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Adolf BereuterAndreas BuchbergerBruno KlomfarMarkus BstielerHerbert SchratteneckerDavid Schreyer

Bauherrenpreis 2019

12.11.2019

Die Zentralvereinigung der Architektinnen und Architekten Österreichs zeichnete am 08. November 2019 im Rahmen einer feierlichen Abendveranstaltung im ArchitekturHaus Kärnten die diesjährigen Gewinner des ZV-Bauherrenpreises aus.

Der Preis wird jährlich seit 1967 vergeben und honoriert Persönlichkeiten oder Personenkreise, die sich als Bauherr, Auftraggeber oder Mentor in besonderer Weise für die Baukultur in Österreich verdient gemacht haben. Dabei steht die architektonische Gestaltung sowie der innovatorische Charakter im Vordergrund. Die Bauten sollen einen positiven Beitrag zur Verbesserung des Lebensumfeldes leisten. Es werden beispielhafte Projekte gesucht, bei denen die intensive Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Architekten zu außergewöhnlichen Lösungen geführt hat. Ausgezeichnet werden herausragende Bauten, Freiraumgestaltungen sowie städtebauliche Lösungen, die in den vergangen drei Jahren entstanden sind.

Um die Einreichungen und deren Genese beurteilen zu können, werden alljährlich alle Projekte im jeweiligen Bundesland von einer Nominierungsjury besichtigt. Je Bundesland werden bis zu drei Projekte nominiert, welche im Rahmen einer österreichweiten Reise durch die Hauptjuroren nochmals besucht werden, um die Preisträger zu ermitteln. Dabei werden immer herausragende Projekte der letzten drei Jahre prämiert, welche sich durch eine besondere Zusammenarbeit von Bauherren und Architekten auszeichnen.

Aus insgesamt 132 Einreichungen wurden zuvor 24 Projekte nominiert. Daraus ermittelte die Hauptjury, bestehend aus Andreas Cukrowicz (Architekt, Bregenz), Donatella Fioretti (Architektin, Berlin) und Albert Kirchengast (Architekturpublizist, Wien), die sechs Preisträger des ZV-Bauherrenpreises 2019.

Alle eingereichten Projekte werden von 11. bis 29. November 2019 im Rahmen einer Ausstellung im ArchitekturHaus Kärnten zu sehen sein. Ebenso werden die Preisträger und Nominierten in der Reihe „Architektur im Ringturm“ am Schottenring 30, 1010 Wien ab 4. Dezember 2019 präsentiert.

Die diesjährigen Preisträger:

Vorarlberg: Schule Schendlingen Wuhrwaldstraße 26, 6900 Bregenz
Bauherrin: Landeshauptstadt Bregenz, Abteilung Planung und Bau/Bernhard Fink
Architektur: studio bär, Bregenz; bernd riegger architekten, Dornbirn; Querformat, Dornbirn
Tragwerksplanung: Manfred Plankel, Bregenz Fertigstellung: 8/2017

Ein Gebäude, das durch die Durchdringung der Bauaufgabe auf struktureller wie formaler Ebene vollends überzeugt. Auch hier herrscht Kostendruck – wie so oft gibt es viele, die mitreden wollen. An der Spitze aber steht ein Pädagoge, der weiß, was er will. Die Klarheit seiner Vorstellungen spiegelt sich im Gebäude wider: Flexibilität, Mehrfachnutzung, Clusterbildung – das Anforderungsbündel übersetzt das Architekten-Team in eine umso gelassenere, aber strenge Struktur, mit der es als Sieger aus dem zweitstufigen EU-weiten Wettbewerb hervorging. Visuelle Hierarchien gibt es keine. Diese Niederschwelligkeit ist Programm: Zum Direktor gelangt man nicht übers Vorzimmer, Sekretariat gibt es keines, das Lehrerzimmer ist ein Klassenraum und die Sonderunterrichtsräume wirken stets aufgeräumt. Der Stil: Eine Art neuer Brutalismus, in die tektonische Lehre gegangen; Beton, Glas und Holz, von der Decke abgehängt Akustikpanele aus Filz. Denn alles ist auf den Punkt gebracht, durch das helle und schön gemaserte, sägeraue Eschenholz und die satten Betonflächen (zweischaliger Sichtbeton) aber nicht spröde, sondern direkt, ungeschminkt. So kann man den Grundriss wie ein Diagramm studieren – ohne dass man sich in einem solchen befindet.

Wien: Stadtelefant Bloch-Bauer-Promenade 23, 1100 Wien
Bauherrschaft: Bloch-Bauer-Promenade 23 Real GmbH/ Harald Höller, Christoph Leitner
Architektur: Franz & Sue, Wien
Tragwerksplanung: Petz ZT-GmbH, Wien
Fertigstellung: 12/2018

Im Sonnwendviertel entsteht ein so genanntes „Quartiershaus“, das sich durch Zurückhaltung abhebt. Aus den Synergien dreier Architekturbüros, die mit Gleichgesinnten eine Errichtungsgesellschaft gründen und gemeinsam als Baugruppe auftreten, entsteht ein robustes achtgeschossige Haus, in dem man arbeitet und wohnt. Dabei macht man sich die zentralen Themen des Gründerzeithauses von 1900 zu eigen, erkennt jene Qualitäten, die man in der Innenstadt zurückgelassen hat, um in der gebauten Realität der Gegenwart heimisch zu werden. Das geschieht tatsächlich ein bisschen wie bei Otto Wagner, wo der Architekt gleichzeitig Bauherr ist. So entsteht ein Haus, auf seine „Kernform“ reduziert, mit einem effizientem Sandwichsystem aus dem Industriebau mit nachbearbeiteten Betonoberflächen, nüchtern zusammenfügt mit breiten, dunklen Silikonfugen - Wie die Haut eines Elefanten. Präzise Planung gegen Kostendruck, dezidierte Materialwahl, kluge Grundsatzentscheidungen, Haustechnik mit Hausverstand (Lüften-Können, Strahlungswärme), die Hinnahme eines Geschossverlusts zugunsten guter Raumhöhen, die mit Aufenthaltsqualität gleichzusetzen sind … Daraus entsteht ein Manifest in schriller Umgebung. Es ist eine gelungene Aufforderung aus dem Kern der Disziplin, sich nicht bevormunden zu lassen, sondern durch Gestaltung Politik zu betreiben: gegen Konkurrenz, für Teilhabe.

Wien: Universität für angewandte Kunst Wien Oskar-Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien
Bauherrschaft: BIG Bundesimmobiliengesellschaft, Unternehmensbereich Universitäten/Wolfgang Gleissner, Hans Peter Weiss, Andreas Stampfer
Architektur: Riepl Kaufmann Bammer Architektur, Wien
Tragwerksplanung: PCD ZT-GmbH, Wien; Conzett Bronzini Partner, Chur
Fertigstellung: 9/2018

Die Qualität dieses Projekts liegt in der einfühlsamen Neuorganisation eines Baus von Karl Schwanzer. Vor allem aber auch in der Umwandlung eines Gründerzeitgebäudes, dem zwei Quertrakte im Hof entnommen wurden. Das solcherart hervorgebrachte Atrium des Zollamtsgebäudes wird das universitäre Zusammenleben bereichern und beeindruckt seine Besucher ob seiner kraftstrotzenden Wirkung. Besonders herausfordernd war, dass darunter ein U-Bahn-Schacht verläuft, daher beeindruckt hier vor allem die konstruktiv-architektonische Leistung. In Zusammenarbeit mit einem bekannten Schweizer Ingenieur ist ein kleines tektonisches Meisterwerk aus nobel gegossenem Sichtbeton entstanden. Das erhabene wie elementare Alphabet aus Balken und Stütze, über mehrere Geschosse sich nach oben hin verjüngend, umgrenzt das neue Forum (inklusive Audimax) der Angewandten und schafft einen großzügigen, identitätsstiftenden Treffpunkt inmitten Wiens. Die Fassaden waren Tabu, im Inneren aber moduliert man die von  unlieben Schichten überfrachteten Räume, gestaltet eingestellte Meisterklassen, Werkstätten und Büros durch ein simples, nie banales System schwarzer Metall-Einbauten, das sich gut in die rationale Grundstruktur einfügt.

Burgenland: Streckhof mit Schnapsbrennerei Hauptstraße 43, 7372 Weingraben
Bauherrschaft: Elisabeth und Claus Schneider
Architektur: Juri Troy Architects, Wien
Fertigstellung: 8/2018

Der burgenländische Hakenhof ist ein organisches Gebilde. Dort und da wachsen ihm Quertrakte, die den Straßenraum fassen oder das „Hintaus“. In Weingraben, beim großelterlichen Hof, fand man eine besondere Situation vor: Beim Nachbarn liegt die hintere Scheune verdoppelt da. Von dieser Konstellation ließ man sich beim eigenen Wochenenddomizil inspirieren, das als zweigeschossige Neuninterpretation dieses Typus gelingt. Vieles an diesem Projekt ist mustergültig – mitunter, dass der oft fatale Wunsch des Städters, auf dem Land Ruhe zu finden, ein „Häusl mit Ausblick“ zu errichten, diesmal mehr als gut ausgeht. Die Hausherrin war sensibilisiert für das Alte, stammt aus dem Dorf, ihr Mann bringt aus Vorarlberg den Architekten mit. Die angrenzende Scheune verhalf dabei zur zündenden Idee: einem Weiterbauen ohne Anbiederung. Ziegelwand, Ausfachung, Ziegelwand – dieser karge, doch poetische Rhythmus wird übernommen und setzt sich in der Organisation des neuen Grundrisses fort: Raum, Treppe, Raum, ein Dreitakter zwischen halbmeterdicken Mauerklammern, die umlaufend Stauraum bieten und Loggien als dienstbare Pufferräume ausbilden. In diesen Mauerzug wurde eine Massivholzstruktur eingesetzt. Entstanden ist ein strenges und ebenso sympathisches, beidseitig durchlässiges Wohnhaus mit optimiertem Zuschnitt für eine junge Familie.

Oberösterreich: Wagyu-Stall am Hausruck Aigen 9, 4902 Atzbach
Bauherrschaft: Hubert und Diana Huemer
Architektur: Atelier Herbert Schrattenecker, Wien
Tragwerksplanung: DI Weilhartner ZT GmbH, Ried im Innkreis Fertigstellung: 2018

Der zeitgenössische Bauer: Landschaftspfleger, Tierpfleger – mit Sinn fürs gute Produkt, auf der Suche nach Kunden mit Geschmack. Hier aber ist es eine ganze Bauernfamilie und eine Bäuerin, die nach dem Architekten ruft, sich nicht auf den Rat der Kammer und die Industrie-Ästhetik verlässt. Zunächst waren viele gewichtige Entscheidungen über die Zukunft der siebenköpfigen Familie mit Nebenerwerbsbetrieb zu treffen. Wie so oft, fällt der Name des Architekten in Gesprächen mit Freunden. Der Wunsch an ihn: viel Holz und Komfort für die Tiere! Und so entstand ein pagodenartige Stall, welcher gut und (bislang noch) luftig neben dem alten Hof steht. Die Familie half mit, ihn zu errichten und steht nun stolz davor. Nicht industriell – klein geschnitten, verleimt – sondern bis zu neun Meter lang sind die am Fußpunkt eingespannten Stützen des Stalles, verbunden durch die lokale Zimmermannskultur. Hochgehoben sind die Diagonalaussteifungen, wie bei einem Schirm schwebt das Dach über dem geräumigen, luftigen Stall. Der Architekt hat vor langer Zeit türkische Holzstrukturen studiert. Sein ansprechendes Tragwerk spiegelt das Selbstverständnis der Familie: Grenzen kennen, an Grenzen gehen – zur Verbesserung der Dinge.

Vorarlberg: Haus obd’r Lech Oberlech 56, 6764 Lech
Bauherrschaft: Clemens Schmölz
Architektur: Hein Architekten / Matthias Hein, Bregenz Gernot Thurnher, Feldkirch
Tragwerksplanung: Andreas Gaisberger, Dornbirn Fertigstellung: 1/2018

Aus der ehemaligen Almhütte wurde ein Luxusobjekt, in welchem drei Paare mitsamt Weinsortiment und Koch (Einliegerwohnung) mietbaren Raum finden. Der Zimmermann riet schon zum Abriss, als das Interesse des Eigentümers nach dem Bauforscher rief, der eines der ältesten Häuser weit und breit entdeckte – ein Walserhaus aus dem 14. Jahrhundert mit seltener Bohlen-Balkendecke. So wurde, was von der Strickstruktur zu retten war, gerettet. Ostseitig entstand ein Zubau in Holzmassivbauweise. Die ursprüngliche Kubatur sollte wiederhergestellt werden, obschon die Bauordnung nur zehn Prozent Zugewinn erlaubte. Das gelingt durch Neuinterpretation des „Schopfs“ – luftige Loggien, in den Baukörper eingeschnittene Zellen von überraschender innenräumlicher Wirkung. Durch den Wechsel von der Vertikal- zur Stülpschalung blieb der neu-alte Anbau ablesbar. In ihn sind größere Fensteröffnungen mit Schiebeläden eingelassen, während thermisch ertüchtigte, zweiflügelige Fenster mit Balken für die Gesamterscheinung bestimmend bleiben. Im Inneren wird das gelungene Zusammenspiel noch deutlicher: Die Räume vermitteln Gemütlichkeit– ein mächtiger Kamin zieht sich im Mittelflur nach oben in den zentralen Aufenthaltsraum. Luxus wird dabei auf ganz eigene Weise artikuliert, weiß sich zurückzuhalten, unterliegt dem Respekt gegenüber Geschichte und Kontext.

Weitere Informationen zum Bauherrenpreis sind auf der Website der ZV zu finden: www.zv-architekten.at

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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