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Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020

19.11.2020

Seit 1996 zeichnet das Land Tirol gemeinsam mit der Kammer der ZiviltechnikerInnen | Arch+Ing Tirol und Vorarlberg, Sektion ArchitektInnen, der ZV – Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs, Landesverband Tirol und aut. architektur und tirol alle zwei Jahre vorbildliche Bauten in Tirol aus.

Aus den diesjährigen 75 Projekten, die zur „Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020“ eingereicht wurden, hat die Jury – Anne-Julchen Bernhardt (RWTH Aachen), Peter Haimerl (Architekt, Stadtplaner, München) und Marta Schreieck (Henke Schreieck Architekten, Wien) – eine engere Auswahl an Bauwerken besichtigt und sich für 18 Nominierungen entschieden. Es wurden letztlich drei Auszeichnungen und sechs Anerkennungen für Bauten vergeben, die dem Kriterium einer besonders vorbildlichen Auseinandersetzung mit den architektonischen Herausforderungen unserer Zeit sowohl in ästhetischer wie auch in innovatorischer Hinsicht entsprechen. Außerdem hat die Jury in diesem Jahr vier lobende Erwähnungen ausgesprochen.

Aufgrund der diesjährigen Ausnahmesituation konnte die Preisverleihung am 11. November nur im digitalen Raum stattfinden. Die Ausstellung „Neues Bauen in Tirol 2020“ mit allen eingereichten Projekten wird voraussichtlich ab Dezember im aut zu sehen sein.

Die Preisträger 2020 lauten wie folgt:

Die Auszeichnungen 

  • Schulcampus Neustift im Stubaital, 2016 – 2019
    Architektur: fasch&fuchs.architekten
    Tragwerksplanung: Werkraum Ingenieure

Auszug aus dem Jurytext von Marta Schreieck: „Fünf Institutionen sollten auf 12.000 m2 Fläche und auf dem ebenso großen Hanggrundstück am Rande des Ortsteiles Kampl untergebracht werden. Alle Versuche mit Einzelbaukörpern zu operieren waren unbefriedigend, nur dem Entwurf von fasch& fuchs.architekten ist es gelungen, das umfangreiche Raumprogramm wie selbstverständlich in die Landschaft zu integrieren. Genial die Idee, einen großen Teil des Volumens zwischen einem zweigeschoßigen, straßenbegleitenden Baukörper und dem turmartigen Internat am unteren Ende des Grundstückes wie einen grünen Teppich über den Hang zu legen. Dass die Gemeinde Neustift bereit war, ein derart radikales Raumkonzept mitzutragen und konsequent bis ins letzte Detail umzusetzen, war visionär und mutig. Das Ergebnis gibt ihnen Recht. Eine Schule als Bühne des Lebens, erlebnisreich, gemeinschaftsbildend, kommunikativ, offen, transparent, naturnahe und vor allem von allen geliebt.“

  • Swarovski Manufaktur, Wattens, 2015 – 2018
     Architektur: Snøhetta Studio Innsbruck
     Tragwerksplanung: Baumann + Obholzer

Auszug aus dem Jurytext von Peter Haimerl: „Die Swarovski Manufaktur in Wattens beauftragte das Architekturbüro Snøhetta, ein „Kristall-Atelier“ des 21. Jahrhunderts zu entwerfen. Eine Aufgabe, die wie geschaffen dafür ist, prototypische Arbeits- und Kreativräume für die Zukunft zu gestalten. Entstanden ist ein Raum, in dem gemeinsam und auf Augenhöhe innovative Wege beschritten werden und Visionen entstehen können. Die Manufaktur ermöglicht Begegnungen zwischen Kunden mit Mitarbeitern des Unternehmens und für die rasche Umsetzung der daraus resultierenden Ideen: Repräsentationsräume, Büros, Begegnungszonen, Nischen für Werkbänke und Roboter, die im rapid-prototyping-Verfahren 1 : 1-Modelle produzieren, sind nebeneinander in einer großen Halle situiert.“

  • Sanierung Schule Kettenbrücke, Innsbruck, 2016 – 2019
    Architektur: Studio Lois
    Tragwerksplanung: Alfred R. Brunnsteiner

Auszug aus dem Jurytext von Anne-Julchen Bernhardt: „Die Schule ist Teil eines Bildungsquartiers, das die Architektin über Jahre entwickelt hat. Alle Umbauten besitzen einen eigenen Charakter und sind aus dem Bestand heraus entwickelt. Die jüngste Überarbeitung ist sowohl radikal als auch sensibel. Um das aus den 1970er-Jahren stammende Bestandsgebäude sind alle störenden Elemente entfernt und durch einen einheitlichen Außenraum ersetzt worden. Hier gibt es nun Platz, an dem man sich aufhalten kann. Eine Polycarbonatfassade umfängt den massiven Baukörper und schafft ein lichtes Gebäude als Kopf des Ensembles. Zwischen die Polycarbonatfelder fügen sich große Fenster ein, die Licht in den Schulbau lassen. Der Raum der Schule ist aus dem Schnitt entwickelt, und es gelingt den Architekten mühelos, die verschiedenen Bestandsbauten mit unterschiedlichen Niveaus sowohl innen wie außen lustvoll miteinander zu verknüpfen.“

Anerkennungen 

  • Martinsbrücke bei Zirl – Geh- und Radwegbrücke über den Inn, Zirl, 2015 – 2019
    Architektur: Hans Peter Gruber
    Tragwerksplanung: Thomas Sigl
     
  • Falginjochbahn, Kaunertal, 2019
     Architektur: Baumschlager Hutter Partners
     
  • Schulzentrum Hall in Tirol, 2016 – 2019
    Architektur: fasch&fuchs.architekten
    Tragwerksplanung: Werkraum Ingenieure
     
  • Haus für psychosoziale Begleitung und Wohnen, Innsbruck, 2012 – 2018
    Architektur: Fügenschuh Hrdlovics Architekten
     
  • Tourismus Information für Innsbruck und seine Feriendörfer, Innsbruck, 2016 – 2018
    Architektur: Betina Hanel, Manfred Sandner
     
  • Naturparkhaus, Längenfeld, 2017 – 2019
    Architektur: Hanno Schlögl

Lobende Erwähnungen 

  • Dorfzentrum Patsch, 2015 – 2018
    Architektur: Todorka Iliova (ILIOVAarchitektur), Raimund Wulz (Architekturhalle Telfs)
     
  • OFFICE.P, Fulpmes, 2015 – 2020
    Architektur: Robert Pfurtscheller (Madritsch Pfurtscheller)
     
  • P2 Urbaner Hybrid | Stadtbibliothek, Innsbruck, 2012 – 2018
    Architektur: LAAC
     
  • Umbau eines Bergbauernhofes, Kirchbichl, 2015 – 2018
    Architektur: b.eder architekten

Ausschreibung – Qualifikation

Zur „Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020“ konnten in Nord- und Osttirol ausgeführte von Architekten bzw. Ingenieuren geplante Bauwerke eingereicht werden, unter der Voraussetzung, dass die Fertigstellung zwischen 2018 und 2020 erfolgte und die im Bauwerk angelegte Auseinandersetzung mit den Problemen unserer Zeit in ästhetischer wie innovatorischer Hinsicht als besonders vorbildlich zu bezeichnen ist.

Da der Begriff „Neues Bauen“ möglichst umfassend aufgefasst werden soll, beziehen sich die Auszeichnungen neben dem Fachgebiet Architektur auch auf Leistungen des Bauingenieurwesens. Arbeiten können von jeder Person (Architekt, Bauingenieur, Baumeister, Bauherr, Bauträger etc.) eingereicht werden, insgesamt waren es diesmal insgesamt 75 Projekte.

Auszug aus dem Vorwort der Jury

„Tirol ist heutzutage viel: Natur- und Kulturlandschaft, Sportarena, Gewerbegebiet und auch Einfamilienhausgegend. Tirol ist der Prototyp einer urbanen Landschaft. Und wie es sich für jede Metropole gehört, ist in Tirol in den letzten Jahren eine Reihe von herausragenden Architekturen entstanden. Und doch geht es jetzt darum, in die zweite Phase einzusteigen: Neben den kulturellen Highlights gilt es nun, in die Breite zu agieren. Viele der eingereichten Arbeiten beschäftigen sich daher mit Themen der sekundären Kulturmerkmale. Sehr wichtig, wenn es darum geht, dass ein Land langfristig Identifikation und Perspektiven finden soll.

Nach wie vor spielt die Erschließung der Naturlandschaft eine Rolle. So wurden Liftanlagen und Berghütten entweder im Rückgriff auf ortsgebundene Materialien oder traditionelles Handwerk neu interpretiert oder Orte durch starke Objekte neu gedeutet. Was sich dabei zeigt ist, dass auch kleine Interventionen, seien es Um- und Ausbauten von Gebäuden statt deren Abriss oder sensible Umgestaltung von Plätzen oder Innenräumen, den Geist eines Ortes mehr bereichern können als Neubauten.

Überraschend und sehr erfreulich für die Jury war, dass innovative Räume für Bildung, Kommunikation und neue Arbeitswelten entdeckt werden konnten. So sind die Schulen, ob Umbau oder Neubau, mit ihren völlig neuartigen durchlässigen Raumkonzepten und Freibereichen charakterisiert durch ihr komplexes Verschränken mit der Umgebung.

Konsequent realisiert, sind diese Gebäude Vorreiter nicht nur für neue Bildungswelten, sondern auch für neue Raumwelten, die so noch nicht gedacht werden konnten, weil entsprechende Überlegungen bisher gefehlt haben. Diese neuen Raumwelten fanden wir auch bei Produktions- und Arbeitsstätten hiesiger Betriebe.“

Zur „Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020“ ist wie in den Vorjahren eine Broschüre erschienen, in der die ausgezeichneten Bauten umfassend vorgestellt und von der Jury kommentiert werden. Diese Publikation kann im aut kostenlos bezogen werden

http://www.aut.cc

 

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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