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Enzo Mari (1932-2020)

22.10.2020

Mit Enzo Mari ist einer der bekanntesten italienischen Designer der Nachkriegszeit am 19. Oktober im 88 Lebensjahr an den Folgen von Covid-19 verstorben und ging seiner Ehefrau, der bekannten Kunstkritikerin Lea Vergine, die ebenfalls mit dem Coronavirus infiziert war, damit nur einen Tag voraus.

Für immer gegangen ist damit nicht nur ein begnadeter Designer, sondern auch ein kritischer Geist, der vieles, das aus heutiger Sicht selbstverständlich scheint, bereits in den 1970er Jahren vorweggenommen hat.

Erst wenige Tage zuvor war die Ausstellung über Enzo Mari, kuratiert von Hans-Ulrich Obrist und Francesca Giacomelli in der Triennale Mailand eröffnet worden, die in Form einer umfassenden Retrospektive noch bis 18. April 2021 Enzo Maris in den 1960er Jahren entstandene Arbeiten, chronologisch geordnet zugänglich macht.

Enzo Mari hat von 1952 bis 1956 an der Akademie der Schönen Künste Brera in Mailand Literatur und Kunst studiert und interessierte sich dabei vor allem für die Psychologie der visuellen Wahrnehmung. Bekanntheit erlangte er durch seine Tätigkeit für die italienischen Unternehmen Danese, Gavina, Artemide, Olivetti und Castelli ebenso wie durch seine Buchveröffentlichungen zum Thema Design. Unterrichtet hat Mari am Polytechnikum Mailand, dem Zentrum für visuelle Kommunikation in Parma, an der Akademie der Schönen Künste in Carrara ebenso wie von 1963 bis 1966 an der Scuola Umanitaria in Mailand. Er war Ehrenprofessor des Fachbereichs Design an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und nahm 1968 war an der 4.documenta in Kassel teil.

Im Laufe seiner langen Karriere als Designer, Künstler, Theoretiker, Kurator und Lehrender hat Mari die Idee dessen geprägt, was Design leisten kann, darf und soll und war dabei vor allem von den sozialen Aspekten seiner Arbeit fasziniert. Entscheidend beeinflusste er somit Generationen von Gestaltern. 

Enzo Maris Anliegen war von jeher nicht die Erlangung möglichst großer Popularität und Bekanntheit. Vielmehr war er bemüht, individuelle gestalterische Fähigkeiten, eine gute für jedermann zugängliche Gestaltung ebenso wie eine entsprechende Denk- und Sichtweise zu fördern. 1974 entstand sein Buch „Autoprogettazione“, in dem er Entwurfsvorlagen und Bauanleitungen für 19 leicht nachzubauende Einrichtungsgegenstände wie Stuhl, Tisch, Bett oder Regal aus Holz veröffentlichte. Die gesamte möglichst einfach gestaltete Einrichtung sollte mittels Holzbrettern und Nägeln leicht zusammenzubauen sein. Bei Bezahlung des Portos übersandte Mari die Bauanleitung kostenlos.
Ein Ansporn zum Selbermachen, ein Projekt, bei dem es Mari vor allem auch darum ging, Menschen das Entwerfen von Gegenständen näher zu bringen. Als wichtige Quelle der Do-it-yourself-Bewegung gilt das Werk auch als grundlegender Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff des demokratischen Designs – und damit nicht zuletzt auch der Nachhaltigkeit, die Mari stets wichtig war. Design sollte umweltverträglich sein und kein Luxusprodukt. Funktionalität und Formgebung bedeuteten ihm mehr als der bloße Schein oder das System des Stardesigns. Ihm ging es in erster Linie um die Vermittlung von Wissen und dabei um eine stets kritische Auseinandersetzung mit der Produktion von Designprodukten.

Die Retrospektive Enzo Mari curated by Hans Ulrich Obrist with Francesca Giacomelli, in der Triennale Milano ist bis zum 18. April 2021 zu sehen. http://www.triennale.org

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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