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Buchtipp: Strategie der Überwindung

28.10.2020

Die Linzer Brückenkopfgebäude haben eine bewegte Geschichte hinter sich, die zuletzt in eine umfangreiche Sanierung und Erweiterung mündete.

Die Strategie der Überwindung

Georg Schöllhammer (Hg.)
Strategie der Überwidung
160 Seiten mit farbigen und SW-Abbildungen
Park Books Zürich, 2020
ISBN 978-3-03860-187-6

Um die mögliche Nutzung und Gestaltung der im Nationalsozialismus errichteten Gebäude am Donauufer waren immer wieder teils hitzige Diskussionen entbrannt. Gemeinsam mit der Bundesimmobiliengesellschaft als Eigentümer und Bauherr und dem Architekten Adolf Krischanitz wurde, unterstützt von Stadt und Land, schließlich eine Lösung gefunden, die Raum für moderne Nutzung bei gleichzeitig kritischer Erinnerung lässt. 

Im jetzt erschienenen Band kommen Akteure der Kunstuni und aus ihrem Umfeld zu Wort – in eigenen Texten und in Gesprächen mit Herausgeber Georg Schöllhammer. Bildstrecken, die den Bau in der Historie und seiner jetzigen Form sowie seine Stellung im Stadtraum dokumentieren, ergänzen das Buch. Ein Insert stellt das Kunst & Bau“-Projekt der „Big Art“ vor, das den Brückenkopf in seiner neuen Funktion signalhaft für den Außenraum markiert: Den Transzendenzaufzug der deutschen Künstlerin Karin Sander, beschrieben von Schriftstellerin Eva Menasse. 

Modellhaftes Bauvorhaben
„Dieses Buch ist einem in vielerlei Hinsicht modellhaften Bauvorhaben gewidmet: der Um- und Neugestaltung der Brückenkopfgebäude in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz zu einem Standort der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung“, berichten Krischanitz und Schöllhammer. „In diesem Bauvorhaben spiegelt sich eine Reihe von zentralen rezenten Fragen im Hinblick auf die gestalterischen und politischen Möglichkeiten von Planung wider – Fragen, die für die Stadt und die Gesellschaft der Zukunft relevant sind.“ 

„Es ist unsere Pflicht und Verantwortung, uns immer wieder aufs Neue aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Deshalb hat Oberösterreich auch wie kaum ein anderes Land die schrecklichen Taten des NS-Regimes aufgearbeitet, damit auch kommende Generationen immer wieder daran erinnert werden und Lehren daraus ziehen“, betont Landeshauptmann Thomas Stelzer. Dieses Buch ist ein Akt der Aufarbeitung und kritischen Auseinandersetzung. „Aber auch eine kreative und kulturelle Brücke in Richtung Zukunft, in der Verbindendes und Gemeinsames für das Kunst- und Kulturland und für Oberösterreich als Ganzes entstehen kann.“

„Die umfassend renovierten Brückenkopfgebäude stellen ein städtebauliches Statement in der Innenstadt dar – sie sind ein exzellent gelungenes Beispiel für den Umgang mit historisch belasteten Objekten. Aus dem Symbol des NS-Repressionsapparates wurde ein Symbol einer offenen Ermöglichungs-Gesellschaft“, so Bürgermeister Klaus Luger. „Die Aufbereitung und die Darstellung der einzelnen Phasen im neu verfassten Werk von Architekt Adolf Krischanitz dokumentieren anschaulich diese besondere Aufgabenstellung. Forschende, Lehrende und Studierende finden nunmehr moderne, kreativitätsfördernde Räume vor.“

Gelungene Transformation
„Die Brückenkopfgebäude sind ganz besondere Liegenschaften im Portfolio der Bundesimmobiliengesellschaft. Zum einen aufgrund ihrer zentralen Lage am Linzer Hauptplatz, zum anderen aufgrund ihrer einzigartigen, wenn auch dunklen Geschichte. Sie zeigen aber auch, wie die Transformation historischer Objekte hin zu modernen Universitätsstandorten erfolgen kann“, sagt Hans-Peter Weiss, CEO der BIG. „Ich freue mich, dass die Geschichte und die Transformation der Brückenkopfgebäude nun in einer Publikation zusammengefasst und veröffentlicht worden ist.“ 

„In den 1980er Jahren begann Linz als erste größere Stadt in Österreich, sich der NS-Vergangenheit zu stellen“, erklärt der frühere Kunstuni-Rektor Reinhard Kannonier. „Das war der Startpunkt einer bis heute andauernden wissenschaftlichen Aufarbeitung, die für das gesamte akademische Milieu prägend war und ist.“ Kannonier verweist darauf, dass eine Hauptmotivation für die neue Nutzung der Brückenkopfgebäude „neben einer Entkontaminierung die Frage war, ob man einen Nazibau eventuell sogar „drehen‘ kann“.

Wagnisreiches Haus
„Das Buch ist ein wichtiger Teil der von der Kunstuniversität stark forcierten geschichtlichen Aufarbeitung. Wir bauen dabei vor allem auf institutsübergreifende Initiativen, künstlerische und gestalterische Interventionen sowie Forschungsprojekte“, so Rektorin Brigitte Hütter. „Die Kunstuni ist ein Das Haus des Wagnisreichtums, der kritischen Auseinandersetzung und des Experimentierens. Wir lehren an diskursiven, durchlässigen und sichtbaren Orten und setzen uns darin mit den vieldimensionalen Herausforderungen von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Globalisierung auseinander.“

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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