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Eine runde Sache

28.03.2019

Puzzle Balls: Oberflächen und Untiefen oder das unlogisch Erhabene in der Architektur. Das Londoner Studio SCA Architekten versucht sich im Spannungsfeld zwischen Exotik und Esoterik in einer unvergleichlich ­spektakulären Konstruktion. 

Chinoiserien aus der Hand des Londoner Studios Steven Chilton Architects? Genau! Sie verwandeln mit Geschick einen kleinen, mit unermesslicher Fantasie gefertigten Gegenstand in eine architektonische Megastruktur öffentlicher Nutzung.
Puzzle Balls, Objekte des Staunens! Kleine Skulpturen in Kugelform chinesischen Ursprungs, entstehen mittels Ziselierung meist eines einzigen Stücks Elfenbein. Das fertige Objekt zeigt sich als komplizierte Komposition, minutiös und komplex gefertigt in mehreren übereinandergelegten und dabei frei beweglichen Schichten, die jeweils über Öffnungen den Blick immer noch tiefer in das Innere eines weiteren, kleineren Balls erlauben: wie „Chinesische Zauber-Boxen“, mit unglaublichem Innenleben. Ganz gleich, ob man in manchen dieser Bälle zehn übereinanderliegende Schichten gezählt hat, die Zahl weist virtuell jedenfalls ins Unendliche. Literatur, Theater und Film teilen sich Darstellungen gewisser Abgründe: Ein allgemeingültiges Beispiel ist Christopher Nolans Film „Inception“, in dem sich die Träume überlagern. Puzzle Balls können durchaus als faszinierende miniaturisierte Architekturen gelesen werden. 

Und so hat sich das Londoner Architekturbüro Steven Chilton (SCA) wohl an genau diesen genialen, kleinen Objekte inspiriert, um eine riesige, auf den ersten Blick mysteriöse Architektur zu schaffen. Das Wettbewerbsprojekt für ein Theater im Huadu-Distrikt von Guanzhou in China gleicht einem Ball gigantischen Maßstabs. Nutzungsgerecht halbiert, zeigt er sich als Halbkugel. Errichtet als Kuppelbau als effizienteste Geometrie. Der Bau soll 2.000 Zuschauern Platz bieten. Ein visionärer Entwurf, utopisch und so verblüffend, dass dieser einen Platz unter den „unsichtbaren Städten“ in dem Buch Italo Calvinos verdienen würde, einem erzählerischen Experiment mit Ausnahmeprotagonisten: ein Marco Polo, der den Mongolenherrscher Kublai Khan mit seiner Erzählung von seltsamen Städten, in die er im Laufe seiner Reise durch den Orient gelangte, verzaubert. Dieses eindrucksvolle Bauwerk soll als Tourismusattraktion eine permanente Show über die lokale Yue-Kultur beherbergen und im Auftrag des Wanda Cultural Tourism Planning & Research Institute entstehen.  

Die Primärkonstruktion bildet eine zweischichtige geodätische Kuppel aus Stahlrohren, die über kugelförmige Knoten verbunden sind. Die äußere Hülle aus Glasfaserbeton (GRC) entsteht über Dämmpaneelen aus Aluminium mit integrierten Verglasungen. Die Geometrie der Fassadenelemente inspiriert sich an Ornamenten der traditionellen hölzernen Fensterläden der Region. Bei den 30 gemäß produktionstechnischer Machbarkeit und Qualitätsvorgaben entwickelten unterschiedlichen Paneelformaten der Außenhaut wechseln einander Romben und Trapeze unterschiedlicher Größe ab. Die Öffnungen in jedem Paneel entsprechen dem Bedarf an Tageslicht und Ausblick in Lobby und Eingangsbereich. Die Makrostruktur imitiert damit einmal mehr die skulpturalen antiken chinesischen Meisterminiaturen. 

Für das realistische Setting hat SCA in detailgetreuen Renderings die Konstruktion jedoch eigenartigerweise in einen nicht wirklich wünschenswerten Kontext gestellt. Das darstellerische Repertoire zeigt die Kuppel von Mal zu Mal unter saurem Regen, giftigem Nebel oder in sehr heruntergekommenem Umfeld. Postapokalyptische Landschaften, denen man entfliehen möchte, und dabei gar nicht so fern von einer gewissen Realität, die China bereits lebt. Warum Steve Chilton bei der Kontextualisierung seines Projekts wohl so weit gegangen ist, in der Annahme, dieses würde dennoch angenommen und realisiert werden – und zwar in dieser Form?

Autor/in:
Franco Veremondi
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