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© Walter Zimmeter, Tiefbau Innsbruck© FQP/F.Büchele

Freiraumgestaltung bringt Mehrwert

12.12.2017

„Gestaltung vitaler Freiräume – Lebensgefühl für alle!", so lautete der Titel eines Expertenforums, das im Oktober 2017 im Festsaal der TU Wien zahlreiche ausgesuchte Architekten und Experten vereinte. Über die Trends in der Freiraumgestaltung, dem ökologischen Mehrwert von Pflasterflächen bis zum wissenschaftlichen Nachweis von Qualitätskriterien gab es Vorträge und angeregten Austausch.

Mit den jüngsten Neugestaltungen öffentlicher Stadträume sind zwar ein neues Raumgefühl und ein Bewusstsein für die Nutzung öffentlicher Freiräume entstanden, aber „viele neue Anforderungen – von der Mobilität, der Digitalisierung bis hin zu den Phänomenen des Klimawandels – machen Stadt- und Freiraumgestaltung dringend notwendig!“, meint Architektin Maria Auböck. Einen positiven Wahrnehmungs- und Aneignungsprozess bei den Benutzern bewirken neu gepflasterte Flächen, denn sie strahlen Vitalität aus und erhöhen damit die Aufenthaltsbereitschaft. „Mit Pflaster gestaltete Flächen schaffen Wohlfühlzonen mit pulsierendem Leben, eine Art erweitertes Wohnzimmer, in dem sich zwischenmenschlich neue Möglichkeiten ergeben. Damit kehrt das Leben wieder in die Zentren zurück", erläutert Eduard Leichtfried, Vorstandsvorsitzender des Forums Qualitätspflaster, das zum Expertenforum eingeladen hatte. Mit der Veranstaltung wollte man, Trends bei Freiraumgestaltungen und den Nutzen einer Bürgerbeteiligung beleuchten, erfolgreich umgesetzte Projekte darstellen und den ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert bei Pflasterflächen aufzeigen. Breit war die Palette an Aspekten, die während des Nachmittags angesprochen wurde, und ebenso breit war auch das Publikum: Experten aus Theorie und Praxis, Architekten, Stadtplaner, Bauherren und Vertreter von Gemeinden aus ganz Österreich.

Öffentliche Freiräume mitbestimmen
Den Trendwechsel von einem „public place“ zu einem „public space“ veranschaulichte die bekannte Architektin Maria Auböck in ihrer Keynote-Präsentation: „Zwischen den Fragestellungen der Erhaltung des Ortbildes in Dorf und Stadt geht es heutzutage auch um den Gebrauch: Viele neue Anforderungen – von Mobilität und Digitalisierung bis zu den Phänomenen des Klimawandels – machen Stadt- und Freiraumgestaltung dringend notwendig. Der Nutzen dabei entsteht für den Ort dann, wenn Gestaltung zur Raumkultur wird.“ Ob auch die Bildung einer Gemeinschaft durch Gestaltung möglich sei und diese damit zu einer Belebung des Ortes beitragen würde, interessierte vor allem ländliche Gemeinden. Maria Auböck erläuterte ihre Erfahrungen, wobei sie zu dem Schluss kam, dass Zusammenarbeit und Mitbestimmung nur gelingen würde, wenn die Beteiligten auch bereit wären, ihr bereits vorhandenes Fachwissen der Gemeinschaft anzubieten.
Walter Zimmeter erläuterte, entsprechend seinen Erfahrungen als Amtsvorstand des Tiefbauamtes Innsbruck, seine Thesen zur Bürgerbeteiligung: Gestalteter Straßenraum würde besser von der Allgemeinheit mitgetragen, wenn Bürger beteiligt wären und mitplanen, denn ein früher Beteiligungsprozess beeinflusse die Grundstimmung positiv; darauf könne wirkungsvoll aufgebaut werden. „Die spätere Nutzung ist ein Qualitätsmaßstab und drückt mehr aus als bloße Akzeptanz, da gute Planungen von den Nutzern verstanden werden müssen, bevor sie von ihnen mitgetragen werden können. Mittragen kann man aber nur, woran man beteiligt war“, so Zimmeter.
Das Kunststück durch Verkehrsberuhigung eine Straße zu beleben, schilderte Wolfgang Spitzy, Initiator der Herrengasse+ in Wien, gemeinsam mit dem Planer Gerhard Nestler von FCP – Fritsch, Chiari und Partner. Grundvoraussetzung für die Realisierung eines derartigen privaten Projektes sei die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Liegenschafseigentümern, Geldgebern sowie mit den genehmigenden und teilweise mit der Umsetzung betrauten öffentlichen Dienststellen. Die Projektbetreiber eine Bank, das Hochhaus Herrengasse, zwei Stiftungen und einzelne private Palaisbesitzer bewältigten sowohl die Abwicklung als auch die Finanzierung des gesamten Projektes.

Ein klimaregulierender Mehrwert
Bernhard Scharf von der Universität für Bodenkultur verdeutlichte in seinem Vortrag den ökologischen Mehrwert von Pflasterflächen und damit deren Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität. Pflasterungen seinen als Handwerkskunst ein unverzichtbarer klimaregulierender Bestandteil unseres Lebensraumes in der Stadt. Sie seien vielfältig einsetzbar, dauerhaft nachhaltig und versickerungsfähig und würden als regionale Produkte und Dienstleistung einen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung leisten. Wolfgang Kluger-Eigl vom Forschungsbereich Straßenwesen des Instituts für Verkehrswissenschaften an der TU Wien präsentierte ausgesuchte Ergebnisse des mehrjährigen Forschungsprojektes „Pflasterbauweise“. Dessen wissenschaftliche Ergebnisse brachten neue Erkenntnisse zu Bauweisen und Baustoffen, horizontalen und vertikalen Beanspruchungen und zur Wirtschaftlichkeit von Pflasterflächen, ebenso konnten Qualitätskriterien wissenschaftlich bestätigt werden. Mit dem entwickelten numerischen Simulationsmodell (Finite-Elemente-Modell) wurden die Reaktionsmechanismen ungebundener Pflasterflächen unter horizontaler Lasteinleitung realistisch wiedergegeben, um Verschiebungen bei verschiedenen Verbänden zu untersuchen. Die Erkenntnisse finden in den neuen Planungsempfehlungen für Regelaufbauten, Verbänden und Formaten sowie zur Kantenausbildung Berücksichtigung.

Die Zukunft der Freiräume
Zum Abschluss befasste sich Stefan Weissenböck mit Entwicklungen und Trends öffentlicher Freiräume. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen standen der gesellschaftliche Wandel und seine Auswirkungen auf die Gestaltung von Freiräumen. Neue Elemente wie Begegnungszonen und die Eigenverantwortung der Nutzer eröffnen wohltuende Freiräume, Natur und Freiraum würden mit neuer Sinnlichkeit verbunden und immer mehr Städte bauten auf Lebensqualität, so Weissenböck.
Das Expertenforum zur Gestaltung vitaler Freiräume fand anlässlich der Publikation der Forschungsergebnisse des ersten Forschungsprojektes der gesamten Branche auf Initiative des Forums Qualitätspflaster in Kooperation mit dem Forschungsbereich Straßenwesen des Instituts für Verkehrswissenschaften an der TU Wien und der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie statt.
Das Forum Qualitätspflaster ist eine Qualitätsgemeinschaft für Flächengestaltung mit Pflastersteinen und Pflasterplatten und das einzige unabhängige Kompetenzzentrum für Planung, Beratung und Ausführung, das Gewerke übergreifend kooperiert mit dem Ziel, die Qualität des Gesamtbauwerks zu verbessern. Mitglieder werden aus dem Kreis der Gemeinden, Planer und Architekten, Baustoffproduzenten und der ausführenden Unternehmen aufgenommen.

Forum Qualitätspflaster
Westbahnstrasse 7/6a, A-1070 Wien
T: (01) 522 44 66 88
E: info@fqp.at
I: www.fqp.at

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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