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Elke Delugan-Meissl bei „Bautech Talks“

21.10.2019

Anlässlich der 2. „Bautech Talks“ der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (öbv) spricht heuer Elke Delugan-Meissl, als eine der international bekanntesten Architektinnen Österreichs, über Architektur als „Choreographie der Emotionen“.

Anhand wegweißender Projekte des Büros Delugan Meissl Associated Architects (DMAA) wird sie zeigen, wie Innovationen im Planungs- und Bauprozess Landmark-Gebäude wie das Porsche Museum oder das Hyundai Motorstudio in Korea überhaupt erst möglich machen. In Linz geboren hat Elke Delugan in Wien mit ihrem Ehemann und Geschäftspartner Roman Delugan in Wien bereits Ende der 1990er Jahre mit wegweisenden Wohnbauten wie dem „Balken“ in der Donaucity auf sich aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit Roman Delugan und DMAA gelang es, einen eigenen, wiedererkennbaren Architekturstil zu entwickeln, der spätestens seit der Fertigstellung des Porsche Museums 2009 auch international enorm gefragt ist.

Emotionale Architektur
Zentral für den Zugang von DMAA sind dabei nicht nur die ästhetische Außenwirkung und der bauliche Kontext. Es werden Räume geschaffen, die erfahrbar sind und Emotionen erzeugen. Bei den „Bautech Talks“ wird Elke Delugan-Meissl am 4. November darüber sprechen, wie aktuelle bautechnische Innovationen dabei helfen, die Visionen von DMAA gebaute Wirklichkeit werden zu lassen. Sie wird gemeinsam mit Michael Lohmann, dem Head of Design Technology bei DMAA, anhand der Projekte „Porsche Museum“ in Stuttgart,  dem "EYE Filmmuseum“ in amsterdam, der „Casa Invisible“ in Slowenien und dem „Hyundai Motorstudio“ in Goyang/Seoul zeigen, wie sich Planungs- und Bauprozesse gewandelt haben und hochkomplexe architektonische Entwürfe dadurch überhaupt erst realisierbar werden.

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion
Anschließend wird in einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Die technischen Herausforderungen räumlicher Erfahrbarkeit“ dieses Thema unter der Leitung von Solid-Chefredakteur Thomas Pöll weiter vertieft. Auf dem Podium werden neben Elke Delugan-Meissl und Michael Lohmann, Strabag-SE-Vorstand Peter Krammer, BIG-Geschäfsführer Wolfgang Gleissner und FCP-Gesellschafter Robert Schedler, das Zusammenwirken von Bautechnik und Architektur sowie die neuen Möglichkeiten digitalen Planens und Bauens aus unterschiedlichen Blickwinklen beleuchten.

Die vorgestellten Projekte in Kürzet:

Porsche Museum, Stuttgart
Geschwindigkeit, Dynamik, Passion: Mit dem Porsche Museum in Stuttgart übersetzt DMAA die Kernwerte des deutschen Sportwagenbauers in beeindruckende Architektur. Das Projekt hat wegen seiner futuristischen Optik bei der Fertigstellung 2009 international für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Es war gleichzeitig eines der ersten DMAA-Projekte, bei dem 3D-Planungstools zum Einsatz kamen. Der kühne Entwurf eines auf nur drei Betonstützen schwebenden, 5.600 Quadratmeter großen Ausstellungsraums wurde noch per Hand gezeichnet. Für die Umsetzung der konkreten Planungen waren dagegen digitale Modelle nötig, um die Lastabtragung und die unterschiedlichen, sich dynamisch verändernden Belastungen auf den Stahlrahmen des Ausstellungsraums und die ihn umgebende Außenhaut zu berechnen. Außerdem plante DMAA mit seinen Partnern auch die komplette Haustechnik bereits im digitalen Modell. Allein für den tragenden Kern des Gebäudes aus Tiefgarage, Erdgeschoß, erstem Obergeschoß und zentrale Träger wurden dafür rund 21.000 Kubikmeter Beton verbaut.

The EYE, Amsterdam
Muschel nennen die Bewohner Amsterdams das Gebäude des Filminstituts der Niederlande inoffiziell. Der von DMAA entworfene Bau befindet sich am Ufer des Flusses IJ direkt gegenüber des Hauptbahnhofs und der historischen Altstadt von Amsterdam. Sein riesiger Hauptraum öffnet sich zum Fluss hin elegant nach Süden und lässt viel natürliches Licht durch die mächtigen Glasfronten in den Innenraum einströmen. Im hinteren Bereich, wo sich auch die Vorführräume befinden, zeigt sich das Gebäude hingegen verschlossen und kompakt. Als wichtigstes Medium für den Film spielt Licht und Perspektive auch architektonisch eine Hauptrolle im Konzept von DMAA. Durch die reflektierende Außenhaut und viele kantige Elemente erscheint das EYE im Sonnenlicht fast kristallin und präsentiert sich dem Betrachter aus jeder Himmelsrichtung anders. Ein Eindruck, der nur durch integriertes, digitales Planen und Bauen erreicht werden konnte.

Hyunday Motorstudio, Goyang
Die Herausforderung beim Motorstudio des koreanischen Automobilherstellers Hyunday in Goyang bei Seoul war es, verschiedene funktionale Ebenen in einem Gebäudeentwurf zu vereinen. Es sollte Verkaufs- sowie Showroom sein, Besucher mit einer Art automobilem Themenpark unterhalten und gleichzeitig Platz für Büros und einen riesigen Servicebereich bieten. Das Team von DMAA löste diese Aufgabenstellung, indem es fast 40.000 Quadratmeter Fläche auf mehreren unterirdischen Ebenen plante. Dort können seit der Eröffnung 2017 Autos geparkt, ausgeliefert, inspiziert und repariert werden. Darüber befindet sich der riesige Showroom, dessen mit Metallplatten verkleidete, in unregelmäßigen Flächenstücken abgekantete Decke im Licht einer überdimensionalen Videoleinwand in vielen Farben schimmert. In diese Struktur ist zusätzlich ein 50 Meter hoher Büroturm integriert, in dem Administration und Management arbeiten. Um die Blickachsen der Besucher im großzügigen Showroom nicht durch zu viele tragende Säulen zu verstellen, ging es bei der Planung im gemeinsamen digitalen Designprozess vor allem darum, die Anzahl und optimale  Position der Säulen zu bestimmen. Bauingenieure und Ziviltechniker errechneten vorab anhand digitaler Modelle die korrekte Masse des Büroturms und die exakte Position von so wenigen Säulen wie möglich. Das Ergebnis: Die gesamte Konstruktion ruht heute auf nur acht kaum sichtbaren Säulenclustern.

Casa Invisible, Everywhere
DMAAs unsichtbares Haus ist der Gegenentwurf zu den großvolumigen Arbeiten des Architekturstudios. Das ultraflexible Minihaus ist nur 14,50 x 3,50 Meter groß und kann mit einem LKW an fast jeden Platz der Erde transportiert werden. Es besteht aus einer vorgefertigten Holzstruktur, die innen wie außen individuell gestaltet werden kann. Es lässt sich vergleichsweise kostengünstig herstellen und kann durch den hohen Holzanteil am Ende seines Lebenszyklus sehr einfach wieder rückgebaut werden. Aus mehreren Modulen lassen sich außerdem auch größere Wohneinheiten realisieren. In der von DMAA designten Version ist es außen voll verspiegelt und löst sich somit quasi in seiner Umgebung auf. Auf der sehr kleinen Fläche müssen Nasszellen, Gebäudetechnik, Stau- und Wohnraum sehr genau durchdacht sein. Außerdem mussten die Architekten diesmal die Möglichkeiten serieller Fertigung bedenken. Deswegen lieferten auch bei diesem Projekt digitale Planungstools Berechnungen, die zugleich für die Produktion der Elemente zur Verfügung standen.

Über die Bautech Talks
„Die technischen Aspekte des Bauens haben enorme Auswirkungen, weit über die eigentliche Errichtung der Gebäude selbst hinausgehend. Dafür wollen wir mehr Bewusstsein schaffen“, erklärt Michael Pauser, Geschäftsführer der Österreichischen Bautechnik Vereinigung, den Grundgedanken zur Entstehungsgeschichte des  Veranstaltungsformats. Jedes Jahr soll ein renommierter Architekt, Planer, Bauherr oder Ausführender im Rahmen der „Bautech Talks“  eines seiner internationalen Projekte vorstellen. Damit möchte man einer breiteren Öffentlichkeit die innovativen technischen Lösungen, die für die Umsetzung architektonischer Leuchtturmprojekte entscheidend sind, näher bringen. In einer Podiumsdiskussion geht es anschließend darum, das Gehörte einzuordnen und kontroversielle Standpunkte zu diskutieren.

Über Elke Delugan-Meissl
Die gebürtige Linzerin studierte bei Othmar Barth Architektur in Innsbruck und übersiedelte bald danach nach Wien. Dort gründete sie mit Roman Delugan 1993 das Architekturbüro Delugan-Meissl ZT GmbH, das 2004 um die Partner Dietmar Feistel und Martin Josst erweitert wurde und seither „DMAA − Delugan Meissl Associated Architects“ heißt. Seit Ende der 1990er Jahre wurde Elke Delugan-Meissl mit Wohnbauprojekten wie dem "Balken" in der Donaucity oder der Bebauung der Grundäcker in Oberlaa bekannt. International fiel danach vor allem das privat realisierte und genutzte Haus „Ray1“ auf, ein Dachaufbau aus dem Jahr 2003. Seither setzt Elke Delugan-Meissl mit DMAA Projekte in der ganzen Welt um. Von 2003 bis 2008 war die Architektin außerdem Mitglied des Grundstücksbeirats Wien und von 2006 bis 2010 Vorsitzende des Gestaltungsbeirats Salzburg. Außerdem gehörte sie wiederholt der Jury des Egon-Eiermann-Preises für Nachwuchs-Architekten an. 2015 erhielten Elke Delugan-Meissl und Roman Delugan den Großen Österreichischen Staatspreis für Architektur. 2016 wurde sie in den österreichischen Kunstsenat aufgenommen und von Kulturminister Josef Ostermayer als österreichische Kommissärin für die 15. Architekturbiennale in Venedig nominiert. Für die Funktionsperiode 2017 bis 2020 ist Elke Delugan-Meissl Vorsitzende des Wiener Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung.

Über die öbv
Die österreichische Bautechnik Vereinigung (öbv) ist Österreichs größte neutrale Plattform im Bauwesen. Ihre Mitglieder kommen aus allen Bereichen, die für das Gelingen des Bauens und Betreibens privater und öffentlicher Bauwerke verantwortlich sind. Darunter öffentlichen Bauherren, die gesamte Baunindustrie, die namhaften Produkthersteller und Ingenieurbüros. Der öbv ist es ein großes Anliegen, den Letztstand der Technik im Bauwesen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies wird durch das Veröffentlichen von praxisgerechten Richtlinien und dem Veranstalten von Seminaren, Vorträgen und Kongressen erreicht.

Mehr Informationen: www.bautechtalks.at

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