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Ein Blick in den Gang des Bildungszentrums Donawitz, errichtet 1927.

Auslastung: Nicht genügend!

19.02.2015

Unter dem Titel „Auslastung: Nicht genügend! Schulen und ihre ungenutzten ­räumlichen Potenziale“ fand am 15. und 16. Jänner in Leoben die vierte ­Leerstandskonferenz statt.

In vielfältigen Vorträgen, Präsentationen und Diskussionen wurde dabei ein breiter Bogen gespannt und das Thema aus raum- und verkehrsplanerischer, demografischer, soziologischer sowie architektonischer und pädagogischer Sicht ausgeleuchtet sowie zahlreiche Best-Practice-Beispiele vorgestellt. 

Leerstand versus Nutzung

Ein Ausgangspunkt war das Schrumpfen von Gemeinden, womit mangels Auslastung häufig auch das Schließen von Schulen verbunden ist – eine Entwicklung, die weitgehend kritisch gesehen wurde, weil damit oftmals „Identität und Leben“ verloren gehen und temporärer Leer­stand auch Chancen bietet: „Aus Mangel kann Fülle werden“, wie es Markus Schatzmann in seinem Einführungsvortrag formulierte.
Ein weiterer Ausgangspunkt waren unterschiedliche Möglichkeiten für sowohl räumliche als auch zeitliche Verdichtungen in der Nutzung von bestehenden sowie beim Bau neuer Schulen: Lediglich etwa 25 Prozent der Zeit werden Schulen genutzt, und auch da verteilen sich Nutzung und Leerstand etwa 50:50 zwischen Klassen und weiteren Flächen wie Gängen, Pausen- und Sonderunterrichtsräumen. Neue pädagogische Modelle mit differenziertem Unterricht brauchen jedoch ganz andere räumliche und organisatorische Strukturen und bieten damit vielfältige Möglichkeiten. Auch in Hinblick auf die wechselseitige Durchdringung von Schule und Umgebung – eine breite Palette dazu zeigte der Pädagoge Otto Seydel in seinem Vortrag auf. 

Mut zu neuen Lösungen

Besonders intensiv und aus unterschiedlichsten Perspektiven wurde Feldkirchen in Ober­österreich beleuchtet: Sowohl die neue Schule von fasch&fuchs.architekten begeisterte alle Anwesenden mit ihrer transparenten und flexiblen Gestaltung als auch die Bauphase des Schulbaus, als zwei Jahre lang „Schule ohne Schule“ stattfand. Die Volksschulklassen waren in dieser Zeit auf unterschiedliche Räume im Ort verteilt: vom Gemeindesitzungssaal über Räumlichkeiten der Pfarre bis zu einem leerstehenden Elektrofachgeschäft. Die Kinder waren damit in der Öffentlichkeit präsent, und die Begegnungen ergaben neue Kontakte und brachten auch den Pädagogen viel Aufmerksamkeit und Anerkennung. Dass diese Lösung nur durch viel Engagement aller Beteiligten möglich wurde, zeigte einmal mehr, dass es auf Menschen und ihren Mut zu neuen Lösungen ankommt. Diese Aufbruchsstimmung durchzog die Veranstaltung, die mit ihrer angeregten und positiven Atmosphäre für alle Teilnehmenden eine Inspiration war. Und für jene, die nicht dabei sein konnten, gibt es demnächst eine Dokumentation und weitere Infos unter www.leerstandskonferenz.at.

Autor/in:
Barbara Feller
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