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ETHOUSE Award: Ermutigung zum energieeffizienten Sanieren

27.03.2020

Seit 2008 hält der ETHOUSE Award Ausschau nach den besten energieeffizienten Sanierungen Österreichs, um diese zu prämieren. Bewertet werden Bauvorhaben, die das Thema Wärmeschutz um neue Ideen und innovatives Denken erweitern und jeweils drei Jahre nach Ausschreibungsstart verwirklicht wurden. Heuer wurde der Preis, der sich dem nachhaltigen Umgang mit Bausubstanz verschrieben hat, zum insgesamt zehnten Mal an besonders herausragende Projekte vergeben.

Sanierungen sind längst mehr als bloße Instandsetzungen, sie zeigen wie komplex die Umsetzung architektonischer Aufgaben sein kann. Mit dem ETHOUSE Award zeichnet die ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme Gebäudesanierungen aus, die mehr können, als einfach nur Energie zu sparen, um aufzuzeigen, dass Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) neue Möglichkeiten in der architektonischen Planung eröffnen. Vor dem Hintergrund der Klimaziele 2050 hat das Thema Sanierung in den vergangenen Jahren sehr rasch an Bedeutung gewonnen. Die thermische Sanierung von Wohn- und Bürogebäuden ist eine ökologisch besonders sinnvolle Maßnahme, sie hilft, Heiz­energie zu sparen, schont Ressourcen und reduziert CO₂-Emissionen. Der Award soll Relevanz von Wärme- und Kälteschutzmaßnahmen für den Klimaschutz unterstreichen und öffentlichkeitswirksam in Erinnerung rufen. Hierzu gehört auch die thermische Sanierung von Wohnbauten der 1970er bis in die 1990er Jahre, die entweder keine oder eine viel zu geringe Dämmung aufweisen. Eben hier versucht der ETHOUSE Award anzusetzen und zeichnet die besten Sanierungen aus: Auch die diesjährigen Preisträger in den Kategorien, privater Wohnbau, Wohnbau und öffentlicher Raum beweisen, dass thermische Sanierung mit historischer Bausubstanz vereinbar und mit jedem Budget umsetzbar ist.

Der Sieger 2020 in der Kategorie „­Privater Wohnbau“ ist das Zwei-Familienhaus am Friedhofweg 22, in Rum, Tirol, der Architekten U1 architektur

„Dieses Projekt ist ein mustergültiges Beispiel der Nachverdichtung im privaten Wohnbau unter Beibehaltung des ursprünglichen Grundrisses. Die flexible Nutzung zweier Ebenen verdeutlicht die Auseinandersetzung der Planer mit dem Thema Raum“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Nachverdichtung spielte bei der Sanierung dieses Mehrgenerationenhauses in der Tiroler Ortschaft Rum eine wesentliche Rolle. Man entfernte das Dach und stockte das gesamte Gebäude um ein volles Geschoß auf. Beide Bestandsebenen wurden jeweils um eine Raumachse in Massivbauweise und eine vorgesetzte, thermisch getrennte Terrasse erweitert. Genutzt werden können die beiden Ebenen nunmehr als eine Wohnung oder je zwei kleinere Einheiten. Das auskragende Vordach über den großzügigen Fensterfronten schützt vor Überhitzung. Altbau und Zubauten werden gemeinsam wärmebrückenfrei in einen neuen thermischen Mantel gehüllt.

Eckdaten
WDVS
EPS-F 16 cm
Baujahr 1990er Jahre
Projektdauer Sanierung 2016 bis 2017
Nutzfläche 319,73 m² (vor Sanierung ohne Keller: 169,6 m²)
Energiekennzahl Erdgeschoß: 47,7 kWh/m2a,
Dachgeschoß: 34,5 kWh/m2a (122,9 kWh/m2a zuvor)
Verbesserung Erdgeschoß: 61,2 %, Dachgeschoß: 71,9 %

In der Kategorie „Wohnbau“ ging der Preis an zwei Sanierungsvorhaben, den ­Göthehof, in der Schüttaustraße 1–39 in 1220 Wien der Architekten Martin Kiener und Werner ­Rebernig sowie an das Projekt Maria­hilfer Straße 182 im 15. Wiener Gemeinde­bezirk, das sich verdienterweise heuer bereits mehrfach über Prämierungen freuen durfte.

Im Statement zum Juryentschied heißt es dazu: „Hier wird klar aufgezeigt, dass Denkmalschutz und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen Hand in Hand gehen können. Der Rückbau von befestigten Flächen, die Nachverdichtung und die Barrierefreiheit machen die Wohnanlage fit für die Zukunft.“ Über mehrere Jahre dauerte die Sanierung dieser denkmalgeschützten Wohnhausanlage aus der Zwischenkriegszeit in Wien Donau­stadt. Fassadenkunstwerke wurden restauriert, im Dachgeschoß entstanden 128 neue Wohnungen, und der Bau wurde an das Fernwärmenetz angeschlossen. Der nachträgliche Tiefgaragenbau ermöglicht Grünfläche statt Parkfläche im Mittelhof. Aufzugsanlagen sichern eine barrierefreie Erschließung des Areals.

Eckdaten
WDVS EPS-F 3 und 5 cm, Mineralwolle 3, 5 und 8 cm
Baujahr 1928/30
Projektdauer Sanierung Herbst 2014 bis Mitte 2019
Nutzfläche ca. 35.700 m² (664 Wohnungen im Bestand)
Energiekennzahl 44,77 kWh/m2a (167,77 kWh/m2a zuvor)
Verbesserung um 73,3 %

Das Wohnhaus in der äußeren ­Mariahilfer­ Straße wurde nach einer Gasexplosion im ­April 2014 von den Architekten Günther Trimmel und Isabella Wall vorbildlich saniert und ausgebaut. 

Der Jury erschien es besonders erwähnenswert, wenn ein stark beschädigtes Gebäude nicht abgerissen, sondern wiederaufgebaut wird. „Bemerkenswert ist zudem der städtebauliche Identitätserhalt im Zuge der Sanierung.“ Die Sanierung des stadtbildprägenden Gründerzeit-Eckwohnhauses an der äußeren Mariahilfer Straße wurde auf einem hohen energietechnischen Standard saniert. Die Altbauwohnungen mit offenen, zeitgemäßen Wohnungsgrundrissen und der Dachgeschoßausbau erfüllen Passivhausstandard. Der begrünte Innenhof bietet Freiräume, auch die Belichtungssituation wurde verbessert. Eine Aufzugsanlage erschließt alle Wohnungen barrierefrei. Außenwände und Innenhoffassaden wurden mit nachwachsendem Rohstoff gedämmt, die erhaltene, gegliederte Straßenfassade wurde mit einem hochwärmedämmenden Putz ausgeführt.

Eckdaten
WDVS Hanfdämmung 20 cm
Baujahr 19. Jahrhundert
Projektdauer Sanierung Mai 2014 bis März 2018
Nutzfläche Altbau: 1.600 m², Dachgeschoß: 760 m2, ­
Lokale: 230 m2
Energiekennzahl 25,79 kWh/m2a (119,53 kWh/m2a zuvor)
Verbesserung um 78,4 Prozent

In der Kategorie „Öffentliche Bauten“ ging der ETHOUSE Award schließlich an das Haus Penzing in der Dreyhausenstraße 29 der Karl und Bremhorst Architekten ZT GmbH

Eine Begründung sieht die Jury darin, dass „das Seniorenwohnhaus in seiner gesamten Architektur überzeugt. Der reduzierte Heizwärmebedarf nach der Sanierung ist vorbildlich für die Nutzungsart des Gebäudes“. Der Bau aus 1971 wurde umfassend generalsaniert. Der Fokus lag dabei auf der optischen und qualitativen Aufwertung von Fassade und Innenräumen sowie in der Umsetzung des Passivhausstandards. Lichtdurchflutete Räume und großzügige Gemeinschaftsloggien und Terrassen sorgen nach der Sanierung für hohe Wohnqualität.

Eckdaten
WDVS Steinwolle 24 cm
Baujahr 1971
Projektdauer Sanierung Juni 2016 bis Februar 2019
Nutzfläche 17.128 m²
Energiekennzahl 22,93 kWh/m2a (160 kWh/m2a zuvor)
Verbesserung um 85,67 %

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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