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Forschungsgeleitet zur Umsetzung

17.10.2014

2013 gewann das Haus Lisi in Kalifornien den internationalen studentischen Solarhaus-Wettbewerb „Solar ­Decathlon“. Nun, knapp ein Jahr später, kann das von Studenten der TU Wien gemeinsam mit Studierenden der FHs St. Pölten und Salzburg entwickelte energieeffiziente Haus auch käuflich erworben werden.

 

Seit 1. Oktober steht oder vielmehr schwimmt Lisi auf einem Teich inmitten der Fertighausausstellung „Blaue Lagune” in Wr. Neudorf bei Wien. Der innovative Schwimmkörper, auf dem das Solarhaus ruht und der hier erstmals zum Einsatz kommt, ist ein Prototyp, den Marine-Architekt Paul Schöpf als mehrteiligen Ponton aus Holz entwickelt hat. Eine Weiterentwicklung dieser Konstruktion soll es ermöglichen, dass unter dem Motto „Leben am Wasser” eine ganze Reihe schwimmender Häuser zu sehen sein soll. Lisi wird in Zusammenarbeit mit der Holzindustrie demnächst in Serie gehen, wie Erich Benischek, Gründer der Blauen Lagune betont. Der jüngste Neuzugang wird so zum ersten Schritt auf einem Weg zu mehr Innovation, Energieeffizienz und -autarkie sowie zu hochwertiger, nachhaltiger Architektur. Nach einer weiten Reise von Österreich, wo das Haus gebaut wurde, verpackt in Schiffscontainern und nach Kalifornien transportiert, wo es beim renommierten Studentenwettbewerb den ersten Preis errang, ist Lisi nun mit seinem fixen Platz in der Musterhaus-Ausstellung in die Heimat zurückgekehrt.

In Wertschöpfungsketten denken

„Die Grundidee unseres Hauses besteht darin, exzellente Architektur mit exzellenter Technik zu verbinden, sodass ein wohnliches, ansprechendes und ökologisch nachhaltiges Gebäude entsteht“, betont Karin Stieldorf, Assistenzprofessorin an der TU Wien und Leiterin des Team Austria, das das Siegerprojekt Lisi geplant, entwickelt und errichtet hat. Die eigens entwickelten Glasfronten können ganz zur Seite geschoben werden, sodass die Grenzen zwischen innen und außen aufgehoben sind. Eine ausgeklügelte Haustechnik macht aus Lisi ein zertifiziertes Enegie-Plus-Haus. Und die Solaranlage auf dem Dach liefert mehr Energie, als für den täglichen Bedarf benötigt wird. 
Als wichtiges Demonstrationsbeispiel für die drei Grundpfeiler Forschung, Lehre und Innovation, auf denen die Arbeit an der TU Wien basiert, sieht TU-Rektorin Sabine Seidler das Projekt – gekoppelt mit dem Thema der Kooperation und gleichzeitig als gutes Beispiel für die in die Realität umgesetzte, forschungsgeleitete Lehre. Auch hat der Forschungsschwerpunkt Energie und Umwelt besondere Bedeutung, umfasst er doch alle Fachbereiche gleichermaßen mit einem hohen Grad an Interdisziplinarität. Wissens- und Technologietransfer ist ebenfalls von Anfang an in Form eines Verwertungspartners ein wichtiger Aspekt. „Üblicherweise”, so die Rektorin, „wird an der TU Wien eine Idee bis zum Prototyp entwickelt und erst im Anschluss ein Partner zur praktischen Umsetzung gesucht.” Im Falle von Lisi war ein solcher Partner von Anfang mit im Boot. „Innovation als eine der Säulen bedeutet auch, nicht beim Forschen innezuhalten, sondern schlagkräftige Partner hinzuzuziehen, und zwar nicht nur in Form von Unternehmen, sondern auch Partner aus dem Forschungsumfeld. In Wertschöpfungsketten beziehungsweise -kreisläufen zu denken, von der Grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung bis in die Anwendung, ermöglicht schließlich weiterhin entsprechenden Erfolg”, betont Seidler. 
Für Karin Stieldorf sind Wettbewerbe ein didaktisch wirksames Mittel. Darin geht es vor allem darum, erfolgreich zu sein und vom internationalen Vergleich zu lernen. Die besonders hohen Anforderungen beim „Solar Decathlon” bewirken auch seine große Attraktivität. Hierzu gehören konstruktives Können, ökologische Bauweisen und ein angenehmes Wohnklima ebenso wie die Nutzung der Sonne für den Betrieb des Gebäudes und dessen Leistbarkeit. 

Integrale Planung und Umsetzung

In einem integralen Planungs- und Umsetzungsprozess entwickelt, ist Lisi gemeinsam mit Partnern, Sponsoren und in Gruppenarbeit als ökologisches Holzhaus in Niedrigstenergiebaustandard entstanden. Es wird mit raffinierter Haustechnik über Strom aus Sonnenenergie betrieben, ist über ein Tablet leicht zu steuern und angenehm zu bewohnen. Lisi wurde auch zertifiziert und hat Gold in der Bewertung mit ÖGNB, DGNB und Lead, dem amerikanischen Bewertungstool, erreicht. Das Team Austria war das überhaupt erste Team, das sein Wettbewerbshaus einer solchen Bewertung unterzogen hat. 
Und wie soll es weitergehen? „Wir werden weitere größere, auch zweigeschoßige Haustypen entwickeln, die Produktpalette erweitern, die technologischen und ökologischen Eigenschaften des Gebäudes verfeinern, etwa die Steuerung optimieren. In Dip­lomarbeiten sollen weitere innovative Komponenten für das Haus entstehen, in Arbeit ist etwa bereits die Entwicklung von Dämmschiebeläden, die die Nordseite des Hauses noch zusätzlich schützen sollen. Damit wollen wir den Innovationsstand des Gebäudes konstant hoch halten”, erklärt Stieldorf. Geht es nach der Teamleiterin, soll die Marke Lisi auch weiterhin dem Motto „Living Inspired by Sustainable Innovation” gerecht werden und vor allem auch Erfolg am Markt haben. Denn, so betont Stieldorf, garantieren „letztlich exzellente Architektur und Technologie sowie zufriedene Nutzer Häusern ein langes Leben und damit optimale, maximale Nachhaltigkeit”. Eine höhere Produktvielfalt durch unterschiedliche Ausbaustufen mit gesicherter Qualität soll nur geringfügig unterschiedliche Preisstufen mit sich bringen. Um 250.000 Euro ist das Holzhaus in seiner Grundausstattung schlüsselfertig zu haben. Wobei eine Vergrößerung des Grundrisses dieses dicht mit innovativer Technik bestückte Haus, wie die Projektleiterin Karin Stieldorf unterstreicht, letztlich nur geringe Mehrkosten verursachen sollte. Die Philosophie des Lisi-Hauses soll bei allen zukünftigen Varianten jedenfalls mit all seinen nachhaltigen Aspekten erhalten bleiben und fortgeführt werden. 
In der Blauen Lagune in Niederösterreich soll Lisi nun vorerst als Begegnungsort fungieren. In gezielten Diskussionen möchte man in kleinem Rahmen spezielle Personen zusammenführen und die zahlreichen, über viele Jahre entwickelten Ideen diskutieren; etwa den bereits mitgedachten städtebaulichen Aspekt mit der Überlegung eines multiplizierbaren Hauses, das auch platzsparend in Siedlungsstrukturen integiert werden kann. Und letztlich soll Lisis erfolgreiche Vermarktung dann mittels einer Art Provisionsvereinbarung in Form eines bereits ausgehandelten Anteils an die universitäre Forschung zurückfließen. 

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