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COVID-19: Michael Sorkin (1948-2020)

Der Covid-19 Virus hat ein weiteres prominentes Opfer gefordert: Am 26. März verstarb der US-amerikanische Architekt und Architekturkritiker Michael David Sorkin mit 71 Jahren im Rahmen der Corona-Epidemie in New York.

Sorkin hatte in den 1980er-Jahren als Architekturkritiker der Zeitschrift “Village Voice“ Bekanntheit erlangt, arbeitet später auch selbst als Architekt und hatte sich vor allem als Stadtplaner einen Namen gemacht. Seine städtebaulichen Ideen zielten oft auf eine größere Teilhabe der Öffentlichkeit an den städtischen Arealen, zunächst in New York, dann weltweit. Sorkin hat auch für Schwerin und Leipzig gearbeitet, zuletzt viel in China, unter anderem für das Technologiezentrum Wuhan.

Michael Sorkin hatte Architektur an der University of Chicago und am Massachusetts Institute of Technology sowie Anglistik an der Columbia University studiert. 1980 gründete er mit Sitz in New York das Designbüro „Michael Sorkin Studios“ mit besonderem Schwerpunkt auf den Bereichen Stadtplanung, Städtebau und grüner Städtebau. Sorkin war weltweit tätig; in Deutschland plante er für Schwerin und Leipzig, Ostjerusalem oder zuletzt etwa mit dem Technologiezentrum in Wuhan in China. Die gemeinnützige Forschungs- und Beratungsgruppe “Terreform Center for Advanced Urban Research“ gründete Sorkin 2005.

Ab 2000 war er als Lehrender als Distinguished Professor des Graduiertenprogramms in Urban Design am City College of New York tätig und hatte diverse Gastprofessuren an den Universitäten von Nebraska und Michigan inne. Außerdem hielt Sorkin auch Gastvorlesungen in Yale, Harvard, Columbia und an der Cornell University. An der Wiener Akademie der bildenden Künste war Michael Sorkin von 1993 bis 2000 Gastprofessor mit Leitung für Städtebau am Institut für Kunst und Architektur der Akademie der Bildenden Künste in Wien, wo er als einer der „Wegbegleiter für eine Neuausrichtung der Architekturlehre an der Akademie“ gilt.

Michael Sorkin war Architekturkritiker der Wochenzeitung „The Village Voice“, ebenso wie für The Architectural Review, Architectural Record oder The Nation. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften zu den Themen Architektur, Design und Städtebau. Er war Vorstandsmitglied des Urban Design Forum in New York und wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Er war außerdem ab 2009 Mitglied der American Academy of Arts an Sciences und erhielt 2015 ein Guggenheim-Stipendium.

 

Ein Nachruf von Carl Pruscha
(Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien von 1988 bis 2001)

Michael Sorkin ist tot. Er starb am 26. März 2020 an den Folgen einer Infektion mit dem neuen Coronavirus. Wir verlieren nicht nur einen großen Architekten, sondern vor allem auch einen inspirierenden Denker und einflussreichen Kritiker.

"It is with profound sorrow that we learned earlier today of the passing of one of our most valued and most brilliant faculty members, Michael Sorkin, from complications brought on by COVID-19. The entire faculty, staff and students are united in paying tribute to one of the school’s best-known and celebrated figures, whose contributions to teaching, scholarship and public thought are irreplaceable. He will be deeply missed by the entire community of The City College of New York."
Lesley Lokko, City College of New York

Es sind dies schwere Tage für die internationale Architekturszene: Nachdem eben Vittorio Gregotti an den Folgen einer Infektion mit dem neuen Coronavirus verstarb, ist nun Michael Sorkin tot. Auch er erlag der Lungenkrankheit. Wir verlieren einen weiteren großen Denker.

Michael Sorkin studierte Architektur an der University of Chicago und am Massachusetts Institute of Technology. 1980 gründete er sein Büro Michael Sorkin Studio in New York. Sein besonderes Interesse galt der Stadt und ihrer Entwicklung, der Rolle der Demokratie in der Architektur und der Nachhaltigkeit. Mit seinem Team entwickelte er zahlreiche städtebauliche Projekte und Entwürfe für Orte auf der ganzen Welt – viele auch im ostasiatischen Raum, namentlich in China. Sie sind beeindruckend und inspirieren ungebrochen. Im deutschen Sprachraum besonders bekannt ist Sorkins “Hamburg City Portrait“ (1999), ein Planspiel in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein. Das Projekt bezog seine besondere Qualität daraus, dass es den Gegenstand einer damals aktuellen und emotional geführten Diskussion aufgriff: die Hafencity.

International war Sorkin vor allem auch als Autor und Architekturkritiker bekannt und geschätzt. Er schrieb unter anderem für die alternative Wochenzeitung “The Village Voice“, für „The Architectural Review“, „Architectural Record“ oder auch „The Nation“. Auch für Schweizer Medien griff Sorkin in die Tasten: Für „archithese „verfasste er etwa 1990 den Aufsatz „DeGentrification“. Doch damit längst nicht genug: Sorkin schrieb über 20 Bücher, darunter “Variations on a Theme Park“, „All Over the Map“ oder „Twenty Minutes in Manhattan“. Zuletzt war er Chefredaktor von „Urban Research“ (UR), dem Verlag des „Terreform Center for Advanced Urbanism Research“, das er 2005 gründete. Gerade befindet sich das dreizehnte Buch des Verlags kurz vor Druck, es heisst „Open Gaza“.

Verdientermassen erhielt Sorkin zahlreiche Preise und Auszeichnungen. 2013 etwa wurde er mit dem Titel “Design Mind“ beim“ National Design Award“ geehrt. Und voriges Jahr erhielt er den “Collaborative Achievement Award“ für seine Arbeit im Bereich Urban Design.

Michael Sorkins Tod ist eine weitere traurige Nachricht in düsteren Zeiten; sie stimmt umso schwermütiger. Doch wir dürfen uns auch glücklich schätzen ob des reichen Werks, das er uns hinterlässt.

www.akbild.ac.at

 

Das kurze Videostatement gab Michael Sorkin 2013 dem New Yorker Copper Hewitt, Smithsonian Design Museum anlässlich der Verleihung „National Design Award“ in der Kategorie „Design Mind“, zum Begriff „Slow Culture“, der Zukunft des Planeten und  zur Bedeutung von Design.

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum

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