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Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne

20.06.2018

Großstrukturen sind ein markantes architektonisches Erbe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und stets höchst umstritten.

Sonja Hnilica: Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne
Grossstrukturen der 1960er und 1970er Jahre
Verlag Park Books, März 2018. Deutsch, ca. 304 Seiten, 80 farbige und 100 sw Abbildungen
gebunden, 22 x 28 cm
ISBN: 978-3-03860-093-0
Euro 48,00

An Komplexen wie der Ruhruniversität Bochum, dem Klinikum Aachen oder dem Nordwestzentrum Frankfurt scheiden sich bis heute die Geister. Doch ist der Glaube an das Große ein konstituierendes Element in der Architektur moderner Gesellschaften. Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren, Hochschulen für Tausende von Studierenden, Konferenzzentren oder Krankenhäuser auf der ganzen Welt zeugen als typische Bauaufgaben davon. Die Bauten wurden so groß wie ganze Städte und sollten dabei so effizient wie Maschinen funktionieren. Im Buch enthalten ist auch die legendäre Metastadt Wulfen am Nordrand des Ruhrgebiets, ein Siegerentwurf von Fritz Eggeling zum 1962 ausgeschriebenen Städtebauwettbewerb.

Von Anfang an wollte man die Schwachstellen einer Trabantenstadt vermeiden und zog Soziologen, Biologen, Landschaftsarchitekten, Verkehrsplaner etc. zu Rate. Die Metastadt, ein experimenteller Gebäudekomplex mit 100 Wohnungen und 600 Quadratmetern Gewerbeflächen entstand 1973-74 nach den visionären Ideen von Richard J. Dietrich als Prototyp eines industriell gefertigten Montagesystems: Anhand von Modulen und einem Tragwerksystem aus Stahl, in das die Wohnungen flexibel eingefügt werden konnten, war eine Ikone des Brutalismus entstanden, die aufgrund von Baumängeln 1987 nach nur 12 Jahren Nutzung abgerissen wurde.

Das Buch stellt erstmals systematisch den Theoriediskurs um Großstrukturen dar und eröffnet neue Perspektiven für den Umgang mit den viel geschmähten, ererbten Riesen. Eindrucksvoll wird aufgezeigt, wie aktuell Debatten um das Bauen im großen Maßstab auch heute sind.

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