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Buchtipp: Bernhard Denkinger - Die vergessenen Alternativen

09.06.2020

In seinem Band widmet sich Bernhard Denkinger den theoretischen Grundlagen des "New Brutalism" sowie deren Einfluss auf Kunst, Kultur und die Geschichte.

von Gabriele Kaiser

Bernhard Denkinger: Die vergessenen ­Alternativen.
Strukturalismus und ­brutalistische Erfahrung in der Architektur.

Jovis Verlag, Berlin 2019, 288 Seiten
ISBN 978-3-86859-551-2

Noch ehe die brutalistische Architektur in schillernden Bildbänden ihre globale Neudeutung erfuhr, begann sich Architekt Bernhard Denkinger – angestoßen durch die Lektüre einer Aufsatzsammlung von Max Risselada – für die theoretischen Grundlagen des „New Brutalism“ und dessen Protagonisten Peter und Alison Smithson zu interessieren. In einem ihrer Schlüsselwerke, der Schule in Hunstanton (1949–1954), war es abseits von Stilfragen um Themen wie Lesbarkeit der Konstruktion und ungeschönte Materialverwendung („as found“) gegangen, man wollte „die Holzigkeit des Holzes, die Sandigkeit des Sandes“ ergründen und in einer radikalen Akzeptanz des Alltäglichen mit der als lähmend empfundenen Wohlfühlarchitektur des New Humanism brechen. Zugleich habe die Bewegung, so Denkinger, an Fragen angeknüpft, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der bildenden Kunst gestellt worden waren. In eingehenden theoretischen Analysen, aber auch in Ausdeutungen ausgewählter Bauwerke verknüpft der Autor überzeugend die frühen Konzepte der Brutalisten mit den späteren Realisierungen der Strukturalisten. Es ist ein Verdienst dieses Buches, die „brutalistische Erfahrung“ nicht nur aus einer geschichtlichen Perspektive, sondern als konzeptuelle Ressource zu betrachten. Und so lassen sich im Schlusskapitel auch jene Spuren nachzeichnen, die strukturalistische Themen in der zeitgenössischen Architektur hinterlassen haben. 

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