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Lucilla Loiotile/Courtesy Fondazione FendiVladimir TerebeninDea Taglioni Lucilla Loiotile/Courtesy Fondazione FendiLucilla Loiotile/Courtesy Fondazione FendiLucilla Loiotile/Courtesy Fondazione FendiLucilla Loiotile/Courtesy Fondazione FendiLucilla Loiotile/Courtesy Fondazione Fendi

Ausstellung: Michelangelo zu Gast

08.03.2019

Begegnung mit einer “Persönlichkeit”, die aus der Kälte kommt nach Rom zur Fondazione Fendi, in den in kürzlich von Jean Nouvel restauriertem und revitalisierten Baukomplex namens Palazzo “Rhinoceros”.

von Franco Veremondi

Ein besonderer Gast heisst die Besucher des “Palazzo Rhinoceros” von Alda Fendi willkommen. Der Jüngling ist aus dem staatlichen Museum der Ermitage St. Petersburg eingelangt, für einen eher kurzen Aufenthalt und ist bis zum 10. März dort ausgestellt.

Um wen es sich handelt? Um einen von niemand geringerem als Michelangelo Buonarotti (1475-1564) aus Marmor gefertigten Jüngling. Überflüssig zu sagen, dass jedes von diesem Künstler erschaffene Objekt als kostbares Meisterwerk gilt, und nur wenige seiner Werke werden ausserhalb Italiens aufbewahrt.

Ein Meisterwerk
Der Fondazione kommt also der große Verdienst zu, diese Skulptur als Leihgabe einer so berühmten Institution erhalten zu haben. Der “kauernde Jüngling”erscheint eine  unvollendete Arbeit zu sein, so meint man. Aber man muss die Skulptur so verstehen, wie sie sich präsentiert. Stellen wir uns einen Marmorwürfel mit zirka 60 Zentimetern Seitenlänge vor, von dem Michelangelo gerade so viel Material entfernt hat, um diesem die skizzenhafte Form eines kauernden nachdenklichen Jünglings zu verleihen. Dieser gehört zu den sogenannten  unfertigen Arbeiten des großen Meisters, zu Skulpturen, die fast abstrakt wirken im Vergleich zu anderen seiner perfekt gefertigten Marmorwerken, wie die Pietà im Petersdom  oder der Moses in der Kirche von San Pietro in Vincoli in Rom.
Dennoch gelingt es diesem Unvollendeten  eine besondere künstlerische Kraft auszudrücken, sodass das Objekt, perfekt in seiner Imperfektion, der Strahlkraft seinen übrigen Werke ebenbürtig ist, .Es gelingt diesen Formen des michelangiolesken Un-Vollendeten uns zu vielen konzeptuellen Betrachtungen zu verführen.

Der Rahmen
Um der Plastizität der Skulptur entsprechenden Ausdruck zu verleihen, wurde die Beleuchtung des Werks Vittorio Storaro, dem dreimaligen Oscarpreisträger für die Fotografie übertragen, unter Beteiligung der Architektin Francesca Storaro. Die Ausstellung des “kauernden Jünglings” kuratiert von Sergej Androsov wird von einigen Architekturzeichnungen Michelangelos begleitet, die nicht wirklich auf das Thema Bezug zu nehmen scheinen und dennoch ins Auge stechen. Sie fallen nicht zuletzt durch die ikonografischen Sujets, die Bildbeschreibungen und handschriftlichen Anmerkungen Michelangelos auf, die durch ihre Präzision und kalligrafische Genauigkeit verblüffen und faszinieren. In Wahrheit könnte sich die Entscheidung, diese Zeichnungen auszustellen auf den historischen Komplex beziehen, der in einigen Bereichen etwa durch Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs baufällig geworden war. Jean Nouvel hat die Restaurierung und die Zusammenlegung dreier barockerWohnbauten zur neuen Nutzung in der zentralen archäologischen Zone der römischen Antike namens Velabro geplant. Die gesamte Struktur mit 3.500 Quadratmetern liegt in unmittelbarer Nähe der “Bocca della Verità”, einer antiken Marmormaske an der Aussenmauer einer frühchristlichen Basilika, deren Fundamente bis in das 8. Jahrhundert zurückreichen. Der gesamte Komplex erstreckt sich rund um zwei Innenhöfe und umfasst Ausstellungsräume, Theatersäle und Künstlerwohnungen. Im letzten der fünf Geschoße befindet siche ein von Terrassen umgebenes Café mit eindrucksvollem Rundumblick und Sicht auf die benachbarten archäologischen Zonen.

Der kauernde Jüngling (Adolescente) von Michelangelo
Bis 10. März 2019
Palazzo Rhinoceros, Fondazione Alda Fendi – Experimente, Via dei Cerchi 21, I-Rom
I: www.fondazionealdafendi-esperimenti.it

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