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Kammer der Ziviltechniker

Gemeinsam für faire Verträge

22.07.2019

Solidarität der Planenden: Die Kammer der Ziviltechniker fordert faire Vertragsbedingungen ein.

Überbordende Regulierungen und Verrechtlichung stellen die Planenden vor wachsende Probleme. "Anstelle langer erfolgreich gelebter Partnerschaften, werden Vertragspartner zunehmend als potentielle Gegner betrachtet. Architekten und Ingenieure werden mit Verträgen konfrontiert, die nicht nur einseitig und asymmetrisch sind, sondern Verantwortlichkeiten an Planende übertragen, die nicht in der Einflusssphäre der Planerinnen und Planer liegen. Das Planen von Bauwerken wird immer dann eine Erfolgsgeschichte sein, wenn Auftraggeber und Planer als Team und mit Wertschätzung füreinander agieren", sagt Vizepräsident Architekt DI Bernhard Sommer.

Das Thema der einseitigen Vertragsgestaltung ist kein Neues für die Berufsvertretung. Einerseits sind die kammerseitig offerierten Lösungsoptionen zu wenig bekannt: Die Kammer der Ziviltechniker bietet Auftraggebenden und Auftragnehmenden Beratung und Musterverträge, bis hin zur rechtlichen und finanziellen Unterstützung einzelner Mitglieder - immer dann, wenn es von übergeordnetem Interesse ist. Andererseits haben sich aufgrund grob benachteiligender Vertragsbedingungen im Mai zehn nationale und internationale Architekturbüros solidarisch entschieden, ihre Teilnahme am wettbewerbsähnlichen Verfahren zum Bau des Donaumarina-Towers zurück zu ziehen.

Die Kritik der Ziviltechniker richtet sich gegen die mangelnde Abgeltung von Nutzungs- und Verwertungsrechten sowie jederzeitige Kündigungsmöglichkeiten ohne wichtige Gründe und ohne Abtretungshonorar. "Durch Vereinbarungen, bei denen durch einmalige Honorare eine nicht vorhersehbare Anzahl von Planungsschritten abgegolten werden sollen, wird die Annahme von Aufträgen zur Spekulation und das wirtschaftliche Auskommen von Unternehmen zum Glücksspiel", warnt Architektin DI Katharina Fröch, Vorsitzende des Ausschusses Wettbewerbe der Kammer.

Die Kammer warnt vor diesen Entwicklungen und fordert faire Vertragsbedingungen. Nicht nur die nachhaltige Qualität von Bauprojekten ist in Gefahr, sondern auch das Risiko unvorhergesehener späterer Kosten steigt. Architekt DI Thomas Hoppe, Vorsitzender der Sektion ArchitektInnen stellt fest: "Für die zt:Kammer ist entscheidend, dass sich die Auftraggebenden und die Planenden auf Augenhöhe und konstruktiv begegnen können.“

Daher appelliert sie an Kolleginnen und Kollegen, auf das vertragliche Umfeld zu achten. Andernfalls würden sie nicht nur sich selbst, sondern auch der Planungskultur schaden. Weiter heißt es, die Kammer stehe zu ihrer Verantwortung, helfend einzugreifen und Solidarität herzustellen, wenn sie von Missständen erfährt.

Sie rät den Auftraggebenden zu fairen Vertragsverhandlungen, denn ein guter Vertrag diene allen Partnern und laden – Die Kammer verfügt hierfür über individuell anpassbare Musterveträge.

Darüber hinaus ruft sie die Länder und Gemeinden dazu auf faire Verträge weiter zu unterstützen. Hierfür soll in Vorgesprächen mit Bauwerbern der Einfluss im Sinne der Planungskultur genutzt werden um auf die Beratungsfunktion der Kammer im öffentlichen Interesse hinzuweisen.

Mehr informationen: www.wien.arching.at

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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