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Die Schönheit der Monster

12.02.2018

Noch bis 2. April zeigt das Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main gemeinsam mit der Wüstenrotstiftung eine außergewöhnliche Ausstellung über Brutalismus. Mit „SOS Brutalismus“ wird erstmals ein weltweiter Überblick über die brutalistische Architektur der 1950er bis 1970er Jahre geboten. Anfang Mai kommt die Ausstellung nach Wien.

Béton Brut, französisch für Sichtbeton, gründet den Ursprung des Begriffs Brutalismus, der die Schönheit der rohen, nackten Betonkonstruktion zelebriert. Trotz steigender Beliebtheit für die Ästhetik dieser Oberflächen, droht vielen brutalistischen Bauten, die in einer Zeit der Experimente und des gesellschaftlichen Aufbruchs entstanden, der Abriss. Gemeinsam mit dem BauNetz und dem Magazin uncube wurde daher die Rettungskampagne #SOSBrutalismus ins Leben gerufen, welche die Ausstellung zusätzlich mit einer Datenbank zu über 1000 Bauten ins Internet erweitert.

Mittels ungewöhnlich großen Modellen und Betongüssen, die an der Technischen Universität Kaiserslautern für die Ausstellung entstanden, wird der Brutalismus in den Räumen des Deutschen Architekturmuseums neu bewertet. Zu sehen sind Gebäude aus Japan, Brasilien, dem ehemaligen Jugoslawien, Israel und Großbritannien, wo der New Brutalism in den 1950er Jahren erfunden wurde. Die Architekten Alison und Peter Smithson haben das Wort Brutalismus damals 1953 erstmals in einem Zeitungsartikel erwähnt und an der von ihnen entworfenen Schule in Hunstanton angewendet. Das Gebäude bringt alle Bauelemente ungeschönt und roh zum Einsatz und gilt als erstes „brutalistisches“ Gebäude. Erst durch Le Corbusier, der an seinen Projekten mit sehr groben, sichtbaren „béton brut“ Betonoberflächen experimentierte , bekam der Begriff Brutalismus seine heutige, an Beton angelehnte Bedeutung, und spornte eine weltweite Entwicklung von Gebäuden aus Sichtbeton an.

Die SOS Brutalismus-Ausstellung sieht sich als Antwort darauf, dass brutalistische Bauten häufig als technisch veraltete Betonmonster gelten und dadurch im Vergleich zu Gebäudes aus allgemein akzeptierten Phasen der Architekturgeschichte rücksichtsloser abgerissen werden.

Vom 3.Mai bis 6.August 2018 wird die Ausstellung SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster! im Architekturzentrum Wien zu sehen sein.

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