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Christoph Luchsinger (1954-2019)

08.11.2019

Trauer und Bestürzung über den plötzlichen Tod von Univ. Prof.i.R. Dipl.-Arch. Christoph Luchsinger, der kurz nach seiner Pensionierung als Professor der TU Wien, am 6. November verstorben ist.

Ein Nachruf von Markus Tomaselli und Dekan Rudolf Scheuvens (Fakultät für Architektur und Raumplanung)

In Christoph Luchsinger (1954–2019) vereinten sich auf einzigartige Weise architektonisches Schaffen und städtebauliches Denken, eingebettet in einen kulturell weltoffenen und visionären Horizont. Er war uns als ein analytisch scharfer, kritischer und eigenständiger Kollege freundschaftlich verbunden. Wir verlieren mit ihm einen unserer profiliertesten und engagiertesten Kollegen, der mit seiner Bescheidenheit und seinem Humor immer in unserer Erinnerung bleiben wird.

Nach seinem Studium an der ETH Zürich war Christoph Luchsinger als Redakteur der Fachzeitschrift Werk, Bauen + Wohnen, als Dozent an der ZHAW in Winterthur sowie in seinem Architekturbüro in Luzern mit seinem Büropartner Max Bosshard tätig. Sie gehörten zu den ersten, die im deutschsprachigen Raum das Phänomen der Ausdehnung der Siedlungsgebiete in die Landschaft thematisierten. 2009 wurde Christoph Luchsinger als Professor für Städtebau und Entwerfen an die Technische Universität Wien berufen und gründete mit seiner Übersiedlung auch eine Niederlassung seines Architekturbüros in Wien.
Christoph Luchsinger hat sich in den zehn Jahren seiner Tätigkeit in Wien in die Gestaltung der von ihm geliebten Stadt ebenso intensiv eingebracht wie in die Gestaltung der Lehre und Forschung an der TU Wien. Er leitete viele Jahre das Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen und konnte ein umfassendes internationales akademisches Netzwerk mit Schwerpunkt auf Süd- und Osteuropa aufbauen, er gestaltete das Hochhauskonzept der Stadt Wien, wirkte am Stadtentwicklungsplan 2025 mit und war viele Jahre im Bauausschuss der Stadt Zürich tätig.

Christoph Luchsinger wurde jäh aus der forschungsgeleiteten Lehre gerissen, in der er mit Studierenden an Fragen zum Stadtentwicklungsplan 2035 arbeiten wollte. Christoph Luchsinger war Vorsitzender der Camillo-Sitte-Gesellschaft, Träger des Silbernen Ehrenzeichens der Stadt Wien und Prof.hc. an der National University of Kharkiv.

Er beherrschte die hohe Kunst der Lösungsorientierung. Mal war es die leise Sprache, zurückhaltend, sensibel und vermittelnd. Mal auch der direkte Ton, fordernd und klar in der Ansage. Er brachte sich in die Gremienarbeit an der Fakultät ein und wirkte maßgeblich an deren Weiterentwicklung mit: als Vorsitzender der Studienkommission Architektur und Building Science, als Mitglied des Fakultätsrates und als Vorsitzender der Professorenkurie.

Mit dem Tod von Christoph Luchsinger haben wir einen Freund, einen Kollegen und einen außergewöhnlichen Menschen und die Fakultät einen engagierten und einen ihrer angesehensten Kollegen verloren, der sich mit großer Leidenschaft und klarer Sprache für seine Disziplin, für die Entwicklung seines Teams und für die Weiterentwicklung der Fakultät für Architektur und Raumplanung eingesetzt hat.

Das Städtebau-Team und die Fakultät für Architektur und Raumplanung

 

In einer Presseaussendung der Stadt Wien meldet sich auch Planungsstadträtin Birgit Hebein zum Tod von Christoph Luchsinger zu Wort:

Großer Verlust für die Stadt Wien
Christoph Luchsinger war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Partner für die Stadt Wien. Er hat mit seiner Expertise an zahlreichen Stadtplanungsprojekten mitgewirkt. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freundinnen und Freuden", sagt Vizebürgermeisterin und Planungstadträtin Birgit Hebein zum Tod des TU-Professors und Architekten: "Christoph Luchsinger hat in unserer Stadt viel bewirkt. Für die Stadt Wien ist das Ableben des engagierten Stadtplanungsexperten ein großer Verlust." Erst im vergangenen Jahr wurde er mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet.

 

Zum Nachlesen:
Manuela Hötzl im Gespräch mit Christoph Luchsinger, aus Architektur & Bau Forum 03/2105, erschienen unter dem Titel "Die Stadt als Kollektiv" am 30. März 2015.

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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