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schneider + schumacher Architektenschneider + schumacher Architektenschneider + schumacher ArchitektenHolzbau Amann GmbH

Frankfurter Buchmesse: Raum für Inspiration

24.09.2018

Im Auftrag der Frankfurter Buchmeses wurden schneider+schumacher architekten mit der Konzeption und Umsetzung eines Holz-Pavillons als Bühne für Literaturevents beauftragt, der von 10. bis 14. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse erstmals zum Einsatz kommt. 

480 Quadratmeter Grundfläche, 6,5 Meter Höhe und eine selbsttragende Holzkonstruktion mit lichtdurchlässiger Membran – das ist der „Frankfurt Pavilion“, der von 10. bis 14. Oktober, also ganze sieben Tage lang das neue Wahrzeichen der 70. Frankfurter Buchmesse sein wird. Geplant und umgesetzt von schneider+schumacher, entsteht auf der 70. Frankfurter Buchmesse ein ikonischer Bau für Veranstaltungen mit Autoren und Branchenexperten aus aller Welt. „Bücher zeigen immer erst bei genauer Betrachtung ihr Inneres. Dann aber ziehen sie dich im besten Fall direkt in ihren Bann. Genau dieses Bild hatten wir vor Augen, als wir den Pavillon entworfen haben. Ein Kokon, der sich im Inneren zu einem atmosphärischen und multimedial bespielbaren Raum öffnet. Im Zentrum der Messe entsteht ein signifikanter und einladender Ort für das Miteinander rund um Bücher“, beschreiben Kai Otto und Till Schneider den Entwurfsprozess.

Temporäre Bühne
Den Frankfurt Pavilion als temporäre, solide Konstruktion umzusetzen, die unkompliziert zwischengelagert und wieder aufgebaut werden kann bedeutete für die Architekten eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Um eine nachhaltige Nutzung des Gebäudes innerhalb des Messegeschehens über die nächsten Jahre hinweg zu garantieren, wurden bei dessen räumlicher Positionierung auch die übrigen baulichen, szenischen und gewerblichen Elemente auf der Agora berücksichtigt. Hierfür musste eine Geometrie gefunden werden, die einen ikonischen Raum und ein besonderes Raumgefühl entstehen lässt, der die Begegnungen zwischen Autoren und Lesern zu einem Erlebnis macht. Stabil und materialsparend sollte die Tragstruktur sein, und die Herstellungskosten mussten im Blick behalten werden.

Flexible Konstruktion aus Holz
Entstanden sind drei ineinandergeschobene muschelförmige Rippenkonstruktionen aus Holz, die von einer Membran umspannt werden. Einem Zelt vergleichbar, ist die Membran nur mit Schnüren am Hauptspanten der Rippenstruktur und am Boden befestigt und bildet mit der Holzkonstruktion die Tragstruktur. Wirkt das Gebilde von außen wie eine verschlossene Muschel, überrascht es im Inneren mit seiner beeindruckenden lichten Holzkonstruktion, die nicht nur den Raum aufspannt, sondern gleichzeitig als ein überdimensionales Bücherregal genutzt werden kann. „Das Gebäude kann auch interpretiert werden als die parametrische Transformation eines Buchregals in eine raumbildende Konstruktion“, so der Tragwerksplaner Klaus Bollinger von Bollinger + Grohmann.

Parametrisch geplant
Der Pavillon wurde in einem integrativen Entwurfsprozess geplant. Dieser Ansatz erlaubte es, zeitgleich den Einfluss von Änderungen in der Architektur auf die Tragelemente und die damit verbundene Membran sowie die Stabilität ebenso wie den Materialverbrauch zu untersuchen. Aus diesem Prozess entwickelte sich ein parametrisches System, ein zusammenhängendes Ganzes, in dem sich jeder Parameter direkt auf die anderen auswirkt. Auf diese Weise war es möglich in kurzer Zeit viele Varianten des Pavillons zu generieren, miteinander zu vergleichen und anhand der Faktoren Architektur, Tragwerk, Materialität und Wirtschaftlichkeit gegeneinander abzuwägen.
Im Vergleich zu einem traditionellen Designansatz, der mehr oder weniger konsekutiv arbeitet und bei Veränderungen eines Faktors zu Schleifen führt, ist der Vorteil dieses Prozesses, dass die sich beeinflussenden Elemente parallel betrachtet werden. Dies beschleunigt den Entwurfs- und Analyseprozess und ist eine effiziente Methode zur Ermittlung der endgültigen Produktionskosten. So war es im Fall des Pavillons möglich mit verschiedenen Entwürfen zu experimentieren, ohne die Kosten zu vernachlässigen. Überraschend war etwa, dass die Abmessungen der Tragelemente durch die Optimierung des integrierten Rippen- und Membransystems deutlich geringer ausfielen als ursprünglich geplant. All dies beeinflusst den Produktionsplan, den Materialfluss und letztendlich die Endkosten des Pavillons. Auf Grundlage dieser exakten Planung konnte der gesamten „Frankfurt Pavilion“ aus ca. 75m3 Funierschichtholz (Kerto-Q) und 1000m² fasergebundenem PVC als Membran realisiert werden.

Ein Ort zum Geschichten erzählen
In enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Frankfurter Buchmesse, den Tragwerksplanern von Bollinger + Grohmann und den Herstellern der Materialien ist ein architektonisches Kleinod der pragmatischen Poesie, die schneider + schumacher in all seinen Projekten umzusetzen trachtet, entstanden. Ein Ort für Literatur und Literaten jenseits des Messetrubels. Die Holzkonstruktion gleicht einem transluzentem Bücherregal und inspiriert sich damit den Geist des Ortes. Der Membran gelingt es, den Pavillon vom Lärm der Messe weitgehend abzuschirmen. Was bleib ist sanftes Licht und die Geschichten, die im Inneren der inspirierenden Hülle erzählt werden.

Projektdaten
Frankfurt Pavilion

Frankfurter Buchmesse, Messe Frankfurt
von 10. – 14. Oktober 2018

Bauherr: Frankfurter Buchmesse GmbH
Architektur: schneider+schumacher
Tragwerksplaner: Bollinger + Grohmann International GmbH
Brandschutz: hilla wichert brandschutzsachverständige ingenieur und architekt PartG mbB
Bauphysik: IPB Planungen AG
Holzbau: Holzbau Amann GmbH
Membran: Taiyo Europe GmbH
Medientechnik/Elektro: AVMS
Transport/Lagerung: Zöller Transport GmbH, Frankfurt a.M.
Konstruktionsweise: selbsttragende Holzkonstruktion mit lichtdurchlässiger Membran
Baumaterial: Holz (Kerto-Q, ca.75m³), Membran (Low & Bonar, fasergebundenes PVC, ca. 1000m²)
Kerto-Q: Furnierschichtholz aus Finnland, FSC-zertifiziert
Maße:  480m² Fläche, 6,5m Höhe
Sitzplätze: 300, maximale Besucherzahl: 400 Personen

 

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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