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Ausstellung: "Learning from Bauhaus"

13.12.2019

Die am 13. November in Bad Münder eröffnete Sonderausstellung der Büroherstellers Wilkhahn zeigt Transformationen wesentlicher Ideen und Impulse aus dem Bauhaus über die Zusammenarbeit mit der HfG Ulm ins Heute und Morgen.

Die Ausstellung zeigt in „Paar-Bildungen“ Möbel der Nachkriegsmoderne mit aktuellen Entwürfen und veranschaulicht, wie neue Materialien und Verarbeitungsweisen zu neuen Ausdruckformen führen. Das im Jahr 1907 gegründete Unternehmen hatte sich direkt nach dem zweiten Weltkrieg der Weiterentwicklung der Gestaltungsideen der Moderne verschrieben, die durch den Deutschen Werkbund und das Bauhaus geprägt waren: Mit dem Bauhaus-Schüler Herbert Hirche wurden nicht nur zahlreiche Möbelentwürfe sondern auch das Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude realisiert. In enger Zusammenarbeit mit der deutschen „Nachfolgeschule“, der Hochschule für Gestaltung in Ulm (1953 -1968), entstanden bei Wilkhahn die Grundlagen für die ganzheitliche Weiterentwicklung des Unternehmens, die frühzeitig auch die ökologische Verantwortung einschloss: von der Produktgestaltung über das Corporate Design bis zur Campus-Bebauung mit Frei Otto und Thomas Herzog.

Die Zukunft im Fokus
Der zukunftsorientierten Ausrichtung des Bauhaus folgend geht es bei allen Wilkhahn-Beiträgen zum Jubiläumsjahr vor allem um die Frage, ob und – wenn ja – welche Bedeutung der damalige Aufbruch der Moderne für das Morgen haben kann. So stand das hochkarätig besetzte Bauhaus-Symposium bei Wilkhahn am 24. Juni unter der Überschrift „Bauhaus – Lehren für eine digitalisierte Welt?“. Auch die Unterstützung und Einrichtung des „Wachsenden Hauses“ im UNESCO Welterbe „Laubenganghäuser“ in Dessau-Törten, das vom ehemaligen Direktor der Bauhaus-Stiftung Philipp Oswalt mit Studierenden der Universität Kassel umgesetzt wurde, verweist auf die Zukunftspotenziale im Erbe der Moderne.  

Neun Paare und ein zukunftsweisender Solitär
Wie bei Wilkhahn die Transformation der Moderne in die Zukunft erfolgt, zeigen insgesamt neun „Paarungen“, in denen historische Meilensteine den zeitgenössischen Äquivalenten gegenübergestellt werden. Entwürfe von Herbert Hirche, Roland Rainer, Walter Papst, Georg Leowald, Delta-Design, Nick Roericht und Klaus Franck treffen hier auf aktuelle Wilkhahn-Produkte von RSW, Wolfgang C.R. Mezger, Jehs & Laub, Phoenix Design, Andreas Störiko, Thorsten Franck, White ID und der Wilkhahn-Designabteilung: abstrakt gestaltete Sitzobjekte für Haltungswechsel und Bewegungsförderung, vielseitige Kombinationen aus Kunststoffschalen mit unterschiedlichen Stuhlgestellen, A-Stapler und Kufenstühle, Chefsessel und synchron bewegliche Bürostühle. Die Paarbildungen zeigen wie hier einerseits neue Materialien und neue Fertigungstechnologien zu neuen Funktions- und Ausdrucksformen führen – und dass andererseits die damals entwickelten Prinzipien und Typologien noch heute hochaktuell sind. Besonders spannend ist die Präsentation der Herstellung des PrintStool One (Design Thorsten Franck), eines im 3-D-Druckverfahren hergestellten Hockers, im Kontext der ursprünglichen Bauhaus-Ideen: Industrie und Handwerk, Theorie und Praxis, Design und Build, Kunde und Hersteller können in den zukunftsweisenden digitalen Produktionsverfahren wieder ganz nah zusammenfinden.

Studentenwettbewerb „ZEIT.BEZÜGE“
Neben der Ausstellung werden außerdem die Ergebnisse des studentischen Ideenwettbewerbs im Textilen Atelier der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur an der TH Ostwestfalen-Lippe präsentiert. Der doppeldeutige Titel thematisiert ebenfalls die Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wilkhahn hatte den Wettbewerb gemeinsam mit seinem Vertriebspartner designfunktion ausgelobt. Neun Studierende setzten sich mit der Lehre am Bauhaus auseinander, um vor dem Hintergrund heutiger Herausforderungen und Fragestellungen neue Ideen für Bezüge des Freischwingers Metrik (Design WhiteID) zu entwickeln. Schließlich gilt die Stuhltypologie „Freischwinger“ als beispielgebende Erfindung und Entwicklung am Bauhaus, die durch den Einsatz von Stahlrohr erstmalig minimierten Materialeinsatz mit hohem Komfort und kostengünstigen Möglichkeiten der Serienproduktion verbunden hatte. Am 8. Juli wurden die Ergebnisse in Form von Skizzenbüchern, Materialkollagen und Konzeptbeschreibungen durch eine fachkundige Jury gesichtet und bewertet. Durchweg alle Entwürfe thematisierten die Nachhaltigkeit der eingesetzten Materialien, sei es als Natur-Materialien oder als kreatives Recycling, und stellten den individuellen Bezug zum Nutzer und Kunden in den Mittelpunkt.

Chefredakteurin Susanne Tamborini-Liebenberg von der Zeitschrift MD, Architektin und Innenarchitektin Prof. Ulrike Kerber von der TH OWL, Mitarbeiter des Designbüros WhiteID, Designdirektor Hannes Neubert von der Webmanufaktur Gebrüder Munzert und Michael Englisch, Leiter Design und Entwicklung bei Wilkhahn, vergaben den ersten Preis einstimmig an Swenja Fleur Fabian für ihren Entwurf „serape“: Er verbindet die Freischwinger-Idee Marcel Breuers vom Sitzen auf einer „Luftsäule“ mit einem „fliegenden Teppich“ als Sitzfläche und einem hussenartigen Überwurf der Rücken- und Seitenlehnen. Der Name des Entwurfs ist Programm: Denn ähnlich der multifunktionalen Decke aus Mexiko kann der legere Bezug bei kühleren Temperaturen als Poncho genutzt werden, während er im Sommer griffgünstige Taschen für persönliche Utensilien bietet, die gerne dicht am Körper verstaut werden, wie etwa ein Mobiltelefon. Der Entwurf der Siegerin wurde vom Wilkhan-Designmanagement zu produktionsreifen Prototypen weiterentwickelt, werden im Rahmen der Ausstellung präsentiert und können in den nächsten Monaten als limitierte Sonderedition zum Bauhaus-Jubiläumsjahr exklusiv über den Kooperationspartner designfunktion erworben werden.

Der zweite Preis ging an Ann-Kristin Fischer für ihren Entwurf „crudo“, bei dem die regionale Gewinnung natürlicher Wolle und ihre traditionelle Verarbeitung mit der Hightech-Fertigung des Metrik-Freischwingers kontrastiert wird und zudem Möglichkeiten bestehen, je nach Witterung kühlende oder wärmende Elemente in den Bezug zu integrieren.

Beim dritten Preis für den Entwurf „Take a seat“ von Rika Schuhen würdigte die Jury die mehrschichtigen, konzeptionellen Ableitungen aus der Bauhaus-Lehre zur Architektur und zur Verbindung von Industrie und Handwerk. Als Vorlage für den innovativen Sitzbezug dienten hier frei angeordnete und miteinander vernähte Teebeutel, die zu einer völlig neuartigen Anmutung der Sitzfläche führen.

Bis 27. März 2020
Fritz-Hahne-Straße 8
31848 Bad Münder

Anmeldungen zur Ausstellung erfolgen unter:
gisela.hahne@wilkhahn.de

Weitere Informationen:
www.wilkhahn.com

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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