus

07.10.2020

Am 14. und 15. Oktober wird die [email protected] in der Wiener Stadthalle zum insgesamt dritten Mal in Wien stattfinden. ­Allumspannendes Schwerpunktthema: die „Gebäudehülle“, die auch das begleitende Vortragsprogramm um eine spannende Facette bereichern wird.

von Christine Müller

Kurator ist Volker Dienst, der sich als Architekt seit nunmehr über 20 Jahren die Vermittlung von Architektur und deren Protagonisten zur Aufgabe macht. An unterschiedlichsten Standorten – wie in Flagshipstores langjähriger Partnerunternehmen oder den Räumen eines Architekturbüros, etwa im außergewöhnlichen Ambiente von querkraft architekten – erzählen Architekten von ihrer Arbeit. Dienst gelingt es dabei oft, noch junge, bislang unbekannte österreichische oder internationale Büros nach Wien zu holen und den Blick der stets zahlreichen Zuhörerschaft zu schärfen und für das Neue zu öffnen. Eine wahre Bereicherung für die traditionell doch oft etwas in sich gekehrten Protagonisten der Szene, die über den Umweg der Projektpräsentation letztlich einander im Dialog begegnen. Ein Kleinod der Architekturvermittlung, das ein Zeichen im Sinne der Baukultur zu setzen vermag. Der erfahrene Vermittler Volker Dienst hat nun im Auftrag der [email protected] eine inte­ressante Auswahl an Vortragenden getroffen und holt sieben Personen nach Wien, die hier ihre Projekte und Materialentwicklungen vorstellen.

Wie geht man angesichts des reichen, spannenden Angebots an eine doch einschränkende Auswahl heran?
Die Auswahl ist natürlich eine subjektive Momentaufnahme – gerade zu dem Thema Hülle, Haut, Fassade finden sich so viele spannende Projekte und neue Entwicklungen, dass eine Wahl durchaus schwerfällt. Und es gab dabei auch noch einige Einschränkungen zu beachten – sei es durch das zur Verfügung stehende Budget, sei es durch die Reiseeinschränkungen durch Corona, sei es durch die Terminkoordination. Es ist also letztlich immer auch eine Frage des Glücks, wenn meine Vorstellungen umsetzbar sind. Ich bin sehr froh, dass ich ein so gutes Team an Vortragenden gewinnen konnte und freue mich sehr auf die spannenden und sehr unterschiedlichen Vorträge.

Unter welchen Gesichtspunkten erfolgte die Auswahl?
Die langjährige Beschäftigung mit Baukultur sowie die Bekanntschaft mit vielen der Vortragenden erleichtert es. Mir war wichtig, dem Publikum einen guten Mix anzubieten. Klingende Namen sind ebenso vertreten wie Experiment und Forschung. Auch eine Balance zwischen regionalen und überregionalen Personen ist mir wichtig. Es geht ja beim Austausch innovativer Ideen und Lösungen immer auch um das Überwinden gewisser Grenzen, ob im Kopf oder geografisch. Meine Wahl ist daher eine durchaus sehr persönliche:

Pichler Traupmann hielten 1997 den allerersten Vortrag bei architektur in progress – und überraschen immer wieder, wie sie mit feiner Klinge oft sehr schwierige Aufgabenstellungen unorthodox und dennoch so klar und wohlproportioniert lösen. Immer einem guten Raumfluss verpflichtet und niemals dem Spektakel. Etwa wenn es, wie bei der ÖAMTC-Zentrale in Wien, darum geht, so viele unterschiedliche Funktionen dennoch kompakt unter einer Hülle zu verpacken.

Innovative Materialien und Bearbeitungsmöglichkeiten von Fassaden stellt raumPROBE mit Hannes Bäuerle vor. Die sind wirkliche Experten. Sie beobachten den Markt seit Jahren und können so den Architekten einen hervorragenden Überblick über den Sektor geben und über die unglaublichen Möglichkeiten, sich auch materialtechnisch dem Thema innovative Fassade zu nähern.

Bei A01 Architects steht mit Maria ­Planegger eine erfahrene Kollegin am Rednerpult, deren Partner Andreas Schmitzer sich schon seit Jahren mit unglaublicher Akribie um elegante und sehr hochwertige Lösungen bemüht, ob es um lässige, moderne Villen am Wörthersee oder eine begrünte Fassade des Hochhauses Danube Flats geht, die das Problem der Abwinde bei Hochhäusern löst.

Ebenso fasziniert die Arbeit der Brüder Pedevilla. Ihre Projekte, meist im alpinen Raum, orientieren sich am Standort, an traditionellen Bauweisen und am Handwerk und interpretieren dies neu. Mehrfach ausgezeichnet sind ihre Projekte höchst unterschiedlich und begeistern durch ihren Zugang zur Materialität. Sie gehören zu den Shooting Stars der Südtiroler Architekturszene.

Franz&Sue aus Wien hingegen prägt ein oft sehr pragmatischer Zugang. Mit ihrem eigenen Quartiershaus „Stadtelefant“ haben sie nicht nur ein flexibles Gründerzeithaus 2.0, sondern auch eine Betonfertigteilfassade entwickelt, die trotz höchster Effizienz durch ihre Schlichtheit und Materialität wirkt und dafür den Bauherrnpreis 2019 erhielt. Das rasche Wachstum des Büros fußt unter anderem auf überdurchschnittlich hohen Wettbewerbserfolgen, die effizient umgesetzt werden.

Experimonde ist eine interdisziplinäre Forschungsplattform, die verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie Studierende aus Österreich, Frankreich und der ganzen Welt mit Experten verbindet. Peter Michael ­Schultes zählt zu den erfahrensten Pionieren im Membranbau und berichtet über bewegliche Wärmedämmung und die Idee, die Fassade als eine sich an Umwelt- und Witterungseinflüsse flexibel anpassende Hülle zu gestalten. Und ­Christoph Müller vom Büro „bewegende Architektur“, ein junges und sehr innovatives Team, wird über Projekte berichten, in denen sich Architektur über Steuerungen und Sensoren den Bedürfnissen der Nutzer anpasst. Keine Science-Fiction, sondern gebaute, programmierte Realität.

Snøhetta schließlich braucht man gar nicht erst vorzustellen – das Büro ist eines der weltweit erfolgreichsten mit Sitzen in Oslo, New York, San Francisco, Hong Kong, Adelaide, Paris und Innsbruck. Patrick Lüth wird aktuelle Projekte vorstellen – wie eine begrünte Fassade in Innsbruck, das nördlichste Plusenergiehaus Europas in Trondheim oder den Erweiterungsbau des SFMOMA in San Francisco.

Moderiert werden die Vorträge von Lisa ­Pavschitz (world-architects) und von Volker Dienst (architektur in progress).

Nähere Details unter  http://www.architectatwork.at

 

Autor/in:
Christine Müller
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