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Fenster müssen smarter werden

26.02.2015

Einerseits müssen Gebäudehüllen immer dichter werden, da nur so die Energieeffizienz verbessert werden kann. Andererseits geht den immer dichteren Häusern im wahrsten Sinne die Luft aus.

Das Velux Integra Control Pad erlaubt es über Touchscreen, Velux Rollläden, Dachfenster und Sonnenschutz zu steuern und individuelle oder vorprogrammierte Lüftungsintervalle einzustellen.
Der im Fensterrahmen angebrachte Chip versorgt sich selbst mit Energie.
Mit der mobilen Gebäudesteuerungsapp I-tec-SmartWindow lassen sich Fensterkomponenten wie I-tec-Lüftung, aber auch I-tec-Beschattung u.v.m. komfortabel und übersichtlich per Tablet oder Smartphone bedienen und der Status der Fenster mittels Öffnungsüberwachung kontrollieren.

Laut Peter Tappler, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, wird unterschätzt, wie wichtig gute Raumluft, speziell in den eigenen vier Wänden, in Schulen und am Arbeitsplatz ist. Dies hänge unter anderem damit zusammen, dass kaum jemandem bewusst ist, wie viel Lebenszeit man an diesen Orten verbringt: „Die meisten schätzten den Prozent­anteil zwar relativ hoch ein, etwa bei 70 bis 80 Prozent. In Wirklichkeit sind es jedoch sogar 90 bis 95 Prozent. Es wird nämlich gern auf die Zeit vergessen, während der wir schlafen.“ Abgesehen von Schadstoffen wie Formaldehyd, Nikotin usw. wird die Raumluftqualität vor allem am CO2-Gehalt in der Luft gemessen, der hier allerdings eher als Indikator für weitere vom Menschen ausgestoßene flüchtige Stoffe steht, die für schlechte Luft sorgen. Zwar kann nicht behauptet werden, dass diese gesundheitsschädigend ist, ein Wissenschaftler aus Dänemark wies jedoch erst vor kurzem nach, wie unmittelbar sich CO2 in der Luft auf die Leistungsfähigkeit und Produktivität der im Raum atmenden Personen auswirkt. Besonders in Schulen hält Tappler die vielerorts herrschenden Zustände daher für einen Missstand und setzt sich mit dem Arbeitskreis Innenraumluft im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, deren Leiter Tappler ist, für Richtwerte und Grenzwerte in diesem Bereich ein.

Dicke Luft in dichten Häusern

Immer dichtere Gebäude sorgen dafür, dass sich die Luftqualität in Räumen ohne eingebaute Lüftung sehr rasch in eine negative Richtung entwickelt, da die normalen Lüftungsgewohnheiten von Menschen hier wenig bewirken. Man könnte fast meinen, es wäre besser, die Fenster wieder undichter zu machen. Schlecht gedichtete Fenster führen jedoch zu Zugerscheinungen und damit zu einem unbehaglichen Innenraumklima, das früher nicht wahrgenommen wurde, heute jedoch nicht mehr den gängigen Standards entspricht. Seit 1971 hat sich zudem der durchschnittliche Bedarf an Wohnraum pro Kopf in etwa verdoppelt, was auch dazu führt, dass die doppelte Fläche beheizt werden muss. Dabei hat sich auch die übliche Wohnraumtemperatur empfindlich erhöht. In dem Moment, in dem die Entscheidung für ein dichtes Gebäude fällt, hat man sich laut Tappler auch für mechanische Lüftungen welcher Art auch immer entschieden. Nicht allen sei bis jetzt bewusst, dass neue Gebäude ohne mechanische Lüftung eigentlich gar nicht den Bautechnikverordnungen entsprechen, die eine ausreichende Belüftung von Aufenthaltsräumen fordern. Die einzig mögliche Interpretation von „ausreichender Belüftung“ sei seiner Meinung nach, dabei zumindest eine mäßige, wenn nicht sogar mittlere Raumluftqualität vorzuweisen, die laut OIB-Richtlinie Werten entspricht, die in normalen Schlafzimmern neuer Gebäude fast nie erreicht werden und erst recht nicht in Schulen.

Smart Windows auf dem Vormarsch

Gefragt ist laut dem Experten daher ein smartes System, das eine bedarfsgerechte Regelung zulässt und auch bei kleinen Anlagen gut gesteuert werden kann. Ansätze kommen hierzu unter anderem von der Fensterindustrie. Etwa durch Lüftungsklappen, die eine indirekte, zugfreie Lüftung – selbst bei geschlossenem Fenster – ermöglichen, über ein iPad von überall aus angesteuert und nach dem täglichen Rhythmus der Nutzer programmiert werden können. Oder durch ein völlig in das Fenster integriertes Lu?ftungssystem, das mit einem Wa?rmetauscher ausgestattet 93 Prozent Wa?rmeru?ckgewinnung erreicht und Energieverluste auf ein Minimum zu reduzieren vermag.
Ein sich selbst über Solarstrom versorgender Funkchip soll künftig außerdem verhindern, dass an kalten Tagen zum Fenster hinaus geheizt wird, indem dieser die Hausbewohner warnt, wenn Fenster geöffnet geblieben sind und somit ganz nebenbei auch frühzeitig mögliche Einbruchsversuche erkennbar macht.

Autor/in:
Gertrud Purdeller
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