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Iris Dullin-GrundFrau ArchitektFrau Architekt

Ausstellung: „Frau Architekt“

06.08.2020

Ab dem 12. August 2020 wird im Haus der Architekten im Zollhof Düsseldorf die Wander-Ausstellung „Frau Architekt“ gezeigt.

Seit mehr als 100 Jahren sind Frauen im Architektenberuf tätig. Trotzdem sind Architektinnen nur selten wirklich sichtbar. Das möchte die Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf“ ändern.

Gefangen im Patriarchat
„Es braucht immer noch sehr viel Selbstvertrauen, um seinen Weg als Frau in der Architektur zu machen“, sagt die bekannte englische Architektin Alison Brooks. „Wir wachsen mit Helden und Göttern auf, die allesamt männlich sind.“ Genau an diesem Punkt setzt das Museum der Baukultur mit der Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf” an: Sie präsentiert berufliche Werdegänge sowie vorbildliche Bauten von Architektinnen, zeigt damit Vorbilder, ermöglicht Identifikation und macht Mut, den Beruf zu ergreifen, denn zu selten sind die Architektinnen hinter ihren Werken sichtbar. 

Positionen aus Nordrhein-Westfalen
Die Ausstellung in Düsseldorf besteht aus zwei Bereichen. Bereits 2017 konzipierte das DAM in Frankfurt diese Ausstellung, aus der umfangreichen Präsentation zeigt das Museum der Baukultur neun historische Architektinnen, deren Werdegänge und Tätigkeitsfelder charakteristisch sind für die Zeit vom späten Kaiserreich bis in die 1960er und -70er Jahre. Ein zweiter, vom Museum der Baukultur neu kuratierter und gestalteter Ausstellungsteil beschäftigt sich mit der aktuellen Situation von Architektinnen aus NRW. 21 Architektinnen veranschaulichen an jeweils einem Projekt ihre Arbeit und ihre architektonische Haltung. Die Projekte stammen aus den Bereichen Hochbau, Stadtplanung, Landschafts- und Innenraumgestaltung sowie Bauforschung.

Mittlerweile sind Frauen, anders noch als ihre Kolleginnen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in allen Bereichen und Typologien der Architektur tätig. „Seit vielen Jahren studieren mehr junge Frauen als Männer in Deutschland Architektur“, stellt Ernst Uhing, der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, fest. „Wir freuen uns, dass die Ausstellung die Leistungen von aktiven Kolleginnen exemplarisch spiegelt.“

Im Schatten der Männer
Innovative Ideen trotz massiver Widerstände: So war die Lage vor mehr als hundert Jahren als Frauen erstmals an Technischen Hochschulen in Deutschland zunächst nur als Gasthörerinnen zugelassen und später zu diplomierten Architektinnen ausgebildet wurden. Die Architektinnen leisteten, wenn auch oftmals auf Wohnungsbau und Inneneinrichtung beschränkt, maßgebliche Beiträge zur Entwicklung der Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg drängten Frauen in alle Bereiche der Baukunst, ihre bis heute wichtigen Arbeiten bleiben aber allzu oft unsichtbar. Heute stehen Architektinnen in ihrem beruflichen Alltag in der öffentlichen Wahrnehmung meist weiterhin im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Obwohl die Mehrzahl der Hochschulabsolventen im Fachbereich Architektur Frauen sind, stellen diese nur 31 Prozent des aktiven Berufstands dar. Auch erreichen heute mehr Architektinnen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, Baudezernentinnen und Hochschullehrerinnen – an dem ungleichen Geschlechterverhältnis ändern solche Karrieren bislang jedoch wenig.

Wohin mit den Frauen?
Die Ausstellung zeigt, dass es Frauen nach wie vor nur schwer möglich ist, eine leitende Position innerhalb der Baubranche einzunehmen. Dem reflektierten Besucher wird aber klar, dass die wahren Ursachen für die ungleiche Stellung von Architektinnen in erster Linie in den fehlgeleiten Strukturen unserer Gesellschaft begründet liegen, welche weit über die Grenzen der Baubranche hinaus reichen. Nichts desto trotz bietet die Ausstellung eine wertvolle Möglichkeit, sich einen umfassenden Überblick über bekannte und unbekannte Pionierinnen der Architektur zu verschaffen.

12. August bis zum 2. Oktober 2020
Haus der Architekten in Düsseldorf.
Kaistraße 17, D-40221 Düsseldorf

I: www.aknw.de

Autor/in:
Yoko Rödel
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