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Erich Kerzendorfer Erich Kerzendorfer Erich Kerzendorfer Erich Kerzendorfer PLOVPLOVErich Kerzendorfer Andreas Empl Visualisierungen: PLOV ZT Visualisierungen: PLOV ZT PLOV ZT PLOV ZT

Fit für die Zukunft

14.12.2017

Mit mutigen räumlichen Interventionen, farblichen Akzenten und einer metallisch changierenden Gebäudehülle holen die jungen Architekten von PLOV Bestandsgebäude aus den 50ern und 70ern vom Gestern ins Heute und machen das B[R]G St. Pölten durch einen weiteren Zubau fit für morgen.

Eines der zentralen Entwurfselemente, mit dem die Architekten 2011 die Wettbewerbsjury überzeugen konnten, war eine völlige Neugestaltung des Gebäudezugangs, der in Form einer dynamisch geschwungenen Rampe, auch Halfpipe genannt, bereits auf die sportliche Ausrichtung der Schule schließen lässt. Neben der Generalsanierung der bestehenden Gebäudeteile und der Erweiterung des Komplexes um einen neuen Klassentrakt gehörte auch der Neubau einer Turnhalle sowie die Sanierung der bestehenden Turnsaalanlage aus den 1970er-Jahren zu den Wettbewerbsvorgaben.                            

Offen und einladend

Während vormals ein Mauersockel eine klare Zäsur zwischen dem Straßenraum und dem Vorplatz der Schule bildete, so entfaltet sich inzwischen eine künstliche Landschaft aus Rampen, Sitzstufen und Grünflächen zwischen der Straße und dem Gebäude und schafft eine kommunikative Zone mit Aufenthaltsqualität. Für die Schüler erfolgt der Zugang nach wie vor über das Untergeschoß. Jedoch wurde eine relativ schmale und wenig einladende Treppe durch eine barrierefreie, in kräftigem Beerenrot akzentuierte Rampe ersetzt, über deren gesamte Breite durch großzügige Verglasung nun auch ausreichend Tageslicht in den Garderobenbereich gelangt. Für Eltern und Lehrer führt der Weg ins Erdgeschoß, von wo aus man auf kurzem Wege zum Direktorat und dem großräumigen Lehrerzimmer im südlichen kürzeren Schenkel des L-förmigen Baukörpers aus den 50ern gelangt. Wie der für den Schülereingang inzwischen etablierte Name „Halfpipe“ suggeriert, setzt sich die nach unten führende Rampe auch auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes fort. Eine Freitreppe mit integrierten Sitzstufen vervollständigt hier die Form und führt direkt in den Pausenhof der linker Hand vom bestehenden Erweiterungsbau aus den 70ern und rechter Hand vom neu errichteten nördlichen Klassentrakt gefasst wird. Für eine helle und freundliche Atmosphäre der Eingangssituation im Erd- und Untergeschoß wurden die tragende Mittelwand sowie die hofseitige Außenwand mit erheblichem Aufwand statisch ausgewechselt.

Umgang mit dem Bestand

Vom Garderobenbereich für Schüler und Lehrer im Untergeschoß aus, führen zwei Stiegenhäuser – eines davon im Sinne einer barrierefreien Erschließung mit Lift versehen – als vertikale Haupterschließung zu den einzelnen Geschoßen; ein unterirdischer Gang bildet den Verbindungsweg zum im Süden anschließenden Turnsaaltrakt. Licht galt es auch in weitere Gebäudeteile zu bringen, zumal die Klassentrakte der Bestandsgebäude größtenteils durch einen Mittelgang erschlossen wurden. Im Zuge ihrer Generalsanierung löste PLOV die teils beengte Situation durch Glasflächen rund um die versetzt angeordneten Klassentüren auf. Zusätzlich öffnet sich der Gang regelmäßig zu einem der großzügig verglasten Pausenräume. Auch die Bibliothek, die sich im ersten Obergeschoß oberhalb des Eingangs befindet, wird nur durch Glasflächen vom Gang getrennt, um großzügig Tageslicht ins Innere des Gebäudes zu holen. Existierende nachträglich eingebaute Glasboxen wurden dazu zunächst entfernt.

Die Erweiterung

Im Gegensatz zu den bestehenden Trakten wurde die Bestandserweiterung B[R]G St. Pölten einhüftig ausgeführt, wobei die Klassen des dreigeschoßigen Stahlbetonbaus entlang der nördlich angrenzenden Straße angeordnet wurden; die Gang- und Pausenflächen orientieren sich zum Innenhof. Eingestellte Boxen für Sammlungen, deren Hülle gleichzeitig die Möbel des Pausenraums bilden, zonieren die Gangfläche in unterschiedliche Bereiche. Mittels Oberlichtbänder belichtet, können die mechanisch be- und entlüfteten Boxen aber auch für kurze Besprechungen verwendet werden. Die Anbindung des Erweiterungsbaus an den Bestand erfolgt über eine Glasfuge in der Achse des nördlichen Erschließungskernes. Eine zusätzliche Stahlstiege verbindet die Geschoße im Bereich der Gang- und Pausenflächen. Sie kann durch einen direkten Ausgang zum Innenhof auch für die Evakuierungszwecke genutzt werden.

Kommunikative Hülle

Für ein homogenes Erscheinungsbild erhielten alle Baukörper eine einheitliche metallisch changierende Hülle, die als hinterlüftete wärmegedämmte Fassade ausgeführt, nicht nur ältere Gebäudeteile optisch angleicht, sondern sie gleichzeitig auch wärmetechnisch ertüchtigt. Analog zu den großen Öffnungen des Neubaus wurden bei den Bestandsbauteilen mehrere einzelne Fenster mittels dunkler pulverbeschichteter Rahmen aus Alucobond zu großen Fensterelementen zusammengefasst. Das Gebäude öffnet sich somit kommunikativ nach außen und gewährt dabei gleichzeitig großzügige Einblicke. Als Fassadenbekleidung wurden großformatige feuerverzinkte Stahlblechplatten verwendet, die im Bereich der Turnhalle durch Lochung einen besonderen visuellen Effekt erzeugen: Die Darstellung einer dynamischen Sportszene kommuniziert die Funktion des Gebäudes auch nach außen und verstärkt die Identifikation der sportlich ausgelegten Schule mit dem Bauwerk.

Dynamische Blickbeziehungen

Durch die Errichtung einer neuen Zweifachsporthalle sowie die Sanierung des bestehenden Turnsaals aus den 1970er-Jahren wurde ein neuer Turnsaaltrakt samt Nebenräumen geschaffen. Schüler erreichen diesen über einen unterirdischen Verbindungsweg. Für externe Benutzer gibt es einen Zugangsgraben, welcher von der Straße aus erschlossen wird. Wurde die Turnhalle als Stahlbetontragwerk ausgeführt, so besteht ihr Dach aus einem fachwerksmäßigen Stahltragwerk. Neu zu errichtende Garderoben wurden unter der Laufbahn angeordnet, deren Belag und Unterbau im Zuge des Umbaus neu hergestellt wurde. Ein besonderes Spezifikum des Turnsaaltraktes stellt ein eher außergewöhnlicher Funktionsmix dar. Da sich zwischen dem bestehenden Turnsaal und der neuen Zweifachsporthalle im Erdgeschoß noch Platz ergab, wurden in diesem Bereich die Sonderunterrichtsräume für technisches Werken angeordnet. Über den angrenzenden Turnsaal werden diese großzügig belichtet. Gleichzeitig sorgt die außergewöhnliche Kombination für spannende Blickbeziehungen.

 

B[R]G St.Pölten
Josefsstraße 84, 3100 St.Pölten

Auftraggeber/Bauherr/Eigentümer : Bundesimmobilien GmbH (BIG)Projektmanagement BIG Christoph Horak
Generalplanung: PLOV Architekten ZT GmbH
Projektleitung: Benno Wutzl, Markus Illetschko
Wettbewerb: 09.2011
Planung: seit 01.2012
Fertigstellung Turnhallen: August 2017
Gesamtfertigstellung: Frühjahr 2018
Konsulenten Tragwerksplanung: Christian Petz
Sporthallenplanung: Martin Havel
HKLS: Die Haustechniker
Bauphysik & Ökologie: Stefan Moser
Brandschutzplanung: FSE Gmbh
Kostensteuerung: Buchegger 7 Gmbh
ÖBA TDC ZT GmbH: Andreas Empl/Patrick Hollensteiner
Baumeister: Haider & Co Hoch/Tiefbau GmbH
Trockenbau: Böhm GmbH
Fassade/Fenster: ARGE Pasteiner+PSP Holz GmbH
Schlosser: m+e Metallbau GmbH
Schwarzdecker/Spenger/Zimmerer: Fleischmann & Petschnig Gmbh

Autor/in:
Gertrud Purdeller
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