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Boris Becker, VG Bild-Kunst, 2019Boris Becker, VG Bild-Kunst, Bonn, 2019Boris Becker, VG Bild-Kunst, Bonn, 2019Boris Becker; VG Bild-Kunst, Bonn, 2019Boris Becker; VG Bild-Kunst, Bonn, 2019

Ausstellung: Boris Beckers Hochbunker

09.08.2019

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln zeigt von 5. September 2019 bis 9. Februar 2020 Photographien von Architekturen und Artefakten des Fotografen Boris Becker und ermöglicht einen Blick auf die unzerstörbaren Relikte des Zweiten Weltkriegs.

Die von Boris Becker (Jg. 1961) zwischen 1984 und 1990 erarbeitete Reihe der „Hochbunker“ wird in einer Werkschau ausführlich vorgestellt. Becker hat hierfür sein Archiv der Bunker-Aufnahmen gesichtet und aus gegenwärtiger Perspektive reflektiert. Entstanden sind die Photographien in über 45 deutschen Städten. Becker hat sich dabei überwiegend auf ab 1940 errichtete Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg konzentriert, die dem Zivilschutz vorbehalten waren. Im Zuge seiner photographischen Recherchen stieß er nicht nur auf eine erstaunlich hohe Anzahl dieser Bauwerke, sondern auch auf ganze Reihe bemerkenswerter Bauweisen. 

Die Funktion verschleiern
Speziell Luftschutzbunker waren darauf angelegt, ihre Funktion zu verschleiern. Man bediente sich architektonischer Tarnungen und gab den Gebäuden etwa das Aussehen eines Wohnhauses, einer Kirche oder einer Festung. Für Becker stellte sich die Frage, wie sehr visuelle Wahrnehmung vom subjektiven Standpunkt und äußeren Einflüssen geleitet wird. Wie kongruent ist das Erscheinungsbild eines Objektes mit seiner „Natur“ und wie kann dieser geheimnisvollen Interferenz zwischen Wirklichkeit(sbild) und Rezeptionsmöglichkeit begegnet werden? Diese kursierend reflexive Betrachtungsweise ist für den Fotokünstler ein zentraler künstlerischer Parameter, dem er anhand unterschiedlicher Motivkreise in seinem Werk nachgegangen ist. Die Ausstellung kommt dem nach und bezieht etwa jüngere farbige Großformate mit ein, die sich dem Sujet formal und assoziativ anschließen, und das Interesse des Künstlers an Geschichtsthemen und manifesten Bauformen unterstreichen. 

Im städtischen Umfeld betrachtet
Die Aufnahmen der Hochbunker führen in das düstere Kapitel des Zweiten Weltkriegs; ebenso wie in die Zeit der 1980er-Jahre, denn Becker berücksichtigt auch die neuen Nutzungen der Bunker-Bauten der Nachkriegszeit. Er betrachtet die Bauten in ihrem meist städtischen Umfeld, interessiert sich für angrenzende Häuser, Straßenzüge, parkende Autos oder angebrachte Plakatierungen. Besondere Relevanz für Boris Beckers Arbeit der Serie Hochbunker hat das Schaffen von Bernd und Hilla Becher. 1984 hatte Becker sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Bernd Becher aufgenommen. Erste Aufnahmen von Bunkern waren zu dieser Zeit bereits entstanden. Der junge Photograph suchte nach Systematisierungskriterien und der Möglichkeit, eine entsprechend umfangreichere substanzielle Werkgruppe zu erarbeiten. Im Werk der Bechers, das sich der systematischen visuellen Erschließung von Industrie- und Funktionsbauten widmete, erkannte Becker eine stringent umgesetzte künstlerische und photographische Methode, die für ihn zum instruktiv anregenden Modell wurde: Diese zeichnet sich durch eine möglichst neutrale, detailgenaue und authentische Darstellung der Motive aus, sowie durch die Gestaltung künstlerisch und historisch bedeutender Bildreihen archivarischen Charakters.

von 5. September 2019 bis 9. Februar 2020
SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn
www.photographie-sk-kultur.de

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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