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franz architekten: Einfach Franz

12.12.2011

Sie sind gerade dabei, eine Bilderbuchkarriere hinzulegen. Und das aus eigener Kraft. Robert Diem und Erwin Stättner sind der Beweis, dass man es schaffen kann, wenn man sich einfach in die Arbeit stürzt, ohne genau zu wissen, ob sich der Erfolg einstellen wird. Er hat sich eingestellt. Und zwar ganz groß.

Barbara Jahn im Gespräch mit Robert Diem und Erwin Stättner
 

franz architekten: "Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, kann man nicht genug Routine haben. Man weiß nie, wie die Jury das sieht. Da kann man nach 30 Jahren immer noch falsch liegen."

Was hat es eigentlich mit dem „Franz" auf sich?
Wir haben vor drei Jahren unser Büro gegründet und gleich den Wettbewerb für die Schule in Deutsch-Wagram gewonnen. Uns war klar, dass wir das nicht allein schaffen würden und haben ein Team zusammengestellt. Franz steht also einerseits für dieses Team, denn wir wollten das Büro bewusst nicht nach unseren Namen benennen. Ein anderer Aspekt ist, dass wir nicht für uns selbst planen, sondern für andere Menschen. Franz steht also auch für die Nutzer. Dazu kommt auch, dass Bauaufgaben immer sehr komplex sind. Unser Ziel ist es, diese Komplexität immer in ein sehr einfaches Konzept zu gießen. Deshalb steht Franz für diese Einfachheit und Verständlichkeit. Man kann sich diesen Namen leicht merken, er ist signifikant und hat einen gewissen Bezug zu Österreich, wo wir herkommen und wo wir arbeiten. Keinesfalls wollten wir einen Namen, der für sehr komplizierte, hochtrabende Architektur steht. Die machen wir nicht und vertreten wir auch nicht. Das Tolle an diesem Namen ist, dass er polarisiert. So soll es auch bei einem Projekt sein. Und natürlich soll er auch ein bisschen neugierig machen. Das Ganze darf ja nicht zu trocken sein.

Wollt ihr eine Marke sein?
Heutzutage ist es wichtig, sich zu positionieren. Wir glauben, dass ein Architekturbüro eine Marke sein kann. Was wir auf keinen Fall wollen – und das hängt damit zusammen, wie wir Konzepte machen – ist, dass man uns erkennt aufgrund einer äußeren Form. Aber wir sind sicher, dass das fast nicht passieren kann, weil wir die Projekte ganz unterschiedlich angehen. Andere Büros haben einen formalen Zugang, in dem sie dann das Raumprogramm unterbringen. Da sind die Formensprache und auch die Materialität wieder erkennbar. Das hat sicher Vorteile für eine Marke. Wir versuchen uns aber über Inhalte zu positionieren.

Wie habt ihr eigentlich zueinandergefunden?
Wir haben im gleichen Büro gearbeitet als Projektleiter, aber nie zusammen. Vor der Bürogründung haben wir es zu dritt probehalber versucht, um zu sehen, ob die Chemie passt, und haben Wettbewerbe begonnen. Unsere Partnerin ist dann nach England gegangen, und wir haben gekündigt, ohne Auftrag in der Tasche und haben im Jänner 2009 zu zweit Franz Architekten gegründet. Ein Monat später kam der Anruf, dass wir den Wettbewerb für die Schule in Deutsch-Wagram gewonnen haben. Ein Architektenmärchen. Wir sehen das als großes Privileg, dass das alles so gut geklappt hat. Mit so einem Auftrag, von dem man drei Jahre leben kann – das nimmt einem viele wirtschaftliche Sorgen weg. Man hat es nicht in der Hand, aber man muss Vertrauen haben in das eigene Können.

Tatsächlich wie im Märchen. Wie kam das?
Wir haben einfach drauf losgearbeitet und uns in die Arbeit gestürzt in Form von Wettbewerben, genau 28 Wettbewerbe in den vergangenen vier Jahren. Für 14 haben wir einen Preis bekommen, bei vieren haben wir den ersten Platz und bei dreien einen Auftrag.

Eine schöne Bilanz. Gibt es dazu eine Philosophie?'
Wir haben eigentlich bis heute nicht darüber nachgedacht. Aber nachdem wir vom Wettbewerbswesen sehr geprägt sind, heißt es bei uns: „Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb." Natürlich kann man sagen, Wettbewerbe sind ausbeuterisch und unwirtschaftlich. Aber uns würde es nicht geben, wenn es keine öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerbe gäbe. Wir haben das Gefühl, dass die Wettbewerbsszene immer besser wird. Zwar wollen wir die Wettbewerbe nicht als Allheilmittel sehen – Direktaufträge sind uns herzlich willkommen –, aber wir können sehr gut mit der Vergabesituation, die sich deutlich gebessert hat. Vor 20 Jahren war das wahrscheinlich noch viel schwieriger.

Wettbewerbe sind eurer Meinung nach also ein guter Einstieg …
Die zweite Strategie wäre, über Einfamilienhäuser oder kleine Projekte im Bekanntenkreis zu einer kleinen ersten Aufgabe zu kommen, mit der man wachsen kann und bekannt werden kann. Das war aber nicht unser Weg.

Und wie haltet ihr dann eure Wettbewerbe wirtschaftlich?
Wir versuchen sehr kompakt zu arbeiten. Wenn wir unser Konzept entwickeln, haben wir schon die ungefähren Stunden im Hinterkopf. Das bremst uns zwar nicht, und manchmal dauert es etwas länger, aber wir versuchen effizient zu sein. Natürlich muss man sich die Zeit nehmen, die man braucht, um Qualität zu schaffen.

Wie ist da euer Procedere?
Wir besuchen den Ort, studieren die Unterlagen, schaffen die grundlegenden Parameter in Hinblick auf das Raumprogramm, bauen anschließend ein Baumassenmodell und versuchen damit die Volumen in einfachen Formen zu bringen, um ein Gefühl für den Maßstab zu bekommen, und gehen immer über den Städtebau heran.

Und das geht immer gemeinsam?
In der Regel schon, manchmal ziehen wir auch einen Mitarbeiter hinzu. Das gemeinsame Entwickeln ist ein bisschen spielerischer.

Ihr habt den Städtebau erwähnt. Welche Rolle spielt er in euren Überlegungen?
Es ist wichtig, Baukörper zu entwickeln, die städtebaulich stimmig sind und sinnvoll sind. Das ist die allerwichtigste Entscheidung bei jedem Projekt, weil sich alles andere danach richtet. Alle Wettbewerbe, die wir gewonnen haben, konnten wir aufgrund dieser städtebaulichen Frage für uns entscheiden. Bei der Schule in Deutsch-Wagram haben wir uns als Einzige völlig anders, als es vorgeschlagen war, auf das Grundstück gesetzt und damit aber die richtige Lösung gefunden. Uns interessiert – wofür wir auch oft kritisiert werden, weil wir uns oft sehr vage halten – bei Wettbewerben die Fassade überhaupt nicht. Am liebsten würden wir sie immer weglassen, weil sie aus unserer Sicht nicht die Relevanz hat, über ein Projekt zu entscheiden. Wenn 50 bis 100 Projekte abgegeben werden, schafft es die Jury ja gar nicht, auch noch über die Fassadengestaltung zu diskutieren.

Aber ist das nicht das Gesicht eines Projekts?
Natürlich ist die Fassade zuletzt nicht unwichtig, aber wir finden, dass sie bei einem Wettbewerb nicht eine so starke Priorität haben kann. Sicherlich gibt es spezielle Aufgaben, wo die Fassade sehr wichtig ist. Aber wenn es um Städtebau geht, kann das nicht im Vordergrund stehen. Wir haben noch nie erlebt, dass Wettbewerbe für Schulen über Fassadengestaltungen entschieden werden. Wir fokussieren uns in den verschiedenen Phasen, die es in einem Projekt gibt, auf die Sachen, auf die es unserer Meinung nach ankommt, wie Lage des Baukörpers, Organisation des Grundrisses. Erst später geht es darum, wie das Ding eigentlich aussieht. Es braucht auch Zeit, um so etwas zu entwickeln und auf den Inhalt abzustimmen.

Zusammenfassend kann man also sagen: Wettbewerbe sind gut.
Es gibt Zwänge und Auflagen, es gibt viele Kosten. Trotzdem sehen wir das positiv. Es ist die Chance zu entwerfen, die Arbeit, die am meisten Spaß macht, und das in einer großen Vielfalt. Und es gibt keine Besprechungen oder sonstigen Termine, sondern der Fokus liegt – fast wie auf der Uni – auf dem Entwerfen. Das einzige Negative daran ist, dass man mit dem Auftraggeber nicht in Dialog treten kann. Da könnte man gemeinsam schon die richtige Richtung einschlagen. So muss man immer ein bisschen pokern.

Wird man routinierter?
Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, kann man nicht genug Routine haben. Man weiß nie, wie die Jury das sieht. Da kann man nach 30 Jahren immer noch falsch liegen. Man wird zwar schneller, vielleicht vorsichtiger, weil man die Kostenzwänge schon kennt, aber es heißt nicht, dass man automatisch die besseren Lösungen hat. Manchmal ist es auch so: Je mehr man eine Aufgabe kennt, umso unflexibler wird man im Denken.

Wie seht ihr die Rolle des Architekten in der Gesellschaft? Kann er die Welt verbessern?
Wir glauben, dass man als Architekt einen gewissen gesellschaftlichen Beitrag leisten kann, aber leider kann man damit nicht ein Schulsystem reformieren. Man kann zwar tolle Raumkonzepte abliefern, aber man wird sofort in der ersten Runde rausfliegen. Man muss sich seiner Stellung bewusst sein. Architekten können nur mögliche Antworten geben. Ohne politischen Willen kann man gar nichts bewegen, das haben wir bei den Schulprojekten gelernt. Man muss sich strikt an die Vorgaben halten, kann vielleicht versuchen zu optimieren. Manchmal gelingen kleine Tricks, die nachher als Besonderheit gelten, obwohl sie ursprünglich gar nicht gefordert waren, wie unsere Dachterrasse in Deutsch-Wagram. Optimieren kann man im Detail, und das ist uns schon ein großes Anliegen.

Habt ihr überhaupt den Anspruch, die Umwelt schöner zu gestalten?
Man hat schon die Verantwortung, dass man über die eigentliche Aufgabe hinaus denkt. Man baut immer auch für die Umgebung mit. Der Architekt ist der Einzige, der alles im Blick haben muss – vom Anfang bis zum Ende. Deshalb ist der Städtebau so wichtig. Die Möglichkeiten des Architekten, die Gesellschaft zu verändern, sind mit einem einzelnen Gebäude sehr gering. Besser funktioniert das über Stadtplanung oder Raumplanung, denn diese Bereiche haben eine viel stärkere Auswirkung auf das Zusammenleben. Auf dem Land gibt es riesige Gewerbeparks, die Innenstädte sterben aus. Als Architekt kann man da nicht entgegenwirken, indem man ein noch schöneres Einkaufszentrum plant. Hier ist die Politik gefragt, im Idealfall mit Architekten zusammenzuarbeiten. Leider ist das politische Interesse zu gering, an diesen Entwicklungen etwas zu ändern.

Was steht als Nächstes bei euch an?
Das Landesjugendheim in Hollabrunn, ein Wettbewerb, den wir vergangenes Jahr gewonnen haben, und ein Zu- und Umbau des Gymnasiums in Gainfarn bei Bad Vöslau, ebenfalls ein gewonnener Wettbewerb.

Zusammenfassend: Was ist euch wichtig?
Den Nutzer miteinzubeziehen, und zwar von Beginn an. Wenn man das nicht macht und das Projekt nicht angenommen wird, hat man selbst keine Freude damit. Es nützt nichts, ein paar schöne Fotos zu machen, die man in einem Architekturmagazin publiziert, und zwei Monate später ist alles verstellt, umgebaut oder verhängt, weil der Nutzer es so gar nicht wollte. Auch wenn man es selbst manchmal nicht versteht: Wenn der Nutzer sich nicht damit identifiziert und nicht damit umgehen kann, ist die Architekturaufgabe nicht gelöst. Allerdings kann das Einbeziehen auch zu weit gehen. Als Architekt braucht man gewisse Freiheiten und das Vertrauen des Auftraggebers. Der Architekt muss die endgültigen Entscheidungen treffen können, schließlich ist auch er verantwortlich für das Werk

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