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Bergbahnen SöldenBergbahnen SöldenBergbahnen Sölden mt dem Blick in das Venter TalBergbahnen SöldenBergbahnen SöldenBergbahnen SöldenBergbahnen SöldenBergbahnen SöldenBergbahnen SöldenBergbahnen Sölden

Gipfelstürmer: 007 Elements

15.08.2018

Ein Spektakuläres Bergpanorama allein scheint nicht mehr interessant genug. Seit Kurzem lockt man nun nicht mehr mit der naturgegebenen Pracht der Ötztaler Alpen auf den Gipfel des Gaislachkogels in 3.056 Meter Höhe, sondern mit einer cineastisch-bombastischen Erlebniswelt rund um den weltweit bekanntesten Geheimagenten, Agent 007 James Bond.

„007 Elements“, so der Name des in Sichtbeton, Glas und Stahl errichteten und den Berggrat teilweise durchstoßenden Bauwerks  der Bergbahnen Sölden, stammt vom Innsbrucker Architekten Johann Obermoser. In mehreren unterschiedlich konfigurierten Räumen wurden Videoinstallationen zum cineastischen Werk des berühmten Geheimagenten James Bond geschaffen. Aus der Feder Johann Obermosers stammen auch die beiden bereits zuvor errichteten Nachbarobjekte das Restaurant ice Q sowie sowie die Bergstation der Gaislachkoglbahn. Im Jänner 2015 war der alpine Urlaubsort Sölden Drehort des 24sten James-Bond-Films „Spectre“, in dem das Gipfelrestaurant ice Q als Kulisse diente. 2016 startete die Umsetzung der Idee, die Kultfigur Bond für den Tourismus im Ötztal nachhaltig zu nutzen. Mit der Zustimmung der Eigentümer der Bond-Filmrechte EON Productions und Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), beauftragte der Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden Jakob Falkner den Innsbrucker Architekten Johann Obermoser mit der Erstellung eines Raumkonzeptentwurfs für eine dauerhafte James-Bond-Installation.

Eindrucksvolle Blickbeziehungen
Obermoser war es von Anfang an wichtig, Blickbeziehungen zu den Spectre-Drehorten wie der Ötztaler Gletscherstraße, dem ice Q oder der modernen Gaislachkoglbahn herzustellen. Der Permafrost auf 3.040 Meter Höhe, die geologischen Bruchlinien sowie der abgelegene Ort am Gipfelgrat, stellten eine gigantische Herausforderung dar. Entscheidender Entwurfsgedanke war, neben dem räumlichen Konzept, die Umsetzung eines Baus, der in enger Affinität zur der Architektur diverser Bondkulissen stehen sollte. Das in dieser Höhe vorherrschende extreme Klima sollte auch im Inneren spürbar werden, sodass man beschloss, auf technische Einrichtungen wie Heizungen oder Klimaanlagen gänzlich zu verzichten. Es entstanden spektakuläre Raumfolgen mit Sichtverbindungen zu den Spectre-Drehorten. Bereits in der frühen Planungsphase fanden erste Gespräche von Falkner und Obermoser mit der Firma EON Productions und dem James Bond Art Director Neal Callow  über den Inhalt einer Ausstellung am Gaislachkogl statt und der Wunsch, ein Projekt mit imposanter Architektur zu realisieren, verstärkte sich. Johann Obermoser hielt sich an die Philosophie des Kreativkonzepts und fertigte sieben freigeformte über Rampen verbundene Architekturelemente aus Beton, die im Berg verortet sind. Beton und Stahl prägen den reduzierten architektonischen Charakter. Ausstellungsräume ebenso wie Einrichtungsgegenstände (Bänke, Wegbegleitungen etc.) bestehen aus schalreinem Beton. Große Türen aus rostfreiem Stahl (Black Inox) betonen die Übergänge zwischen den Raumkuben, während perforierte, schwarze Stahlpaneele für abgehängte Decken und schalltechnische Verkleidungen eingesetzt wurden. In das mit einer Ausstellungsfläche von 1.300 Quadratmeter  große Massivbauwerk wurden letztlich 2.700 Kubikmeter Beton und 400 Tonnen Stahl als Bewehrung verarbeitet.

In den Berg geschraubt
Der Weg durch die Ausstellung entfaltet sich über leicht geneigte, fast unmerklich abwärtsführende Ebenen. Die Besucher werden in das Berginnere geleitet und durch sich ständig ändernde Raumdimensionen und Konfigurationen – schmal, hoch, gedrungen, polygonal, zylindrisch, introvertiert, hell, dunkel – geführt. Zwei große Öffnungen mit faszinierenden Ausblicken stellen den Bezug zur alpinen Bergwelt her. Über eine Schlucht zwischen dem ice Q und der steil aufsteigenden Felswand des Gaislachkoglgipfels erreicht man das Portal des Zugangstunnels „Barrel of the Gun“, das den Berg durchdringt und der zur „Plaza“ führt, einer Aussichtsplattform mit atemberaubendem Ausblick auf das umliegende Gebirgspanorama. Von dort aus erschliesst ein mächtiges Stahltor den Zugang zur unterirdischen James-Bond-Welt. Beginnend in der Lobby gelangt man über Rampen durch einen fiktiven Gletscherspalt zu einer Raum-in-Raum-Installation, in der Realität und Virtualität miteinander verschmelzen. Im innenliegenden Zylinder werden Film-Sequenzen eingespielt, eine Fensterfront ermöglicht dabei den Blick auf den Drehort der Ötztaler Gletscherstraße. Ein nächster Raum ermöglicht den Blick auf Originalobjekte des Bond-Waffenmeisters Q. Die nächste Etappe, die lichtdurchflutete „Action Hall“, mit einem, des im Film Spectre eingesetzten Flugzeugmodells vor dem beeindruckenden Ausblick ins Venter Tal. Es geht weiter in die Tiefe des Berges bis mand über den Ausgangsschacht wieder ins Freie gelangt an die Geländekante mit Blick auf den in der Tiefe liegenden Gaislachsee. Beton, Stahl und Glas unterstreichen die archaische Stärke der Umgebung, eine Wahrnehmung, die durch natürliche Temperaturschwankungen in den Räumen im Berginneren und durch die akustische Inszenierung verstärkt erscheint.

Spektakulärer Sichtbeton 
Die durch die exponierte Lage diffizile Einbringung des Betons erfolgte im Sommer mit Fahrmischern bis zur Mittelstation, und von dort bis zum Gipfel mittels einer Umladestation mit allradgetriebenen Fahrmischern mit Kettenausstattung. Eine Vorgangsweise, die nur bei trockener Straße möglich. Im Herbst wurde der Beton bis zum Tiefenbachgletscher transportiert, um möglichst viel der Höhe zum Einbauort zu überbrücken. Für den Betontransport zum Gipfel wurden unter anderem auch zwei Helikopter eingesetzt.
2008 erfolgte die Auftragserteilung an Architekt Johann Obermoser zur Neuorganisation der Bergbahnen im Anschluss an den Gewinn eines hierzu ausgeschreibenen Wettbewerbs zum Neubau einer Seilbahnanlage, die aber wegen fehlender Überfahrtsrechte schließlich nicht realisiert werden konnte. Somit entschieden die Bergbahnen Sölden, die beiden bestehenden Zubringerbahnen zu erneuern. 10 Jahre zuvor waren zwei Sektionen neu errichtet worden, eine mit einer Förderleistung 3.600 Personen pro Stunde, die zweite zum GiglJoch für 4.600 Personen, sodasss man nunmehr insgesamt über 8.000 Personen/Stunde Förderleistung erreicht und von der Errichtung einer dritten Bahn Abstand genommen werden konnte.
Eine statische Herausforderung bedeutete der auf 3.000 Meter herrschende Permafrost, erzählt Johann Obermoser, „ man musste sich eine entsprechende Fundamentierung überlegen“. Dort wo Permafrost an den Sonnenseiten auftaut, zerbröselt das Permafrostgestein. Die Bergspitze hat mit ihren 3.056 Metern Höhe für Sölden aber Symbolwert und sie muss schon daher so gut wie möglich geschützt werden. Da sich Permafrost dort nachbildet, wo er keinen Wärmeeintrag erfährt, hat man versucht diesen bei der Errichtung der insgesamt 23 Betonfundamente, die bis zu einem Meter austariert werden können, zu unterstützen etwa auch unter der Bergbahn. Man errichtete daher keine herkömmlichen Fundamente sondern Hohlkammern, um die Hinterlüftung des gesamten Gebäudes sicherzustellen. Die natürliche Temperatur und damit der Permafrost wurden somit unter der Bahn wieder hergestellt. Wenn ein Punkt des Fundaments nachgibt, kann man mit Hubeinrichtungen nachjustieren. Im Laufe der letzten 10 Jahre betrug die Höhenveränderung knapp drei Millimeter, in der Schublänge war jedoch eine Verschiebung von zirka 5 Zentimetern zu messen. Das zeigt, dass sich der Permafrost wieder entwickelt hat. Einstiegsöffnungen zu den Fundamentierungen machen es möglich, den Permafrost zu kontrollieren. Dieses einfache Prinzip wird mittlerweile weltweit angewandt. Im ice Q an drei Punkten ebesno wie bei 007 Elements wurde dieses System ausgeführt, dort in noch einfacherer Form mittels eingelegter Rohre, die nach oben entlüften. „Elements ist ungeheizt, denn wir wollten das Naturschauspiel auch im Inneren vergegenwärtigen. Im Winter kann die Temperatur schon mal bis zu 12 Grad Minus betragen. Und auch wenn draußen die Sonne scheint, ist es im Inneren um etwa 5-10 Grad kälter. Einzig der Windschutz ist gegeben und im Winter drückt es durch die Ritzen sogar den Schnee herein, Ansonsten kommt man hier ohne Technik aus. Das wollten wir ganz bewusst “, beschreibt Johann Obermoser. 007 Elements umfasst eine Gesamtnutzfläche von 1.300 Quadratmetern. Als die Inszenierungen dazukamen wurden die ursprünglich geplanten 650 Quadratmeter erweitert, um den Raumbedarf abdecken zu können. Ausgeführt wurde alles barrierefrei, der Höhenunterschied von Eingang und Ausgang beträgt etwa 8 Meter. Da sich das Projekt aber sanft in den Berg hineinschraubt, ist der Unterschied für den Besucher nicht wahrnehmbar. Die kürzeste Weglänge im Durchschreiten zählt etwa 250 Meter. Insgesamt verbaut wurden 350 Tonnen Stahl und 2.700 Kubikmeter Beton.

Vom Gipfel des Gaislachkogels eröffnet sich eine spektakuläre Rundumaussicht über Dolomiten, Stubaier Alpen, zu den Pitztaler Alpen mit der Wildspitze, selbst die Zugspitze ist zu sehen und man überblickt die Schauplätze des 2015 hier gedrehten James Bond Films Spectre.

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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