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Buchtipp: Balkrishna Doshi – Writings on Architecture

13.11.2019

Überraschend für die Fachwelt gewann der 92-jährige Balkrishna Doshi im letzten Jahr den renommierten Pritzker-Architekturpreis. Neben seiner – von der westlichen Welt bisher viel zu wenig beachteten – seit sechs Jahrzehnten visionären Architekturpraxis sind nun Doshis zahlreiche Essays, Studien und Zeichnungen eine weitere Entdeckung.

Balkrishna Doshi: Writing on Architecture & Identity
Hrg.: Vera Simone Bader, Verlag ArchiTangle GmbH, Berlin 2019
Texte: Balkrishna Doshi, Einleitung & Interview: Vera Simone Bader
Art Direktor: Julia Wagner, grafikanstalt
224 Seiten, 64 Abbildungen, Hardcover
Englische Ausgabe
ISBN 978-3-96680-001-3

Der indische Architekt Balkrishna Doshi hat seit den 1950er Jahren mehr als 100 Gebäude realisiert, darunter vor allem Verwaltungs- und Kultureinrichtungen wie Hochschulgebäude und Kunsträume, aber auch ganze Siedlungen, Wohnhäuser und Musterprojekte, die mit ihrem partizipativen Ansatz an den Bewohnern ausgerichtet war, lange bevor dieser Begriff Mode wurde.

Einblick in die Entwicklung von Doshis außergewöhnlicher Herangehensweise, die schon in frühen Jahren von heute aktuellen (westlichen) Debatten global relevanter Themen wie Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Förderung von Kommunikation, Individualisierung durch Modulsysteme, kulturelle Verortung, Auswirkungen von Immigration und Verlust der Gemeinschaft in den Städten geprägt war, gibt der soeben erschienene Band mit den von Vera Simone Bader kuratierten Schriften und Zeichnungen von Doshi.

„Balkrishna Doshi – Writings on Architecture & Identity“ versammelt die wichtigsten Veröffentlichungen des ehemaligen Schülers und Mitarbeiters von Le Corbusier. Neben richtungsweisenden Essays wie „Regionality“ (1960), „Architecture and Attitudes“(1979) oder „Growth, Change and Development in Urban Centres“ (1996) enthält das Buch eine Einführung sowie ein aktuelles Interview von Vera Simone Bader, der Kuratorin am Architekturmuseum der TU in München, mit dem charismatischen Architekten aus dem Jahr 2019.

"For me, writing helps immensely to understand the way
space, form and structure manifest themselves.
When I write, I begin to feel the dialogue,
the movement and the kinds of stories they may have."

Balkrishna Doshi

Seit den 1950er Jahren verfasste Doshi bis zu 12 Tagebücher pro Jahr. In seinem Haus befinden sich heute über 500 von ihm handgeschriebene Bücher – gefüllt mit Ideen zu Architektur und Städteplanung, zur Philosophie, aber auch zum Verhältnis von Tradition und Moderne. Allein die Tagebücher zeugen von der enormen Bedeutung, die Schreiben und Zeichnen in senem Werk einnehmen. Und es wird anschaulich, dass der Städteplaner neben der Architektur vor allem am Leben selbst und dessen vielschichtigen Formen und Ausprägungen interessiert ist. Mit seiner Idee einer ganzheitlichen Architektur, der Vision von Einfachheit, Adaptierbarkeit, Partizipation, Kooperation, Humanität, Stabilität und Sicherheit war und ist Doshi seiner Zeit weit voraus.

Zahlreiche von Doshis Schriften wurden in internationalen Fachmagazinen veröffentlicht. Er hat Vorträge auf Konferenzen in Japan, den USA, Iran, Ägypten, der Schweiz, Frankreich, Finnland und Indien gehalten. Der nun erschienene Band ist reich illustriert und enthält ausserdem einige bisher unveröffentlichte Aufsätze von Balkrishna Doshi.

Balkrishna Doshi lässt den Leser seiner Aufzeichnungen am eigentlichen Prozess der Gestaltung teilhaben. Er stellt Fragen, verwirft Ideen, wägt Lösungen ab und lässt sich somit bei seinem kreativen Schaffensweg, bei seinen Gedankengängen über die Schulter schauen. So ist dieses Buch nicht nur für Architekturliebhaber eine interessante Lektüre, sondern bietet Kreativen und Gestaltern nachhaltige Inspiration.

TIPP
Bis 19. Jänner zeigt das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne mit der Ausstellung „Architektur für den Menschen“ einen Einblick in das Werk von Balkrishna Doshi. http://www.architekturmuseum.de

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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